Cordoba: Die Kulturen aus Tausend und Einer Nacht
„Oh hochragende Mauer, oh gekrönte Türme
Von Ehre, von Majestät, von Würde!
Oh großer Fluss, großer König von Andalusien
von noblem Sand, wenn auch nicht golden!...“
( GÓNGORA )
Córdoba genießt zu Recht einen magischen, unauslöschlichen Nimbus. Sein Bild entspricht unserem Wissen und unserer Vorstellung von dieser Stadt: Córdoba bleibt
argwöhnisch sich selbst treu und bewahrt seine eigenen Traditionen sowie gestohlene Bräuche. Manche davon jüdisch, manche christlich oder christianisiert:
immer maurisch. Vor allem aber ragte es im Herzen der Macht der Kalifen empor. So wurde es zur kultiviertesten, reichsten, luxuriösesten und wollüstigsten Stadt.
Noch heute bietet sie einen angemessenen und geeigneten Hintergrund für die schönsten Bilder aus „Tausend und Einer Nacht...“ So war es – und so will es noch
immer ein bisschen sein – jenes muslimische Córdoba. Aber es ist noch viel mehr: Es bewahrt und zeigt heute tief verwurzelte Traditionen, einzigartige Beweise
seiner vielen Kulturen; großzügige Reichtümer, die einen offen; andere eher verborgen, um nicht zu sagen geheim gehalten. Außerdem ist es ein Gebiet der Bereich von
Latifundien... Der Besucher erfreut sich eines extrem freundlichen Volkes, wie kaum eines anderen. Aber auch ist es vielgestaltig wie fast kein anderes: Die
Menschen sind immer das Ergebnis des Flusses, der sie durch die Geschichte führt. Das ist der Betis; das ist der Guadalquivir.
Dies ist das Wunder:
Fruchtbares Ergebnis der reichsten Invasionen, die die iberische Halbinsel sich erträumen konnte: Bei uns fielen neue und erneuernde Kulturen und
Zivilisationen ein; wütend und finster; andere hochvornehm, gebildet und episch; später kamen Missionare, und Abenteurer; Humanisten und Koloristen.
Alles Menschen, die stolz auf das Ihre sind. Anders denkend, wenn immer die Gelegenheit günstig war; treu, so weit wie es notwendig war. Immerzu Ästheten,
Poeten für alle Zeiten. Die Festung wurde von den Legionen des römischen Imperiums eingenommen. Diese Besuche waren nicht gern gesehen. Im Gegenteil,
es gab derart viel Widerstand und so viele Kämpfe wie nur möglich; nicht vergeblich, denn jenes betische, schließlich auch karthagische und lusitanische
Volk hatte und genoss sein eigenes Vaterland und eigene Kultur. Am Ende vernichteten es die Legionen: Der Prätor Lucius Mercius war der endgültige Eroberer,
zweihundert Jahre vor unserer christlichen Zeitrechnung. Seitdem sollten die ersten Bewohner von Córdoba acht Jahrhunderte lang Latein sprechen, wenngleich dies
nur eine ungefähre Annäherung sein kann. Es erscheint am wahrscheinlichsten und logischsten, dass das Lateinische mit Substraten durchsetzt war, „vielen und sehr
bemerkenswerten Einflüssen der Gemeinsprache der Goten ...“, wie es die ältesten Chroniken bezeugen wollen. Ihrem selbst erfundenen Pragmatismus unumgänglich treu
beeilten sich die neuen Nachbarn, die iberische Halbinsel zu zerstückeln, um sie besser auszubeuten und leichter regieren zu können. Man geht davon aus –
obwohl man es nicht sehr genau weiß – dass jenes Córdoba zur Hauptstadt der gesamten Provinz Baetica ausgerufen wurde. Und es gibt sogar Legenden,
die dies bestätigen: Es war Julius Cäsar persönlich, der jenen berühmten Bananenbaum pflanzte, den Martial später in seinen Gedichten unsterblich machen würde...
Wie dem auch sei, am Ende wurde Córdoba römisch. Es waren die Legionen, die eine erste Stadt bzw. Festung errichteten. Sie befestigten den Platz.
Sie verwandeln ihn in eine Kaserne und ein strategisches Zentrum für ihre Soldaten. Als Konstrukteure ihrer eigenen Zukunft legen sie die günstigsten Wege der
iberischen Halbinsel an. In Bezug auf ihre natürlichen Reichtümer – Fischerei, Landwirtschaft, Bergbau; Sklaven... – verwandeln sie Córdoba in einen wichtigen
Knotenpunkt für die hispanischen Verkehrsverbindungen. Schon bald zeigten die Bewohner von Córdoba ihren Stolz und, ein bisschen, den Pragmatismus, den sie vom
zivilisierenden Eroberer übernommen hatten: Während der Bürgerkriege, die in Rom das eigene Imperium schädigten, stimmte diese Stadt je nachdem für die eine oder
andere Seite. Somit waren die Menschen von Córdoba entschiedene Anhänger von Cäsar oder von Pompeius, je nach der Einstellung und dem Verhalten, das Rom seinen
Bewohnern gegenüber zeigte...
Wie dem auch sei, es scheint so, dass die Zukunft des lateinischen Imperiums stark von diesen Gegenden abhing. Hier und dort wurden
entscheidende Schlachten geschlagen und ein sehr kriegerisches Verhalten gezeigt: Der betisch/lusitanische Heerführer Viriatus versetzte die Truppen der
Legionäre mehr als einmal in Angst und Schrecken. Im Endeffekt war die Bilanz sowohl für die Eroberten als auch für die Eroberer exzellent.
Das Imperium nahm sich aus diesen Gebieten Metalle für jene edlen Zeiten: Eisen, Kupfer, Zinn... sowie Gold und Silber in riesigen Mengen.
