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Ayamonte und sein Parador



 

Die Tore von Herkules


Parador Ayamonte

“So unendlich ist, oh Meer, der Himmel,
er ist überall derselbe,
Kann die derart kleine Seele dies glauben...
für die Unendlichkeit in der Endlichkeit
eingeschlossen
von den Sternen selbst,...
Wie geborgen fühlen wir uns
Unter ihrer kurzen endgültigen
Unendlichkeit?!”.
Juan Ramón Jiménez

Denn so haben es jene mythischen Götter und Halbgötter vereinbart; denn so haben es die kriegstüchtigen Götzen und Helden beschlossen. Denn all diese und auch alle anderen Länder erwachten aus all den Müttern aller Kriege, das heißt: Aus all dem Streben aller Menschen, das noch heute gegenwärtig ist, wie nie zuvor. Und alles, zumindest fast alles, aus dem Streben nach Herrschaft und Macht; vielleicht sogar viel mehr politischer als nationalistischer oder religiöser...Jedoch auch aus wirtschaftlichen Gründen. All jene Imperien waren Buhler und Geizhälse maßloser Macht. Wie etwa Pizarro oder Christoph Kolumbus...

Dieses Mittelmeer was in jenen Jahrhunderten der große See der westlichen Kultur. Über all diese Küsten brachten sie Kulturen, Kunst, Sprachen, Gesetze und Gebräuche bis zu unseren iberischen Küsten. Aber sie brachten auch Ablehnung; und Verteidigungskriege gegen fremde Eindringlinge...

Am Ende war ein übereingekommener und geteilter Friede unumgänglich – nützlich für beide Seiten: So, mehr oder weniger, wurden diese Gebiete zwischen dem mediterranen Orient aufgeteilt, bis hin zu den derart gefährlichen Grenzen bei den Säulen von Herkules. Aber sowohl die einen als auch die anderen schleppten Kriegsbeute von hier nach da: Gewürze gegen Metalle; Anbauprodukte gegen Sklaven...

Jene Anfänge der phönizischen, griechischen, römischen, arabischen und fast zum Schluss christlichen oder christianisierten Invasionen waren Jahrhunderte lang durch ein gemeinsames Gefühl zwischen den herrschenden Gottheiten gerechtfertigt: „...Gott erschuf die Welt, jedoch mit der Hilfe von Allah...“ (arabisches Sprichwort).

Nach dem was die Geschichte annehmen will, ist dieser Westen das Ergebnis eines Paktes, der kaum aggressiv war: Über übereingekommenes Zusammenleben, lediglich scheinbar überzeugt: So waren diese Pakte ausreichend günstig für beide Seiten. Und schließlich entwarf man die Verteilung fast all dieser Gebiete.

Lange Zeit über erschien die Verteilung für beide Seiten deutlich vorteilhaft ... Aber mit dem Vergehen der Jahrhunderte wurde das Armdrücken ungleich: Die Christen gewannen mit überwältigender Mehrheit. Der Reisende täusche sich nicht: Diese Mittelmeergebiete der “Finisterre” sind die Tore von Herkules („Las puertas de Hércules). Willkommene und unumgängliche Grenze; seit jeher schwer passierbarer Durchgang ist es heute unzertrennliche Interkontinentalbrücke. Es ist wohl die am wenigsten schwierige Übergang zwischen Afrika und Europa: So nahe – nur ein Dutzend Kilometer – so verführerisch, aber auch heimtückisch sich diese endgültigen und kontrollierten Grenzen annähern, die durch zwanghafte Verfahren von repressiven Systemen aufgezwängt wurden. Sowohl von der einen als auch von der anderen Seite der Meerenge. In diesem Zusammenhang muss jene Wahrheit der sogenannten „Wiedereroberung“ deutlich gemacht werden. Wir sollten nie das Andenken verlieren: Die Hälfte oder mehr dieses Spaniens, hat arabisches Blut und Seele. Was ist Andalusien? Ist es nicht auch eine komplizierte, aber ausgezeichnete Mischung zwischen unerschrockenen Kreuzfahrern, mit einer entscheidenden Hilfe von Juden und Mohammedanern.

Boote Ayamonte Der Besucher erinnere sich, dass dies alles und noch viel mehr zu dieser Iberischen Halbinsel gehört, in dieser und anderer toleranter und sanft invasiven Kulturen: Alle und jeder einzelne von uns ist Nachkomme jenem sowohl nachbarschaftlichen als auch einigen Zusammenleben: Aufgrund all jener ungeheuren Zeiten entstand ein neuer Begriff; den wir schließlich und bis heute als Zusammenleben bezeichnen. Und so sind bis heute die Angelegenheiten. Verlieren wir nicht die Erinnerung; dass alle und jeder einzelne von uns der selben Wurzel entspringt. Oder anders gesagt: Wie sollen wir sonst das ausgezeichnete Miteinander in den Bräuchen und Gewohnheiten verstehen und erklären, angestiftet und eingefädelt von der Kunst, den Ritualen, Musik, Geschmack und sogar Geruch, die wir zum Glück bis heute im täglichen Leben teilen?Man muss eigentlich nur unsere eigene Sprache untersuchen, die auf weise Art von den weisen Mohammedanerinnen verseucht wurde. Wie etwa “Fliesenlegen” (“Alicatar”), so grundlegende wie wirksame Technik um magische und meisterhafte Wände abzuschließen.

Oder die Technik der Gipsarbeit (“Yesería“), unsterbliche Filigranarbeit die sogar noch in der Moschee von Córdoba überdauert. Sowie unzählige südliche Ortschaften. Und unumgänglich, der Mudejarstil, der auf bewundernswerte Weise viele kastilische Gebiete benetzt und verseucht. Salamanca, Zamora, Tordesillas, Toro und viele weitere unzählige Gebiete...Neben alledem und mittendrin, jenes andalusische Barock, das seinen Geschmack und sein eroberndes Streben weder verbergen kann noch will. Dort liegt Écija, die „sevillanischste“ und barockste Stadt unserer Halbinsel. Oder Cardona; oder Lepe...

Oder Linares. Dies ist grenznahes Rückgrat. Und gleich danach Baeza und Úbeda, mit völlig eigenen Entwürfen, Sprachen und Gebräuchen: Mit einer außergewöhnlichen Sprache; sie sind stolze Olivenhändler: So wollen sie sich unterscheiden. Nicht jeder kann in “Cai” (Cadiz) geboren sein. Es wird deutlich, dass viele Andalusien miteinander leben. So wie Cadiz „Cai“ ist, so sind die Stadt und ihre Leute stolz auf sich selbst, aus gutem Grund wollte das Grundgesetz („la Constitución“) hier entstehen, mit erstaunlichem Geschick. Und Ayamonte nahm und nimmt mit gleichem Rang daran Teil. Diese Menschen sind aufsässig, jedoch nie aufgeregt. “... wir sind ganz wir selbst...” Es ist ein allgemeines und teilnehmerisches Gefühl.

Der Reisende täusche sich jedoch nicht: Ayamonte ist hier, aber auch ein Stück weiter dort. Es ist eine Stadt des Atlantiks und zwangsweise grenznah. Es nimmt teil, ohne übermäßige Begeisterung, mit linguistischen Redewendungen, manchmal mit Absicht verwirrend.


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