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Cangas de Onis und sein Parador



 

Land der Hexen und Kobolde


“...Wer nach Santiago geht
jedoch nicht zum El Salvador
Besucht den Diener
und lässt den Herrn stehen...”
altes volkstümliches Sprichwort

Parador Cangas de Onis Schroffe Gebirgsrücken und Täler aus englischem Grün mit barockem, lustigem Treiben der Sonnen. Berge, die ihre Gipfel in unbändigen Flüssen besänftigen. Mit nebligem Moos bemalte Häuser, sowie Hexen und Kobolde. Küsten und Meere aus Rauch und von unbeugsamer, freundlicher Stimmung. Leute, die unscheinbar reden und durchschlagend handeln. Dörfer voll umherziehender Abenteurer mit patriotischem Seufzen. Landschaften mit Liebkosungen von unberührbarem Wohlstand. Rebellisches Land mit ewigen Lieben und Kriegen. Landschaft der Kreuze, Sicheln und Hufschläge.

Die Asturier protzen nicht mit altehrwürdiger Abstammung: Schwer genug hatten sie es auf dem Weg zu ihrer Reife und in ihrer mittelalterlichen Geschichte. Zunächst galten sie als Kelten, von deren vermuteten Kulten noch Dinge auf dem einen oder anderen Speicher, unbedacht und verstaubt, erhalten sind. Als schließlich die Römer kamen, fanden sie „Stämme vor, die mutiger und schrecklicher waren als in sonst einem Dorf Hispaniens; und da sie an kühlen und felsigen Orten wohnen sowie der Gaben und Bequemlichkeiten anderer Völker entbehren, können sie viel Arbeit ertragen...“

Sie waren jedoch auch nicht so plump, wie man vielleicht annehmen könnte. Sie verwendeten bereits das Rad am Wagen, den der “Asturcón“ (kleine Pferderasse) zog, ein so gewaltiger Klepper, dass selbst Nero sich einige davon in seinen Stall mitnahm. Von damals stammen, wie es heißt, die so genannten “Vaqueiros de alzada”, wandernde Rinderhirten, die in den Felsen und Sommerweiden lebten, mit fremdartigen Bräuchen, die Strabon für die Nachwelt festhielt: „...Sie waschen sich mit längere Zeit in Zisternen aufbewahrtem Urin und, sowohl die Männer als auch die Frauen, putzen sich damit die Zähne...“ Der Leser sollte sich nicht ekeln, denn auch er hat bestimmt den einen oder anderen Vorfahren, der diese aseptische Waschung vorzunehmen pflegte. Äußerst dunkel und undurchsichtig ist der Ursprung dieser wandelnden Hirten. Die einen sagen, dass es Kelten oder Normannen waren; andere wiederum halten sie für Nachkommen jüdischer Sklaven der Römer... Wie auch immer, der Asturier bewahrt misstrauisch seine alten Gewohnheiten und Bräuche, ohne jedoch seinen vortrefflichen Aberglauben zu verbergen, geschmückt mit schönen Nymphen aus den Gewässern, die noch immer “Xanas“ genannt werden; mit hübschen Mägden, “Yalgas“, die von furchterregenden Schlangen, “Culebres“, verzaubert und eingesperrt wurden. Oder von den schelmischen und stöbernden “trasgus“, die noch heute die unsichtbaren Kobolde sämtlicher Wälder sind. Und die Frau, die bereits damals mit matriarchalischen Funktionen glänzte. Und die immer weiter verbreiteten Tänze, die heute “Corri-corri” und “Pericote” genannt werden...

Die Kirche des Paradors Von manchen dieser Dinge zeugen heute noch viele Orte in der Umgebung. Herrliche Höhlen, von der Zeit geformt – die von Moria in Rivadesella – oder bewohnt und geschmückt von den allerersten Stämmen vor Zehntausenden von Jahren: Die Höhle “Cueva del Bruxu” in Cangas de Onís, wo bereits die Geometrie erfunden wurde; die von “Les Pedroches“, in der Nähe von Villaviciosa; und der “Ídolo de Tú“ bei Llanes... Und, vielleicht vor allem die Höhle von “Tito Bustillo“, die sich spielerisch mit der von Altamira messen kann, in den größten Tiefen der Zeiten der Höhlenmalerei.

Covadonga erwachte, um Asturien zu gebären; um das von der „überrollenden islamischen Flut“ des rebellischen Sánchez Albornoz befreite Spanien zu neuem Leben zu erwecken, dank des nur mit großen Steinen und Holzkreuzen bewaffneten Pelayo. Wenngleich andere, weniger parteiische Zeitzeugen, behaupten, dass „die Mauren nur wenige waren und zwischen diesen Gipfeln etwas verloren umherirrten...“. Manche versichern sogar, mit zweifelhaften Absichten, dass sich der gute Pelayo das große Abenteuer seines Lebens und unserer Geschichte nur aus Rache gegen einen Mauren auferlegte, der es gewagt hatte, seine Schwester zu lieben...

Damals fand eine Gruppe Benediktinermönche auf der Suche nach einer Wohnstätte und einem angemessenen Ort, um ihre Reliquien vor den Sarazenen zu schützen, einen Ort Namens Oveato. Dort erbauten sie eine Kirche und ein Kloster zu Ehren ihres Beschützers, Märtyrers und Heiligen San Vicente. Bald kamen die ersten Könige aus Asturien und Oveato. Es war ein gewisser Fruela, der eine bessere Kirche erbauen ließ, um sie dem Erlöser zu widmen, ohne wahrscheinlich zu wissen, dass diese schließlich zu einer stolzen und einzigartigen Kathedrale werden würde, Zuflucht und Reliquienschrein der spärlichen und zaghaften Christenheit; wenngleich sie am Ende von der maurischen Wut, die wieder umging, beinahe in Schutt und Asche gelegt wurde.