Hervorragenden Fisch, hervorragend konserviert: Den “Garum” – die erste der besten Pasteten des Universums, aus übereinander geschichteten Lagen von Sardinen und
ähnlichen sorgfältig eingesalzenen Fischen– den “Mojama“ (gesalzenen, gehärtetenen Thunfisch) und andere wie etwa den eingesalzenen “Bacalao“ (Kabeljau).
Ebenfalls nahm das Imperium eine bemerkenswerte Kultur mit, eingebracht von den iberischen, keltischen und lusitanischen Völkern. Es waren gleichzeitig auch
Zeiten grausamen Gerangels; Zeiten der ständigen Untreue, gespickt mit Verrat und Rache...
Am Ende war Cäsar endgültig siegreich. Dies war das dritte und letzte Mal,
dass der Kaiser in der Stadt war. Als die Kriege vorbei waren, erlebte diese Stadt eine lange und angenehme Phase der Ruhe. Es kamen vier lange Jahrhunderte von
nachbarschaftlichem hispanisch-römischem Zusammenleben. Es beginnen fruchtbare Zeiten. In der Wirtschaft und im Städtebau... und, vielleicht vor allem, in der Kultur...
zusammen mit der Rechtssprechung und der Technik entwickelt sich der intellektuelle und literarische Geist der berühmtesten Menschen aus dem römischen Córdoba.
In diesen Straßen entstand die am meisten geschätzte Bildungsstätte der hispanisch-römischen Geisteswissenschaften. Das waren die Zeiten von Seneca und der Schule von
Córdoba. Dort, wo sich heute der sehr berühmte, aufgeklärte und historische Platz “Las Tendillas“ befindet, stand damals jener erste, aber bereits entscheidende und
ausschlaggebende, Senat von Córdoba. Als ursprüngliches Forum sollte er immer die Hauptrolle für die Bevölkerung spielen: Er wurde arabischer Marktplatz,
Stierkampfarena, zwingender Schauplatz für die Inquisition und immer weitsichtiger Leuchtturm für das tägliche Leben...
Von “Las Tendillas“ gingen die wichtigsten
Straßen aus, die zu den Toren der Stadt führten: zur „Puerta de Osario“ und zur “Puerta de Hierro”, die die Mauer durchbrach. Zum Tor von Gondomar, das später “Puerta de los Gallegos“
genannt wurde... Das Amphitheater lag etwa bei “San Pablo“ und der Palast des Konsuls in der Nähe des Rathauses. Ganz in der Nähe des Alcázar waren der Hafen und der Zoll.
Das Stadion lag
außerhalb des ummauerten Bereichs. Für die Toten stellte man zwei Beinhäuser bereit: Eines für die einflussreichsten Bewohner, zwischen Tejares und San Cayetano;
die Überreste des einfachen Volkes wurden auf dem “Campo de la Verdad“ (Hof der Wahrheit) begraben. Auch die Götter hatten einen eigenen und angemessenen Wohnort.
Bacchus und Apoll wurden wahrscheinlich bei der “Trinidad“ verehrt. Der Tempel des Augustus erhob sich stolz in der Nähe der Einsiedelei “Ermita del Amparo“.
Das der Sonne gewidmete Heiligtum entsprach mehr oder weniger dem Ort der Kathedrale.
Beim Hospiz stand der Tempel der Geister der Toten, bei der Kirche “Iglesia de Santa Ana“
gab es wohl eine Münzprägeanstalt mit dem Monopol für die Prägung von Geldstücken. Sehr wenig weiß man von den Zeiten der Westgoten. So lange es ging, hielten sich die
Bewohner Córdobas treu an die Sitten und Gewohnheiten des bereits verschwundenen Imperiums. Es war der Westgote Leovigild, der die Festung erneut erobert. Aber die
Bewohner nahmen kriegerisch Partei für seinen Sohn und Erben, den christianisierten Hermenegild.
Magische Zeiten des Islams
ie eigenwilligsten Geschichtsschreiber schrieben auf seltsam verdrehte Weise: Weder war die muslimische Invasion so grausam, wie man uns glauben machte, noch erfolgte
der Kreuzzug der Wiedereroberung aus derart heiligen Beweggründen, wie wir denken sollten. Die Eroberung hatte genauso viel von einem Besuch wie von einer Invasion;
die unterdrückten Christen litten nicht derart, wie man versuchte, uns zu beweisen. Aber leider mangelte es auch nicht an Verschwörungen, Grausamkeiten und sehr blutige Episoden;
sogar innerhalb der Territorien jedes einzelnen dieser Völker. Ja; es gab Besatzung. Aber mit Abkommen und festgelegten Grenzen. Mit Steuern, die unmöglich sind zwischen
Eroberern und Eroberten. Mit ständigen internen Boshaftigkeiten innerhalb der einen oder anderen Partei.
Oft waren es mehr Guerillas als Kriege: Plünderungen und
Schurkenstreiche – nur manchmal sehr grausam – der einen oder anderen Seite. Wie auch immer, die Gesamtbilanz war offen gestanden vorteilhaft für die gesamte iberische Halbinsel:
Der Wirtschaft ging es unerwartet gut; der Handel und der kulturelle und künstlerische Austausch nahmen zu... Eine sehr heterogene Bevölkerung aus Muselmanen, Juden und
Westgoten lernte sehr bald, zusammenzuleben und Religionen, Sprachen, Bräuche und Gewohnheiten zu teilen.... Dies waren glückliche Zeiten eines nahezu unvorstellbaren Zusammenlebens.
Es ist eigentlich fast gleichgültig, wie und weshalb etwa um das 8. Jahrhundert die islamischen Eroberer hierher kamen, obwohl es ziemlich sicher scheint, dass die Ankunft ein Komplott
der christlichen Feinde von König Roderich war, der „den Mauren als Verbündeten für seine Sache nahm...“ Der Fall liegt jedoch so, dass die ersten maurischen Eroberer, ganz am Anfang,
mit einer recht bemerkenswerten Menge an Toleranz zu den Toren von Córdoba kamen. So sehr, dass man in den Chroniken der Zeit lesen kann, dass „...die geringe Zeit der Eroberung der
Stadt doch sehr verwundert...“, obwohl es den Eroberer etwa zwei Jahre unfruchtbarer Versuche kostete...
