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Bielsa und sein Parador



 

Hirten, die den Himmel erreichen


„...diese Täler, deren melancholische Schönheit zutiefst beeindruckt,
deren ewige Stille gleichzeitig erfreut und überrascht,
man könnte auch sagen, die Berge, die sie einschließen
wie ein uneinnehmbarer Wall, trennen uns vollständig von der Welt...”
Gustavo Adolfo Bécquer

Der Parador Bielsa So erklären diese herrlichen und überwältigenden Höhen die eigentliche Genese der gesamten Erdkugel, und so wollen sie diese verstehen: Man kann sich nicht dafür verbürgen, aber es wird auch niemand in der Lage sein, dies zu widerlegen. Die Kataklysmen sollten so heftig sein, dass sie zu Legenden führen würden, die praktisch nachweisen wollten, dass die Pyrenäen das Resultat mutiger Unternehmungen von Göttern und Helden sind. Gemäß diesen epischen Schilderungen wäre es Herkules, der Sohn des Jupiters, der in nach Iberien kam, um drei der Aufgaben zu erfüllen, die ihm der ruchlose König von Mykene auferlegt hatte. Nebenan, so schwört man, lebte der berühmte Zauberer Tubal, der erste Siedler dieser Halbinsel; so schrieb es niemand Geringeres als San Juan de la Peña, damals im 16. Jahrhundert.

Und mehr noch: Kaum hatte sich die Sintflut gelegt, wollte Tubal sich mit seinem Volk in diesen schönen Bergen Hocharagoniens niederlassen. Er zeugte eine Tochter, Pyrene, von solch einzigartiger Schönheit, dass sie die wollüstige Aufmerksamkeit des bösartigen Geryon erregte, eines dreiköpfigen Riesen, der König der gesamten Halbinsel war, lange bevor diese keltisch oder iberisch wurde. Er wollte sie mit Gewalt erobern. Die junge Schöne versteckte sich in einer dunklen abgelegenen Grotte in den dichten und Schwindel erregenden Höhen. Als er sie nicht finden konnte, legte der böse und rachsüchtige Geryon Feuer an die Berge. In diesem Augenblick kam Herkules höchstpersönlich hier vorbei, wild entschlossen, den perfiden Riesen zu jagen und zu töten. Da erschien schon von weitem eine riesige Rauchwolke. Zwischen den lodernden Flammen entdeckte er Pyrene; vergeblich versuchte er, sie zu retten, aber die Schöne starb in seinen Armen. Da beschloss er, ein spektakuläres Mausoleum als unvergängliches Denkmal für die Jahrhunderte zu errichten: Er riss die härtesten Felsen aus und türmte sie übereinander, bis er ein Gebirge errichtet hatte, das er auf den Namen Pyrenäen taufte.

Wasserlauf am Parador Die gelehrten Geographen erzählen dies in einer etwas präziseren, mehr prosaischen Art: Ihnen zufolge sind diese pyrenäischen Höhen die steilsten Gipfel an den Außenachsen, die durch Binnengebirge ergänzt werden; daneben gibt es einen Bereich mittlerer Höhen in der Umgebung von Jaca. Sie sind Erschaffer zahlreicher ursprünglicher Naturen, Zeugen der Vorgeschichte und Richter und Teil einer jeden einzelnen dieser Geschichten, Geschichtchen und Legenden; und von Kriegen, nicht ohne ständige Konspirationen, Denunziationen, Rachezüge und tausend und mehr Unglücksfälle: wie die christlichen Martyrologien; wie die grausamen Bündnisse mit dem erobernden Imperium; wie die zähneknirschende Toleranz gegenüber den barbarisch-westgotischen Invasoren...

Oder wie die mehr oder weniger sofort ungestümen, manchmal brutalen, aber allgemein toleranten überfallenen Nachbarvölker. Menschen, die moderat missionarisch waren, aber zugänglich für andere, sehr unterschiedliche Sitten und Religionen. Und bald darauf die unendlichen Kriege auf der Halbinsel aufgrund des unersättlichen Machtstrebens an den Grenzen, zwischen den Königen und Adligen aus jenen mittelalterlich-christlichen Zeiten...

Für den Moment mag sich der Fremde in diese einzigartige und überraschende Landschaft versetzt fühlen. Diese sehr hohen und hochmütigen aragonesischen Berge wurden so aufgeteilt, wie die Geschichte es erlaubte und sie es akzeptierten, nicht ohne Kämpfe und Spannungen zwischen den vier großen Pyrenäengebieten: La Jacetania, el Serralbo, el Sobrarbe und la Ribagorza. Es sind heute alles verödete Gebiete: halbleer, was die Einwohnerschaft betrifft, und verlassen von Produktionsbestrebungen und - aktivitäten... „ ...Beinahe immer schon haben die Politiker uns hier eine Landschaft ausgestreut voller Talsperren, Kanäle und Stauseen, die nur ein Geschäft für sie selber sind...”

Dieser privilegierte Parador de Bielsa gehört rechtlich und soziologisch zu Jaca, der „Hauptstadt” des so genannten Alten Aragoniens: aus diesen geschlängelten und gequälten Granitfelsen dämmerten die steilen Kämme und die Menschen beinahe gleichzeitig herauf. In dieser Gegend entstanden die ersten Formen menschlichen Lebens: Verteidigung und Angriff. Und Waffen für die Jagd und das Fischen. Sie wussten, wie man Feuer macht... Und mit der Zeit lernten sie, Ton zu modellieren und so Gefäße herzustellen. Es gelang ihnen, „Metallsteine” zu fördern, die im Feuer erhitzt zu Gefäßen und Werkzeugen geformt wurden; oder zu Bildern; oder zu Schmuck für friedliche oder kriegerische Zeremonien...