Mit der Ankunft des Königs Alfons II. – durch sein Übermaß an Tugend “El Casto“ (der Keusche) genannt – ist es für den Reisenden ratsam, sich in diese gemächlichen Zeiten zurückzuversetzen: Er befindet sich im vorromanischen Oviedo, als das 8. Jahrhundert träge da hinstrich. Diese Straßen waren nicht übermäßig mit Einwohnern, Edlen und frommen und gläubigen Pilgern gefüllt, sondern nur in dem Maße, wie es notwendig war. Damals lebten dort auch Mönche, die lateinische Kodizes schrieben, und Baumeister, die Kirchen mit Steinkuppeln erbauten, zur Bestürzung aller anderen Orte. Und derart begabte Goldschmiede, dass sie das Gold für das “Cruz de los Ángeles” (Engelskreuz) unübertrefflich bearbeiteten. An diesem Kreuz ließ der Monarch den ewigen Schwur anbringen, den der Besucher heute noch nachlesen kann: „... jeder der sich anmaßt, mich von hier fortzubringen, werde sogleich vom heiligen Blitz getroffen ums Leben kommen...“ (Strabon).

Gesamtansicht Parador Cangas de Onis Die Hauptstadt sah sich bald mit für einen Hofstaat würdigen Reichtümern, Dienstleistungen und Flittergold geschmückt, wenngleich auch ungewohnt für die derart zurückgezogene Christenheit: Aquädukte, Bäder, Spitäler, Gerichte... Steinmetze, Meister der Geometrie und Steinbildhauer machten sich ans Werk, um das bis heute höchst erstaunliche vorromanische Wunder zu erbauen. Die Kirche “Iglesia de San Tirso”, in der Nähe der Kathedrale, die heute noch ein “Alfiz“ (Ornament arabischen Ursprungs) zeigt, Prahlerei der Virtuosität der Mauren, als ewiges Rätsel für die Gelehrten und zur Verwunderung des Besuchers. Die nicht weniger erstaunliche Kirche von “San Julián de los Prados“, die aufgrund ihrer Baustruktur und der Gemälde, die ihre Innenmauern überziehen, als außergewöhnlich gilt.

In der Zwischenzeit hatte der hartnäckige Hinterhalt der Ungläubigen den schmerzvollen Tribut der Hundert asturischen Jungfrauen gefordert; sie waren für die Wollust in den Harems von Cordoba bestimmt, im Tausch gegen dunkle Abmachungen. Der Mut der jungen Frauen und das königliche Geschick konnten einen derart demütigenden Pakt verhindern.

Gerade zu diesen Zeiten, um das 9. Jahrhundert herum, entstanden zwei Meisterwerke der religiösen Weltarchitektur, die trotz ihrer Bekanntheit auf jeden Fall besichtigt oder zumindest gestreift werden sollten: “Santa María del Naranco”, zuvor prächtiger Palast des Königs Ramiro I., und “San Miguel de Lillo“. Beide ragen auf dem “Monte Naranco” empor; beide auch Vorbilder der Kunst und Weisheit jener Zeit. Die Kathedrale, die der Reisende heute als Spätgotik bewundern kann, war bereits ein elegantes Bauwerk zu Beginn der Romanik. Seine beinahe gregorianischen Chöre hießen die zahlreichen Wallfahrer täglich Willkommen, als sie hierher kamen, um die aufbewahrten wundertätigen Reliquien zu verehren, unberührbar in der heiligen Kammer.

Es ist ein bewundernswerter und begehrter Schatz – gestohlen und vor wenigen Jahrzehnten auf wundersame Weise wieder zurückgebracht – der die verlockendsten Arbeiten der romanischen Goldschmiedekunst aufweist. Das echte “Cruz de la Victoria” (Siegeskreuz), Juwel und Wappen dieses Fürstentums. In seinem Inneren befindet sich das Eichenholzkreuz, das den einzigartigen und eindrucksvollen Sieg Pelayos erwirkte.

Aber es ist vor allem die “Arca Santa“ (Heilige Arche), die den frommen, aber selbst den gottlosen Besucher am meisten in Bewunderung versetzt und ergreift. Ihr Ruhm und die Kraft ihrer Reliquien war so groß, dass König Alfons VI. in Begleitung seiner Schwester Doña Urraca, dem Cid Campeador und mehreren Bischöfen bis hierher pilgern wollte. Nach einer Woche vorschriftsmäßiger Buße war es soweit, der Heilige Kasten konnte geöffnet werden. Der Schatz, den der König vorfand, war so reich, dass er eine neue Truhe von angemessener und wertvollerer Größe herstellen lassen musste. Er befahl danach, dass sie so verschlossen würde, dass sie nie wieder geöffnet werden könnte. Und so ist es bis heute, um jegliche Andeutung eines ungläubigen Blickes oder verführerischer, missgünstiger Respektlosigkeit zu unterbinden. So zahlreich und so heilig sind die Reliquien, die in der Arche enthalten sind, dass sie selbst die von Compostela in den Schatten stellten.


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Parador de Cangas de Onis ****
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