Schon bald kam in jenes westgotische Córdoba der erste Emir: Al-Horr entschied sich, hier die Hauptstadt des beginnenden und triumphierenden muselmanischen Imperiums zu errichten.
Schon bald kamen Zeiten der Herrschsucht, der Verbannung, des Verrats: Langanhaltende politische Kämpfe zwischen den Besetzern sehr heterogener Herkunft: Eher denn Völker waren es
Zusammenschlüsse von syrischen, berberischen und anderen Stämmen, die sich unter dem Deckmantel der muselmanischen Religiosität als Eroberer betätigten. Schließlich kam es zu einer gewissen Stabilität.
Im Jahr 756 richtete sich der erste unabhängige Emir in Córdoba ein, entsandt oder akzeptiert von der Dynastie der Omeyas. Mit Abderramán I., begann „... der große Glanz der
Palmen und der Innenhöfe...“, den später Araber und Christen für immer besingen würden. Abderramán I., „der Große” musste Zeiten „von Verlockungen und Verschwörungen der Seinen überstehen ...“.
Endgültig festigte er hier in Córdoba seinen Sitz, anfangs durch seine Stärke: Er riegelte sich mit einer persönlichen Garde ab, die so stark war, dass manche Historiker sie auf bis zu
40.000 Krieger in ständiger Wachsamkeit schätzten. Viele von ihnen waren Sklaven aus afrikanischen Gegenden... Aber der Ruhm von Abderramán I. beruhte nicht nur auf seinen
Eroberungen. Er sollte weniger als Krieger denn als Dichter in die Geschichte eingehen; vielleicht aufgrund seiner orientalischen Philosophie des “Al- Andalus“,
die noch heute gut verankert ist. Abderramán I. war der erste arabische Beschützer von Córdoba.
Ihm haben wir die Entscheidung zu verdanken, hier die große Moschee zu erbauen. Er
suchte und fand einen Ort, um seinen Palast “La Arruzafa“ zu errichten . Die Stadt überfliegend; umgeben von Gärten. Von hier aus, in der “La Arruzafa“, herrscht er politisch und schreibt Poesie:
“...Tu también insigne palmera „... auch du, bemerkenswerte Palme, Auch du bist hier fremd...” Bemerkenswert, überraschend, kriegerisch und sehr ehrenhaft war dieser
Abderramán. Er selbst wollte dies festhalten: Ich kam bis hierher... „bedroht vom Hunger, verjagt von den Waffen und Flüchtling vor dem Tode...“ (und hier fand ich) „...Sättigung, Sicherheit,
Freunde und Reichtümer...” Hixem I. festigt und vergrößert die Erfolge seines Vaters: Er hat es nicht mehr nötig, grausam zu sein; er ist ausgesprochen pazifistisch und den
Kulturen, Religionen und Gewohnheiten gegenüber tolerant. Seinem Eifer ist es zu verdanken, dass die Arbeiten der Moschee zum Abschluss kamen. Außerdem ist Hixem ein einflussreicher Moralist seiner Zeit.
So sehr, dass er seinem Nachfolger schriftlich folgendes hinterließ: „...Sei gerecht zu den Armen und Reichen. In der Liebe zu seinen Untertanen liegt die Sicherheit des Prinzen. Sei gut und barmherzig mit
den Untertanen, alle sind Kinder Gottes...” Mit Abderramán II. begannen in Córdoba die größten Herrlichkeiten zu entstehen: Es kamen Händler aus aller Welt, Menschen der Wissenschaft, Kultur, Musik, ...
Córdoba begann sich, als Hauptstadt „aller Lande des westlichen Europas ...“ zu fühlen. Und so sollte es sein: Mit Abderramán II. beginnt der Städtebau der arabisch-christlichen Stadt.
Abderramán II. ist es, der die Stadt noch weiter vergrößert: Er lässt Bäder bauen, installiert Beleuchtung in den Straßen, die außerdem gepflastert sind und über Entwässerung und Kanalisation verfügen...
Die Stadt wird zum bemerkenswertesten Wissenszentrum jener Zeiten... Nur um eine Vorstellung davon zu bekommen: Damals – zu Beginn des 9. Jahrhunderts - verfügte die Bevölkerung über ein Heim für etwa
dreihundert Waisenkinder in einem Gebäude, das eigens dafür errichtet wurde, auf Anweisung von Abderramán II. persönlich.
Das große Jahrhundert der Kalifen
Es war das große Jahrhundert von Córdoba: Zwischen 912 und
961 ist die Stadt der Leitstern, der den zivilisierten Westen führt
und blendet. Sie ist Objekt der Bewunderung und des Neides
dieser Zeit. Die Vollendung der muselmanischen Eroberung: Im Krieg und
im Frieden; in der Wirtschaft, in der Kultur, in der Medizin, in der
Technik... Das sind die fruchtbaren Zeiten unter Abderramán III.
Zu Beginn seiner Herrschaft war dieser Abderramán vor allem ein
unermüdlicher Eroberer. Zuerst musste er sein eigenes Reich befrieden,
das in ständige Verschwörungen hineingezogen und verwickelt war.
Unzählige Aufstände, Abmachungen und Verträge mit widerspenstigen
christlichen Königen und Häuptlingen...
Recht schnell erobert er die strategisch wichtige Festung von Toledo, der
geheiligten Hauptstadt des Westgotischen Reiches.
Bald erreichen seine Heere die Berge der Pyrenäen. Kurz darauf breiten
sie ihre Macht bis zu den begehrten Küsten Nordafrikas aus.