Aussicht vom Parador Sehr schön und einzigartig ist auch die Gegend der Comarca del Cerralbo, die sich ihrer uralten mozarabischen Anfänge rühmt, voller Weisheit und Toleranz und in der Lage, Kulturen zu verbrüdern, die vermeintlich, aber nicht tatsächlich, antagonistisch waren. Sabiñánigo ist die Hauptstadt des Kreises. Die Einwohnerschaft ist heute unternehmerisch und industriell. Die beiden Landkreise leiden schwer am Problem der Bevölkerungsarmut: Die dreitausend Quadratkilometer ihres Territoriums werden im Durchschnitt von zehn Bewohnern pro Quadratkilometer Land bevölkert. Die beiden Kreise sind untrennbar verbrüdert in ihrer eisernen Verehrung der heiligen Orosia, der unbestechlichen Schutzpatronin der romantischen Diözese von Jaca. Die junge Frau soll bei dem Berg Yebra de Basa gemartert und geopfert worden sein, und hier wird noch ihr Kopf oder das, was vom Schädel übrig geblieben ist, in einem sehr bemerkenswerten mittelalterlichen Reliquiar aufbewahrt. Ihre heiligen und wundertätigen sterblichen Überreste wurden im ausgehenden 11. Jahrhundert nach Jaca gebracht. Santa Orosia ist die ewige Patronin dieser beeindruckenden Umgebung des Parador de Bielsa, und sie wird es immer sein.

„... Die heilige Orosia ist die Vizegöttin der Berge; sie hat die Schlüssel zum Himmelreich und füllt diese Berge für deren Bewohner mit Fruchtbarkeit...”

Daneben ist die Heilige, aus eigenen oder aus zugeschriebenen Verdiensten, so etwas wie die Göttin des Wassers; oder wie ein Schutz gegen Pest und Plagen. Oder Patin der so genannten Besessenen, häufig aus irgendeinem unsinnigen Grund Geächteten, bis in fast nahe Zeiten (beinahe bis Ende des 17. Jahrhunderts).

El Sobrarbe ist die Königsgegend eines großen Teils der aragonesischen Sonderrechte und Rechte. Ein außergewöhnlicher Zeuge dafür ist das rote Kreuz, welches das Wappen des Königreichs beherrscht: Es erschien wundersamerweise das Kreuzsymbol über einer Steineichenkrone während einer der wilden Schlachten zwischen Mauren und Christen. Und legendäre Überlieferungen, die niemals lügen, behaupten, dieses Wunder sollte und wollte öffentlich ausrufen, dass es in Aragonien „...eher Gesetze gab denn Könige...”

Und diese unbeugsamen Einwohner sollten noch weitere Unabhängigkeitsbestrebungen gegenüber der königlichen Gewalt an den Tag legen:

„...Wir sind soviel wert wie Ihr, und alle zusammen mehr als Ihr...” Und noch mehr, zwischen Geschichten und angenehmen Fantasien. Als das 17. Jahrhundert bald herandämmern sollte, wütete ein schwerer Wirbelsturm mit solcher Kraft, dass er das für den Reichsausschuss errichtete Denkmal umstürzte.

Noch heute gibt es in der uralten Erinnerung ein Sprichwort in Form eines Volkslieds:

„...Die Erscheinung dieses Kreuzes an diesem Ort brachte ihm soviel Ruhm, dass die Geschichte ihn unter den edlen Spaniens einordnete...“ Etwas später, aber immer noch früh, ganz am Anfang dieses Aragoniens, entstand das ribagorzanische Gebiet: gerade als man so eben das 11. Jahrhundert streifte. Diese Region ist auch heute noch sehr spärlich bevölkert.

Aber aus der Höhe beherrscht und bewacht der Gott Aneto diese prächtigen und zu Recht hochmütigen Kämme, auf die dieser Parador unvermeidlich blickt und sie genießt: Man nennt sie, oder sie sind bekannt als die “Montes Malditos”, die verfluchten Berge, vielleicht nach uralten Überlieferungen, die sie gestalten wollten. Es gibt zahlreiche Traditionen und Legenden, die es so erklären wollen:

...In den christlichen Anfängen zogen sie über diese Gipfel, die man vom Speisesaal und anderen Zimmern des Paradors unvermeidlich genießt...: Es lief durch diese Berge ein verlorener und verirrter Pilger. In einer rauen Gewitternacht. Der Pilger klopfte an sämtlichen Hirtenhütten an, auf die er traf. Aber die Hirten, die sich vor allen Fremden fürchteten, hetzten ihre wilden Bulldoggen auf ihn, edle Wachhunde, welche die Herden und ihre Herrn bewachten...

Der untröstliche Pilger traf zum Schluss auf einen bescheidenen Knaben, der ihm das Wenige, das er hatte, anbieten wollte. Bald musste der bescheidene Hirte die schrecklichen Verwünschungen gegen die rücksichtslosen anderen Hirten mit anhören: Sie sollten in einen Haufen verwünschter Felsen verwandelt werden...“ Und so könnte es gewesen sein.


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Parador de Bielsa ***
  Landkarte