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Baiona und sein Parador



 

Die atlantische Felsenküste


Parador Baiona

Schon bevor Gott in dieser Welt war, waren diese Küsten bereits stürmisch. Schon damals waren diese Gewässer wild; waren diese Wälder fruchtbar; und diese Täler und diese Flüsse geheimnisvoll. Und diese Menschen tapfer, gebildet und abergläubisch. Die ersten Völker, die ihre Spuren an dieser Flussmündung hinterließen, wurden durch die so genannten “Piedras del rayo“ (Blitzsteine) bekannt und lebten in engen, befestigten Lagern. Die Männer bauten Roggen an. Und sie stocherten in den Gärten herum, fast so wie heutzutage. Die Frauen flochten bunte Kleiderröcke, fast so wie gestern. Alle aßen dunkles Brot, Vieh und Pflanzen aus den Tälern, sowie an den Felsen und an den Stränden gesammeltes Getier, fast so wie heutzutage. Die Bewohner dieser befestigten Lager lebten zusammen mit Zauberwesen und unsichtbaren Kobolden, die sie „Mouros“ nannten und sie fanden Hilfe bei den Göttern der Meere, der Steine, der Pflanzen, des Mondes ...

Wie etwa beim Oliven- und beim Lorbeerbaum, die die Stürme verjagten und verjagen. Wie beim Wasser des “Miño“, das Kinder heilt, wenn eine Kerze nicht erlischt, die in einem Korb mit den Kleidern des Menschleins dahin treibt. Wie etwa bei der Taufe der Schwangeren in nächtlicher Feier auf der Brücke, die eine gute Geburt gewährleisten soll...

So fand der erste Römer diese Küsten vor, als er zu ihnen kam; als er das Meer wüten hörte, wusste er sofort, dass es das Keuchen und Seufzen der Erde war. Aber die Legionen kamen bis an dieses Ende der bekannten Welt auf der Suche nach alltäglicheren Abenteuern. Etwa sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung nämlich kam bereits ein anderer Entdecker und erkannte, dass in diesen Gebieten die wertvollsten Schätze versteckt lagen. Somit wurden diese Küsten vor den Römern bereits von griechischen und phönizischen Kolonien bevölkert. Alle auf der Suche – vor allem – nach Silber, Zinn und Gold, was es alles in großen Mengen gab.

Der Konsul Flavio Serviliano säte den Schrecken in der Umgebung des Miño. Er verwies die Rebellen auf ihren Platz in der befestigten Einfriedung Erizana, so hieß sie damals, bevor sie zu Bayona wurde. Jedoch berichten wahrheitsliebende Chroniken, dass eines Nachts Viriato erschien, mutig und verschwiegen, und es gelang ihm, die galicischen Patrioten und Seeleute zu befreien. Man sagt, folgender Ausspruch stamme aus dieser Zeit: „Gold und Silber reicht uns nicht, um uns die Freiheit zu erkaufen; aber Eisen haben wir genug, um sie zu verteidigen...“

Es war der berühmte Julius Cäsar, der diese Küsten für das Imperium erobern sollte. Dort baute er eine Armada, die die Herminier bezwingen konnte, die sich auf die Cíes-Inseln geflüchtet hatten, wo er eine Generalkaserne errichtete. Die Römer errichteten Lager, die zu Städten und später zu Provinzen wurden. Sie bauten Wege, um mehr Dinge abzutransportieren als heranzuschaffen. Sie hinterließen jedoch auch Gesetze und neue Bräuche. Die Waffen des Imperiums bezwangen die Kelten, die druidischen Götter jedoch verschafften sich Platz im römischen Olymp.

Parador Baiona Zufahrt Aber am Ende kam das Gesetz Christi. Die Kreuze existierten neben den befestigten Lagern, wie Otero Pedrayo berichtet, der so viel und so gut über ganz Galicien erzählt hat: „Wenn man ein von einer Kirche gekröntes Keltenlager über die Jahrhunderte hinweg betrachtet, in einer derart unscheinbaren und gewöhnlichen Landschaft, bekommt man das Gefühl jenes Augenblicks unendlicher Übersinnlichkeit...“ Es verbindet die bewegenden keltischen Elemente mit der Einführung ins Evangeliums. Dies war der Angelpunkt des mittelalterlichen Lebens im schöpferischen Galicien und der Ursprung der geistigen, sentimentalen und künstlerischen Metropole Galiciens.

In den ersten Jahrhunderten wuchs der Glauben entfacht durch die Worte und den Reiz Priscilianos, der die Menschen und insbesondere die Frauen dieses Landes bezauberte, wodurch er bei anderen Predigern Neid hervorrief, die ihm durch eine schmutzige und geheimnisvolle Enthauptung ein Ende bereiteten. Seine christlichen Lehren, verknüpft mit dem keltischen Pantheismus, endeten jedoch nicht mit seinem Tod; ganz im Gegenteil, sie wuchsen und fassten Fuß bis spät ins 6. Jahrhundert. Sein Einfluss breitete sich in der gesamten damaligen westlichen Welt aus. Christliche Heilige und Gelehrte, so berühmt wie der Heilige Ambrosius bis hin zum Heiligen Augustinus interessierten sich lebhaft für den Glauben der Sekte dieses Landes.

Später kamen die Sueben hierher, während einer Zeit der Hungersnöte, grausamer Pestepidemien, Plünderungen und Tausenden von Plagen, bis Leovigildo die Dinge wieder zu Recht rückte, in dem er das suebische Königreich dem Westgotischen Reich einverleibte. Als dann bald das 7. Jahrhundert angebrochen war, erstarkte Recaredo an diesem befestigten Ort und im benachbarten Tuy. Und, wie um sich mit seiner schwierigen und verdienstvollen Großtat zu brüsten, ließ er Geldstücke prägen. Aber, wie man damals schon wusste, dauert die Freude nie lange im Haus des Armen. So kam der Zorn der Sarazenen und Berber mit ungläubigem Streben nach Plünderung und Herrschaft. Ausgerechnet damals wuchsen die Steine heran, die in den Mauern und Schlössern und am Ende im Palast aufblühten, in dem der heutige Gast das Vergnügen hat, zu wohnen.


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