Aber der siegreiche Krieger ging schließlich in die Geschichte aufgrund
seiner Eroberung des Friedens ein. Sein Gerichtshof erreichte eine
Feinheit, von der man nur träumen konnte, und die man sich bis heute so
schwer vorstellen kann. Als Modell der intelligenten Toleranz verwandelt
sich Córdoba in das Heiligtum des universellen Wissens: Hier
komponieren, forschen, entwickeln oder arbeiten die brillantesten Köpfe
der drei Religionen. Muslime, Juden und Christen kommen hierher, um
Architektur, Medizin, Musik, Poesie... zu lernen oder zu lehren.
Abderramán III. wollte noch eine weitere unvergängliche Spur
hinterlassen: Er entwarf und baute den Stadt-Staat-Palast von Medina
Azahara. Schaufenster von Eine Auslage von bis dahin undenkbaren
Raffinessen. Von jener mystischen Stadt – nun endgültig in einem
ernsthaften Prozess des Wiederaufbaus - berichten zurückhaltende
Chronisten, dass sie über „...mehr als hunderttausend Häuser“ verfügte
und dass sie „... mehr als eine Million Einwohner hatte ...“ „Sie hatte
mehr als dreißig Vororte und unzählige Paläste...“
Medina Azahara: Der Neid aller Zeiten
Ein anderes Wunder von Al-Zahara war der Saal der Kalifen,
dessen Decke aus Gold und aus mehrfarbigem Marmor war, fest,
aber doch durchsichtig...“
„...in diesen Saal führten acht Türen auf jeder Seite, verziert mit Gold und
Elfenbein, sie lagen auf Säulen aus verschiedenem Marmor und
durchsichtigem Glas...“
„...Es gab auch zahllose Bäder: Einige davon für die Nebengebäude des
Sultans und seine direkten Diener. Andere davon öffentlich...”
„... außerdem gab es eine Vielzahl von Märkten, Herbergen, Schulen und
viele andere öffentliche und private Gebäude... Für eine Vielzahl von
Menschen: Pagen, Sklaven, Eunuchen...”
Das wirklich große Werk von Abderramán III. war jedoch der enorme
wirtschaftliche, wissenschaftliche, künstlerische und kulturelle Fortschritt,
den er in Córdoba auslöste und der recht schnell auf das ganze Gebiet der
iberischen Halbinsel ausstrahlte, das nicht nur muselmanisch war.
Ganz ohne jegliche Einbildung – wenn auch nicht mit der Genauigkeit der
heutigen Statistiken – hatte die Stadt „...gegen Ende des 10. Jahrhunderts
mehr als zweihunderttausend gezählte Häuser, die von Menschen der
Mittelschicht und einfachen Leuten bewohnt waren. Weitere
sechzigtausend Wohnungen gehörten Beamten und Edelleuten. Die Stadt
war tatsächlich mit vielen Märkten, Kunsthandwerksbetrieben, Bädern,
Kornspeichern ... versehen.“
Auch gibt es keinen Zweifel daran, dass dieses maurische, durch Córdoba
geprägte Spanien in diesem goldenen Jahrhundert die höchste
Bevölkerungsdichte des gesamten kontinentalen Europas aufwies. Man
sagte damals, dass „...Córdoba nur noch mit Damaskus, Bagdad oder
Konstantinopel verglichen werden konnte...“

Al-Haquem II.: Der Friede liegt in den Büchern
l Haquem II (961-976) übernimmt, freudig und entspannt, das
Imperium von Abderramán III. Er wird zum entscheidenden
Kalifen für den Frieden, das heißt, die Kultur ernannt. Weiser, gelehrter
und vollendeter Büchersammler, der eine Bibliothek mit zwischen sechzigund
achtzigtausend Bücher zusammenstellte. Hier bewahrte, lernte und
lehrte man die wichtigsten und neuesten Erkenntnisse: Einige in der
Übersetzung der weisen Griechen und Römer, viele von diesen
perfektioniert, und andere ausschließlich aus eigenen Forschungen.
Al-Haquem, begabter Staatsmann, entwickelte eine erstaunliche Gabe in
der politischen Soziologie: Er ordnete den ersten bekannten Zensus des
andalusischen Imperiums an, natürlich aus steuerlichen Interessen: „... Es
gibt in Al-Andalus sechs große Städte, etwa dreihundert mittlere und eine
unzählige Menge an Dörfern...“
Der Kalif etablierte eine etwas deutlichere Hierarchie unter seinen
Untertanen: Auf den kleinsten Besitzen lebten die Ärmsten, die so
genannten freien Bauern...: Berber, abtrünnige Christen und manchmal
Mozaraber. Um die Städte herum war eine andere Klasse von
Kleingrundbesitzern ansässig, ebenfalls Bewohner der Stadt. Einige von
ihnen waren Beamte. Andere wiederum Persönlichkeiten rund um die
Macht, oder einfach, vermögende Pächter, die die Nutzung der
fruchtbarsten Landgüter kontrollierten. Etwas weiter weg, aber viel
weitläufiger wurden die fruchtbarsten Felder der bereits entstehenden
hispanisch-arabischen Aristokratie überlassen und von dieser besetzt. Es
entstand und verfestigte sich wieder, was bereits die Römer und Westgoten
versuchten, vorwegzunehmen: Das andalusische Latifundium wurde
Realität. Wie konnte es auch anders sein; das Imperium von Córdoba
wurde zum bemerkenswertesten Handelszentrum, zum Lieferanten von
Technik, Produkten und Dienstleistungen. Dies führte natürlich zum Bau
von viel mehr und viel besseren Wegen. Und das schuf Arbeit und belebte
das Geschäft für eine Legion von Händlern, gierige Reisende, die kamen
und gingen mit dem sicheren Gewinn der besten Preise je nach Überfluss
oder Mangel der weit entfernten Märkte.
