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Calahorra und sein Parador



 

Hervorragende Bewohner des Niemandslands


"„...denn von diesem Land aus
könnte man die Truppen
sehr einfach
in jeden beliebigen Teil
Hispaniens bringen..."
Titus Livius

Der Parador Calahorra In wenigem oder in gar nichts gleicht diese Stadt dem, was sie einst war. Sie genoss, und darauf kann sie stolz sein, edle prähistorische Vorfahren. Aus jener Zeit sind noch sehr eloquente Belege erhalten, wie der Fremde weiß und fast überall hier in der Gegend überprüfen kann: Die Auen waren bereits in der Steinzeit bevölkert, mitten im Morgengrauen der Geschichte... und noch heute, nur einen Steinwurf von diesem Parador entfernt, kann der Fremde eine der Dinosaurierrouten einschlagen.

Etwa acht Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung, in der so genannten Eisenzeit, streiften hier zahlreiche Stämme umher, die wussten, wie man eisenhaltige und andere Mineralien findet und abbaut. Und mit dem geschätzten und kostbaren Metall lernten sie, die unverzichtbaren und vielfältigen Werkzeuge herzustellen, die sie für ihren spärlichen Komfort und für die Grundlagen des Überlebens benötigten...

Es musste noch viel Zeit vergehen, bis die ersten Punier sich in diesen flachen und fruchtbaren Flussauen niederließen: Man schätzt, dass etwa zweihundert und ein paar Jahre vor unserer Zeitrechnung der legendäre, übermäßig gefräßige Hasdrubal in diese Gegend kam. Nach wilder Belagerung und ungewöhnlich starkem Widerstand sollte er dieses Gebiet erobern. Es gibt stichhaltige Gründe zu der Annahme, dass jene Bewohner sich gezwungen sahen, sich von dem Fleisch der in dieser blutrünstigen und langen Schlacht gefallenen Kämpfer zu ernähren.

Es dauerte nicht lange, und die kaiserlichen römischen Legionen suchten sich Platz, Auskommen, Müßiggang und Geschäfte in dieser Gegend, die so großzügig war an Nahrungsmitteln, Mineralien und mildem Klima. Sie war bereits von Keltiberern bewohnt: Stämmen mit Sitten und Bräuchen, die von einer gewissen Kultur und einer bemerkenswerten Zivilisation zeugten.

Sie richteten sich nach juristischen, ethischen und ästhetischen, grundlegenden Kodizes mit festen Vorschriften für ein gemeinsames Zusammenleben.

Ihre Nahrung fanden sie in dem, was die Natur selbst ihnen gab - viel Wild und reichlich Fisch - und in dem, was sie zu erwirtschaften lernten: Kulturpflanzen aus gewonnenen Samen und Tierherden, die sie klug zähmten.

Der Turm des Paradors Knapp zweihundert Jahre vor Christus führten die Keltiberer Krieg gegen Rom. Am Ende waren diese Menschen romanisiert... und ihnen wurde das römische Gesetz auferlegt, nicht ohne wilden und schrecklichen Widerstand. Ein Jahrhundert nach der Ermordung des Sertorius in Huesca wurde diese Stadt auf Befehl des Pompejus von Afranius gestürmt. Bei der Belagerung von Calahorra mussten die stolzen Keltiberer sich von den Leichnamen der Krieger beider Armeen ernähren. Um das Jahr 70 vor Christus und nach der Ermordung des Sertorius musste Calahorra weitere Angriffe ertragen: Erneut mussten die Belagerten Menschenfleisch essen. Wieder wurde die Stadt vollständig zerstört. Julius Cäsar befahl, den Ort in dankbarer Anerkennung für die Hilfe, die die römischen Legionen von den Bewohnern erhielten, wiederaufzubauen.

Als bereits die christliche Ära anbrach, beurlaubte Octavius Augustus seine angesehene persönliche Garde, die von Ortsansässigen gebildet wurde. Dieses geschätzte Privileg wurde ihnen zuteil, nachdem sie dem römischen Invasor beständige Treue und Heldenmut gezeigt und bewiesen hatten. Der Kaiser taufte diese Stadt mit der privilegierten Ernennung zur römischen Gemeinde: Nun gehörte und unterstand Calahorra in jeder Hinsicht Rom. Octavius Augustus gestand diesen Menschen das Recht und das Privileg zu, römische Münzen zu prägen.

In diesem Ort gab es eine Judengemeinde, die zu den bemerkenswertesten Spaniens gehörte. So einzigartig, dass sie über eine eigene und exklusive Mauer verfügte: Plünderungen, Ermordungen, Raub und Brand hat es hier nie gegeben...: Die Juden wuchsen zu einem Kollektiv heran, das etwa 15 bis 20% der Bevölkerung ausmachte.

Im 16. Jahrhundert dann kamen die Franziskanermönche, um sich niederzulassen. Sie bewohnten die Burg. Da dort aber der Platz bald nicht mehr ausreichte, musste sie niedergerissen werden, um ein neues Kloster bauen zu können. Zu jener Zeit wurde auch die Synagoge abgerissen, ebenfalls um die expansiven Bedürfnisse zu befriedigen...

Der maurische Invasor ließ sich bald in dieser Region nieder, blieb allerdings nur für zwei Jahrhunderte hier; wenig Zeit angesichts der Dauer der hispanisch-arabischen Präsenz auf der Halbinsel. Aber es sollten intensive und fruchtbare Zeiten sein: All diese Gebiete, im Gegensatz zu den verwüsteten Grenzgebieten am Duero, waren dicht bevölkert. Die Bewohner verschiedener Religion konnten ohne größere Schwierigkeiten zusammenleben. So im Falle des Grafen Casio und seines berühmten Enkels Muza Ben Muza, der den Ehrentitel „Dritter König Spaniens” führte. Der Sohn der westgotischen Dynastie der Banu Casi trat zum Islam über und konnte hier ein praktisch unabhängiges Muladí-Reich errichten. Dieses war von solch bemerkenswerter Macht, dass es einen der wichtigsten unter den sechsundzwanzig Gerichtsbezirken des gesamten Maurentums der Halbinsel kontrollierte.

Obwohl sein Aufenthalt nicht sehr lange dauerte, sollte der Einfluss, den der Maure hier hinterließ, sehr intensiv sein: die Bewässerungsanlagen und Anbaumethoden, eine Vorliebe, welche zuvor die Römer gezeigt und die ägyptischen Pharaonen erfunden hatten. Sie wurden mit erstaunlichen Ergebnissen perfektioniert auf Grundlage hydraulischer und mechanischer Ingenieurskunst. Eine rotierende Anbauweise wurde eingeführt und verbreitet: Dadurch, dass periodisch bestimmte Arten ausgesät wurden, um bei der folgenden Aussaat auf andere Kulturen zurückzugreifen, erzielte man eine beinahe ununterbrochene Anbauzeit. Oder die halbindustrielle Einführung der Seide... Am entscheidendsten aber für diese Landschaften waren wohl die Anbautechniken für Obst und Gemüse, zum damaligen und zukünftigen Ruhm und Prestige der gesamten Rioja: Als Beispiel sei die Artischocke genannt.

Die Innenstädte, Medinas, waren auch in der Lage, das Aussehen der Orte, die nach der römischen Glanzzeit verlassen worden waren, wieder herzustellen und zu verbessern: Während die edlen römischen Güter über Sklaven und komfortable, aber privilegierte Thermen verfügten, führte die arabische Medina all diese und weitere verfeinerte Freuden, Hygiene und Sitten im eigentlichen Stadtbereich ein. Aus den Thermen wurden private, aber auch gleichzeitig öffentliche Bäder.

Die Koran-Gläubigen sollten die mohammedanische Bevölkerung ausmachen, die keine weiteren Einschränkungen kannte als den Respekt vor fremdem Eigentum und vor ihrem Gott. Es gab neue und bedeutende Veränderungen bei Fragen zur Moral oder zur öffentlichen Sicherheit: Der “Almotazén”, der für Kultfragen zuständige Beamte, wurde auch zur höchsten Steuereinnahmeautorität. Dazu gehörten auch die Überwachung von Maßen und Gewichten auf den Märkten oder der Qualität der Produkte. Schließlich war er auch Vermittler bei nachbarschaftlichen Streitigkeiten...

Die öffentliche Bildung hatte zwar keinen offiziellen Charakter, war aber sehr fortschrittlich: Es gab höheren Unterricht in Geistes- und Naturwissenschaften, Medizin, Jura..: So konnten in diesen iberischen Landen Philosophen wie Averroes und Tofail heranwachsen; Chemiker wie Abul–Rassen, der ein Lösungsmittel erfand und vertrieb, das wir heute Terpentin nennen... Und El Idrisi, der Universalgeograf... Und Dichter und Musiker von weltweiter Anerkennung...

Zum Schluss kam der Cid: Er kämpfte in Calahorra gegen Martín González von Aragonien, und wie es nicht anders zu erwarten war, gewann Don Rodrigo Díaz de Vivar, und Calahorra wurde der Krone von Kastilien unterstellt.

Die Wechselfälle der Geschichte bewirkten, dass Calahorra an Navarra fiel, bis Alfons VI. und Sancho Ramírez das Königreich Navarra unter sich aufteilten. Seither ist Calahorra für immer kastilisch.


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Parador de Calahorra ****
  Landkarte