Man könnte sagen, dass fast alles von Córdoba ausging; oder dass fast
alles nach Córdoba kam. Auf jeden Fall lief fast alles über Córdoba. Von
hier aus zum Mittelmeer. Vom Innern der iberischen Halbinsel zu den
wichtigsten Städten von Al-Andalus... Unendliche Karawanen brachten
alle möglichen Produkte: Getreide, Wein, Öl, Leder, Keramik...Mächtige,
wenn auch rudimentäre Transportgesellschaften verließen Córdoba in alle
Richtungen auf der Suche nach den saftigsten Märkten. Zu den Küsten
der Levante oder bis zum Atlantik nach Porto oder Coimbra. Es gab
sogar einen bemerkenswerten Handel mit den afrikanischen Häfen, die
Öl, Wein, Stoffe und hispanische Manufaktur forderten, im Austausch
gegen Weizen und eine Unmenge an feinem orientalischen
Kunsthandwerk. Fruchtbringend war damals der Handel mit Sklaven,
...“äußerst intensiv um das 10“. Jahrhundert herum. Die iberische
Halbinsel war wieder einmal mehr der unumgängliche Weg auch für diese
Art der Ware, damals die billigste und ergiebigste Arbeitsressource: Weiße
Sklaven, Gefangene – Männer und Frauen – gefangen genommen
während der ständigen Kriege auf dem Kontinent und der Halbinsel,
waren in den nicht wenigen mächtigen afrikanischen Reichen sehr
willkommen und verkauften sich gut. Es gab auch Handelsnetze, die auf
den Handel mit Schwarzen spezialisiert waren.
Die Chroniken berichten,
dass es „...keine Stadt mit gewisser Bedeutung gab, die nicht über einen
ausreichend bestückten Markt für Sklaven und Sklavinnen verfügte...“
Und es gab hierfür eine spezifische Gesetzgebung, um diesen Handel mit
ganz genauen Verträgen zu regulieren: Im Allgemeinen wurden die
Männer für den Gebrauch von Waffen und für landwirtschaftliche
Tätigkeiten verlangt. Die Frauen erfreuten sich vielschichtigerer Bevorzugungen: der Schönheit, der Jugend... Die Chroniken versichern als
sicheres und gewinnbringendes Geschäft „... den Kauf einer christlichen
Jungfrau, die weder schlecht aussah noch ungewillt war...“ um, nach
einigen Lektionen in Benehmen und Fügsamkeit zu sehr gutem Preis an
den Hof des Kalifen verkauft zu werden. Man versichert, dass ein
muselmanischer Arzt, Ibn Al-Kattani, eine christliche Sklavin für die
unglaubliche Summe von dreitausend Dinaren verkaufte. Freilich war es
notwendig, sie nach der Belehrung und der Zähmung in Musik, Tanz,
Philosophie, Poesie ... zu unterrichten.
Al-Haquem II. war auch der große Paladin, der Meister des
muselmanischen Heiligen Kriegs:
„... unser Gott, Allah, hat bestimmt, dass seine Heere sich des Imperiums
des Irak, von Syrien und der heiligen Stätten bemächtigen ...“, wie Quellen
aus der Nähe seines Hofes versichern.
Almanzor: Himmlischer machiavellistischer Diktator
Es beginnt die Agonie – fast bereits erahnt – des andalusischen
Imperiums: Es sollte ein sehr langsamer, sehr schmerzhafter
Prozess werden, wehmütig auf die glänzende Vergangenheit blickend.
Almanzor hingegen – Emporkömmling, unehelich, ehrgeizig und
skrupellos – verschaffte sich die absolute Herrschaft über Al-Andalus. Mit
derart niederträchtigen Mitteln und derart effektiv, wie es sich niemand
hätte vorstellen können:
Almanzor, ein Militär von geringer Bedeutung, dachte sich einen Plan aus,
mit dem er den Thron seines Kalifen, Hixem II., mit soviel List wie auch
nur notwendig an sich reißen konnte: Er nutzte die Minderjährigkeit des
Herrschers aus. Er schaffte es, der Liebhaber der Königsmutter Subh zu
werden und umwarb, mit bemerkenswertem Erfolg, die einflussreichsten
Frauen des Harems des Kalifen. Er verstand es, sehr großzügig mit seinen
Untergebenen umzugehen, die sehr bald zu seinen uneingeschränkten
Anhängern wurden.
Er erpresste die unpopulärsten Steuern, wie etwa die Zölle auf Öl... Er
manövrierte schlau zwischen den Stämmen, Kasten, Klassen, Rassen –
Sklaven, Berbern, Slawoniern – und er fädelte ein feines und komplexes
Spionagenetz für seinen exklusiven Dienst ein. Er schaffte es, in seinen
Händen alle Fäden der Macht des sehr weiten muselmanischen Iberiens zu
vereinen.
Er hatte sogar den ungeheuren Ehrgeiz, eine Kopie des Kalifenschlosses
von Medina Azahara zu errichten: Er befahl, seinen eigenen Palast zu
erbauen und wollte ihn Medinat Al-Zahira nennen. Mit diesen und
ähnlichen Aufzügen erlangte er so viel Ruhm und Macht, wie er es sich
ersann. Er entwarf sogar seine eigene Anrede, ganz nach dem Geschmack
der maurischen und christlichen Herrscher der Epoche: Er ließ sich Al
Mansur bil-lah nennen: „Der Siegreiche durch die Gnade Gottes“. Aber
Almanzor erntete auch große politische und militärische Siege, die er
fraglos in den Dienst seines Imperiums von Córdoba stellte. Die
Untertanen und das Urteil jener Zeit wussten es zu schätzen, dass
Almanzor tatsächlich ein effizienter Stratege, ein fähiger Unterhändler
und ein gerechter Administrator seiner beinahe unbegrenzten Macht war.
Sein Gerechtigkeitssinn war sprichwörtlich, trotz seiner unzähligen
Willkürlichkeiten. Unter seiner Herrschaft erlebte Al-Andalus eine lange
Zeit des Friedens und des Wohlstands, sogar noch größer als zu den
besten Zeiten des Kalifats, dem gemeinsamen Urteil von Historikern,
muselmanischen und christlichen Chronisten zufolge.
Er selbst unternahm gut fünfzig erfolgreiche Expeditionen gegen die
Christen, immer im Namen des Heiligen Krieges, angeordnet durch Allah.
Straßen Gassen, Kulturen
DIE STIERKÄMPFER
iel mehr als ein unsterbliches Modell der Kunst und des Berufs des
Stierkämpfers wurde Manolete hier zum Kult und zum Mythos. Seine
Figur ist untrennbar mit der Kaltblütigkeit, dem Mut und Tod
verbunden. In seinem Córdoba trifft man überall auf sein Bild. Er hängt in jeder
Hütte zusammen mit anderen Heiligen und Märtyrern wie etwa San Pancracio
oder La Dolorosa, die ebenfalls Respekt und die Anbetung verdient haben.
Am 4. Juli 1917 wurde er in der Straße Torres Cabrera, Hausnummer 2,
geboren: Manuel Rodríguez, der unsterbliche Manolete. Sohn eines Torero und
Enkel eines Banderilleros. Der Sohn erbt in der Arena den Spitznamen von
seinem Vater, dessen Karriere als nicht ganz so ruhmvoller Stierkämpfer ihn bis
nach Madrid und nach Amerika führte, und der sich immerhin mit Belmonte
abwechselte. Außerdem war der zukünftige große Stierkämpfer blutsverwandt
mit den Großen von Córdoba, Pepete, Lagartijo, Guerrita, Patatero, Camará,
Niño de Dios, Machaquito und ein paar anderen Edlen des goldenen Zeitalters
des Stierkampfes.
Sein Vater starb, als er fünf war. Als Halbwaise gab sich Manolete unterwürfig
dem Lernen in der Schule der Salesianer hin. Ansonsten verstreicht sein Leben
im Viertel von Santa Marina, wo seine Mutter mit “Lagartijo“ zusammenlebte,
bevor dieser starb, und mit dessen Vater und den meisten berühmten Namen
des Stierkampfes. Derart, dass Santa Marina für sie nur “El Barrio” (das
Viertel) war.
Es war José Flores, “Camará”, der mit dem noch kindlichen Manolete im
“Campo de la Merced” Kontakt aufnahm und ihm ausrichtete, dass er seinen
ersten Kampf gegen einen Jungstier in der Arena von Córdoba führen sollte, bei
einem der damals häufigen nächtlichen Corridas. Der Junge zeigte bereits
damals und trotz seines unmanierlichen Aussehens Willen. Für etwas waren die
unzähligen Purzelbäume auf dem Campo de la Merced gut.
Von seinen
Familienangehörigen vergessen beginnt er aufs Land zu entwischen, kaum dass
er zwölf Jahre alt ist. Auf dem Landgut von “El Lobatón“, auf der Straße von
Espejo, fühlte er sich zum ersten Mal als Torero, einem Horn gegenüber, das auf
ihn losbrauste. Er versuchte sich weiter auf den Landgütern Córdobas von
Natera, García Mateo, Pedrajas, Olivares und auf dem von Sotomayor, wo er
seine Bluttaufe (seinen ersten richtigen Stierkampf) feierte.
Betrübt aufgrund der Geldnot seiner Mutter und seiner Schwester stürzt sich der
junge Stierkämpfer in die Karriere als “Maletilla“ (Neuling des Stierkampfes).
Bald verdient er Geld mit einer Gruppe Spaßkämpfer mit Namen “Los Califas”.
Es dauerte nicht lange, bis er in Sevilla kämpfte und bis auf den Gipfel von
Madrid gelangte, aber das waren bereits andere Zeiten, die seines Imperiums. „Er ist ein typischer Sohn von Córdoba – sagt Filiberto Mira in seinem Buch
´Manolete´ – ohne ein barockes Anhängsel. Er neigt sogar eher zum
Schmucklosen der Romanik als zu den plateresken Verzierungen. Die
Nüchternheit des Gotischen – ohne Schnörkel – ist der Stil, der am ehesten zu
seinem eigenen Körperbau passt...“.
DIE INNENHÖFE
Wer Andalusien auch nur ein bisschen kennt, wird den wesentlichen Unterschied
zwischen dem einen und anderen Innenhof (“patio“) bemerken können. Der
“Patio” von Sevilla ist das lebendige Erbe Roms: er ist bewohnt, möbliert und
zeigt einen gewissen Prunk. Im Gegensatz dazu verzichtet der “Patio” von
Córdoba auf all das, was nicht direkt zum Innenhof gehört (Sonnenlicht,
Pflanzen, Bögen und Wasser), aus architektonischer Sicht ist er konzeptuell und
seine Funktion spirituell. Ein Ort, wo man sich selbst findet, das ist der Sinn
seiner Religiosität; in ihm wird weder gebetet noch meditiert. Seine arabische
Herkunft ist deutlich zu spüren. Hierzu kommt der Einfluss der Renaissance in
seiner Konstruktion: immer offen, bemüht in der Suche nach dem Licht. Von
daher die Haustürgitter, die eine direkte Verbindung zwischen dem Herzen des
Hauses und der Straße erlaubten.
Viele der Innenhöfe, die man durch ihre Haustürgitter sehen kann, gehören
mehreren Bewohnern. Er ist somit ein gemeinsamer Ort, den alle hegen und
pflegen. Gelegentlich dient er als
Treffpunkt, an dem man
Vertraulichkeiten
austauscht; aber
immer nebenbei. Der
“Patio” verweilt,
innehaltend in der
Zeit, während die
Männer und Frauen
aus- und eingehen.
Sein Boden aus
gepflastertem
Kies erinnert
an den
unveränderbaren
sauberen Grund
eines Flusses, der
uns trägt. Als ob
es sich um das
Bild eines
Heiligen
handelt,
strahlen die
Patios
zwischen dem 10. und 20. Mai im Lichterglanz. Es hängen bestickte
Seidenschals herab, es brechen Jasmin und Storchenschnabel auf, die Gitarre
erklingt auf der improvisierten Bühne und über die weißen Wände klettern
Palmwedel. All das geschieht anlässlich des Festes der “Patios“, das auf Initiative
des Rathauses gefeiert wird. Die Türen sind geöffnet und die Fässer großzügig
mit Wein gefüllt; Fröhlichkeit, Gesang und Tanz bis weit nach Mitternacht, jener
Stunde, zu der die Blumen ihren geheimen Duft ausströmen lassen.
MAGISCHES KUNSTHANDWERK
Dieses Kunsthandwerk hat seine Wurzeln in den Jahrhunderten der arabischen
Herrschaft. Im Al-Andalus entwickelten sich die Kunsthandwerke des Leders,
der Goldschmiedekunst, der Keramik..., ohne die Stickerei und die
Gitarrenherstellung zu vergessen. Die “Cordobanes“ und “Guardamecías“
(Gitarren berühmter Hersteller) wurden von Al-Andalus aus in alle Teile
Europas exportiert, und sie verloren ihren Ruhm auch nicht während der
christlichen Zeit. Noch immer arbeiten viele dieser Werkstätten mit
derselben Leidenschaft und demselben Feingefühl wie früher. Die
Goldlederarbeiter bearbeiten heute noch mit der gleichen Vortrefflichkeit
Ziselierungen in Leder für Taschen, Koffer, Truhen ..., ganz zum Entzücken der
Sammler. Und die Kunsthandwerker der Sattlerei haben ihr Angebot erweitert:
Es gibt Sattler, die wirkliche Kunstwerke herstellen: Filigranarbeiten in
Schutzhosen für glückliche Kunstreiter, Sättel, die aufgrund ihrer Muster wie
höfische Sitze aussehen.
Die Goldschmiedekunst dieser Gegend, traditionsgemäß in Silber, hat eine
Tradition von Silberschmieden entstehen lassen, die Schöpfer feiner
Kostbarkeiten und origineller Filigranarbeiten religiösen Schmucks in Gold und
Silber sind. Mit der gleichen Technik von damals, ohne die Verwendung
irgendeiner Maschine, stickt man heute noch in Córdoba. Man hört nicht auf, die
Umhänge der Madonnen zu bewundern, die nahezu Kunstwerke sind. Wenn
auch in viel geringerem Ausmaß, so ist auch die Herstellung von Gitarren noch
immer eine Zwölfmonatsarbeit; dies ist Zeit, die von der Fällung der Zeder bis
zum ersten Stimmen der Saiten vergeht.
Die Töpfer waren und sind eher in den umliegenden Dörfern zuhause, um der
täglichen Nachfrage gerecht zu werden; Henkelkrüge, Krüge, Schalen... alles,
was die Bewohner der Stadt für den täglichen Gebrauch benötigten.
Veredelte Tafeln Cordobas
Man muss vielleicht eines klarstellen: Die tausend äußerst
geschmackvollen Rezepte der andalusischen “Gazpachos“ (kalte
Tomaten-/Gemüsesuppe) haben keinen biblischem Ursprung (das wäre
auch unmöglich, da die Kochkunst der Tomate, Tochter der
amerikanischen Eroberung, nicht vor dem 18. Jahrhundert Europa
erreichte). Wie dem auch sei, es ist unbestritten, dass der “Gazpacho“ ein
feines und meisterhaftes Rezept ist, so sommerlich und erfrischend, dass
sie von Andalusien aus zumindest die westlichen Märkte und
Geschmäcker erobert hat.
Wie wohl jeder Fremde weiß, ist der “Gazpacho“ eine Art kalte und
erfrischende Suppe, die leicht zuzubereiten ist: Man braucht nur etwas
Brot, etwas mehr Öl, ausreichend Essig – wenn möglich aus einem guten
Wein -, Salz und das notwendige Wasser. Kenner sagen, dass dieses sehr
reichhaltige Nahrungsmittel fast unerreicht ist, um die heißen Sommer
dieser Breiten zu ertragen und sich Erleichterung zu verschaffen.
Aber diese Tafeln beschränken sich nicht auf die vielseitigen
Gazpachos. Es
existieren noch immer
zahlreiche Rezepte aus
den Zeiten der Kalifen.
Gerichte auf der Basis
von Saubohnen, eher
gesalzen als gebraten,
“Sopas de levadura“
(Hefesuppe), “Migas de
Ternero“ (geröstete
Brotwürfel mit Kalb),
oder “Rosquillas de
miel“ (Honigkringel),
“Alcorzas rellenas“
(gefüllter Zuckerteig),
“Almojábanos”
(Käsetorte)... Und
überraschende Eintöpfe
z.B. aus gebratenem Huhn; “Tortilla de berenjenas“ (Tortilla mit
Auberginen)... Oder sehr geschmackvolle Gerichte nach maurischer Sitte
und Geschmack: “Corazones de cordero“ (Lammherzen), “Salchichas
picantes” (scharfe Würste), “Albóndigas (Fleischklöße), “Cabeza de
cordero” (Lammkopf)...
Das Lob dieser Gerichte ist unermüdlich und beharrlich, selbst von
derart heiligen Namen wie Francisco Delicado in seiner “Lozana
andaluza“ (Rüstige Andalusierin) oder Lope de Vega in “Los
Comendadores de Córdoba“ (Die Ordensritter von Córdoba).
Und
Góngora in seinen “Romances y Letrillas...“
Der Fremde sollte sich erinnern, dass diese Küchen von Córdoba eine
fast zwingende Gemeinsamkeit haben: Im Beisein dieser
außergewöhnlichen Öle, seinen reichlichen Vieh- und Jagdprodukten und
den überraschenden Gemüsesorten herrscht häufig das Dressing mit
Kümmel vor, das nur ausnahmsweise auf einer Tafel fehlen darf; genau
wie die Minze oder das Basilikum. Sie sind eine Hinterlassenschaft unserer
arabischen Brüder, deren Zeiten gar nicht so weit zurückliegen. Wie so
viele andere Speisen, die Kombinationen aus oft gegensätzlichen
Komponenten sind, manchmal süßsauer, mit Zusätzen oder Einsprengseln
von Mandeln, Rosinen, Pinienkernen...
Es gibt noch mehr hiervon.
Noch überdauern einige leckere Gerichte
aus dem jüdischen Erbe: Wie ein Eintopf, angerichtet mit trockenen
Saubohnen und Auberginen. Oder der “Gazpacho blanco“, (weißer
Gazpacho), der seinen Namen von der Farbe des zugesetzten
Saubohnenmehls erhielt.
Im Norden von Córdoba, im Tal der “los Pedroches“, kocht man
bemerkenswerte Kälber und exzellente Lämmer – immer recht geringen
Alters... Und Käse, unbedingt handgemacht. “Chorizo” (Paprikawurst) ,
“Morcilla” (Blutwurst) und “Jamón” (Schinken) ...
Und Süßes, soviel der Fremde probieren will: Eine unverzeihliche
Vergesslichkeit wäre es, nicht die “Alfajores“ (Gebäck aus Mandeln,
Nüssen und Honig) zu probieren...
Und natürlich auch Fisch: “Cazón” (Hundshai), “Fritura de Pescaítos”
(frittierte Fischplatte), am besten der Kunst der Beize unterzogen. Oder
die unermesslichen “Rabos de toro” (Stierschwänze), Schmortöpfe, die nur
hier auf diese mysteriöse Art hergestellt werden.
All das und noch viel mehr, abgeschlossen mit etwas Süßem: Süßer und
einzigartiger Blätterteig, “Alfajores“ (Gebäck aus Mandeln, Nüssen und
Honig) oder “Carne de membrillo“ (Quittenspeck). Und dazu natürlich
einer dieser Weine: Moriles,
Montillas, Doña Mencía...
DAS GEHEIMREZEPT
Ochsenschwanz mit weisen
Gewürzen (“Rabo de Toro”)
Die Ausführung ist einfach,
wenngleich sie Behutsamkeit,
Veranlagung und Zeit erfordert.
Je nach Geschmack des Gastes:
- Einen oder mehrere
Stierschwänze, wenn möglich vom
Kampfstier
- Eine angemessene Menge
Zwiebeln, alteingewurzelt
- Etwa ein halbes Kilo Karotten
- Und ebensoviel reife Tomaten
- Eine Handvoll Knoblauchzehen (höchstens ein halbes Duzend)
- Ein großzügiges Glas Wein von Moriles oder Montila
- Ausreichend Öl heimischer Oliven
- Zum Abschmecken: Salz, Pfeffer und Safran
Das gründliche Waschen der Stierschwänze ist unumgänglich, sie
müssen frei von Talg sein und ganz nach Geschmack in Stücke geschnitten
werden. Die Zwiebeln werden in kleine Stücke geschnitten. Sie werden auf
schwacher Flamme glasig gedünstet, ohne dass sie zu sehr bräunen.
In einen Topf gibt man die Zwiebeln, die Stierschwänze; die geschälten
und entkernten Tomaten, die Knoblauchzehen, die Karotten und den Rest
der Zutaten. All dies wird langsam geschmort. Man gibt den notwendigen
Wein dazu. Man kocht das Ganze auf kleiner Flamme, bis der
Stierschwanz und seine Zutaten die notwendige Zartheit erlangen.
Je nach Menge dauert das Garen zwischen dreißig und sechzig Minuten.
Es ist ratsam, den Schmortopf vor dem Servieren mehrere Stunden ziehen
zu lassen.
Ausflüge
Fast jedes Ziel hier im Umkreis ist angenehm, großzügig und
geeignet zum Schlendern; ganz aufs Geratewohl, frei nach dem
eigenem Verlangen. Außer der “Arruzafa”, in der heute der
privilegierte Parador de Turismo untergebracht ist – sie war einst
spektakulärer Lieblingswohnsitz Abderramán I. - bietet die Umgebung
Ausflüge an, die sowohl angenehm als auch überraschend sind. Die
sanften Hügel sind mit Einsiedeleien gespickt, die praktisch als weiße
Taubenschläge verkleidet sind.
Sie entstanden um das 4. Jahrhundert und
waren bewohnt, dank der Gnade und des Wirkens des Bischofs Osorio von
Córdoba; außer der Kostbarkeit der Medina Azahara beherbergt und
bewahrt die Umgebung das Kloster von “Scala Coelis“, ebenfalls bekannt
als “Santo Domingo“ aus der Renaissance. Die Kirche ist noch immer
bemerkenswert, mit einer schöpferischen Fülle an sehr schönen
Heiligenbildern und ansehnlichen Fresken. Sie stammt aus dem 15.
Jahrhundert und weist einen gotischen Kreuzgang auf.
Aber es gibt noch so viele andere Ausflüge, die der Reisende allein
aussuchen sollte. In diesem Parador erhält der Reisende Informationen
über Exkursionen, die seinen Ansprüchen und der verfügbaren Zeit
angemessen sind.
Die Bilder, Grafiken und Texte in dieser Parador- / Ortsbeschreibung stammen von unten
genannten Autoren, bei denen wir uns recht herzlich bedanken möchten.
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Bildmaterial:
PARADORES DE TURISMO DE ESPAÑA, S.A.
Videomaterial:
PARADORES DE TURISMO DE ESPAÑA, S.A.
Texte:
Miguel Garcia Sanchez
Zeichnungen:
Fernando Aznar