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Granada und sein Parador



 

Ach mein Granada!


Parador de Granada"Dein Sohn blickt nach Granada
und ihn überfällt Trauer.
Die Mutter antwortete
Und so sagte sie:
Er weint wie eine Frau
in heftiger Pein.
Er, der wie ein Ehrenmann
seinen Staat nicht verteidigt hat".
Romanze. Boabdil verliert GRANADA


Granada ist ein ewiges Symbol. Die Stadt war ständiger Zeuge, infolge und aufgrund ihrer Lage und ihrer Geschichte: Die Menschen sind hier durchmarschiert oder haben sich niedergelassen. Helden und Banditen; Fanatiker und Philosophen; Künstler und Handwerker; Gebildete und Abergläubige. Immer stolz, kriegerisch und schlau: sie waren nie in vollem Umfang Sieger oder Besiegte. Ganz zu Anfang, im 5.Jahrhundert vor Christus, entstand Granada als Dorf der Turdetaner, eines Stammes von vielen, die die iberische Halbinsel besiedelten. Der Ort wurde auch von Römern und Westgoten besiedelt, bis er zu Beginn des 8. Jahrhunderts für mehrere Jahrhunderte unter die glänzende Herrschaft des Islams kam. Granada war zu Beginn wenig mehr als eine Festung, in der einige wenige tausend adlige Krieger afrikanischer Stämme Schutz suchten. Die Chroniken aus jener Zeit spiegeln das Ungleichgewicht zwischen Invasoren und Besiegten wider. Man schätzt, dass im Jahr 750 die moslemischen Truppen folgendermaßen uneinheitlich zusammengesetzt waren: 17.000 Berber, die mit Tarik gekommen waren; ebenso viele Araber, die Muza mitgebracht hatte, fast 7.000 Syrer und einige mehr. Insgesamt 70.000 Krieger sollten später die ausgedehnte Halbinsel erobern, die zum damaligen Zeitpunkt von fast vier Millionen Christen bewohnt war. Letztendlich geschah das Wunder, vermutlich nicht dank göttlichen Einschreitens, sondern durch eine gemeinsame Interessenfindung, Mut, Berufungen und anderer frommer Treuebrüche zahlreicher anderer Gruppen. Schon im 10.Jahrhundert war Granada eine reiche Stadt, deren ständige Unabhängigkeitsbestrebungen jedoch immer wieder von den Kalifen Córdobas unterdrückt wurden. Erst zu Beginn des 13. Jahrhunderts erfolgte der Sturz des Kalifats von Córdoba: Die wiederholten Siege der Christen (Ferdinand III. der Heilige) veranlassten die besiegten Truppen (Córdoba, Valencia, Murcia), sich in sicherere Gebiete zurückzuziehen. In Granada, im Albaicín, fanden sie besseren, wenn nicht den einzig möglichen Schutz unter Mohamed Ibn-Yusuf, der so das Reich der Nasriden gründete. Seit jenem Zeitpunkt und während der folgenden zwei Jahrhunderte (1236-1492) entwickelte sich Granada zu einer der blühendsten, beneidetesten und beneidenswertesten Städte der islamischen Welt. Die Gebiete des Reiches der Nasriden erstreckten sich über die heutigen Provinzen von Granada, Almería und Málaga (von Almería bis nach Gibraltar; vom Mittelmeer bis zur Gebirgskette von Ronda). In ihrer Blütezeit war die Stadt die größte des al-Andalus mit 26.000 Einwohnern, nach Córdoba (100.000), Sevilla (40.000) und Toledo (37.000).

Die Lebensweise der Nasriden entwickelte sich zu einem Modell für Normen, Sitten und Bräuche sowie ethisches und ästhetisches Verhalten inden christlichen Gebieten der Halbinsel und sogar darüber hinaus. Die Pracht der Stadt war überwältigend und wurde von einem arabischen Dichter von der Alhambra aus folgendermaßen besungen: Granada war "Envidia al Occidente en mí el Oriente..." (Neid des Abendlands, in mir das Morgenland....) Die soziopolitische nasridische Neuorganisation bestand aus Hierarchien, die jedoch überwindbar und tolerant gestaltet waren. Das Modell wurde von den siegreichen christlichen Königreichen ausführlich übersetzt oder übernommen. Posten und Funktionen der Kadis, Wesire, Muftis, Eichmeister...verfügten über Macht und Verantwortungsbereiche, die sich bis in die Gegenwart erhalten haben wie etwa bei den öffentlichen Ämtern der Minister, Vizepräsidenten, Statthalter, Bürgermeister, Steuereinnehmer oder Finanzinspektoren. Neben der Expansion der Landwirtschaft mit den importierten und verbesserten Techniken und Technologien, die in allen Gebieten des al Ándalus angewandt wurden, gelang es der Gesellschaft Granadas, außer der für damaligen Zeiten ohnehin schon schwierigen Selbsterhaltung einen Großteil der erwirtschafteten Produkte in die benachbarten afrikanischen Länder zu exportieren. Der Reichtum des nasridischen Reiches stützte sich auf eine fruchtbare produktive und handwerkliche Wirtschaft und vor allem auf den Handel: die Landwirtschaftsproduktion wuchs merklich, dank der verbesserten Anbautechniken von Getreide, Öl, Reis und sogar Wein (trotz des ausdrücklichen Verbotes im Koran). Die Entwicklung bei der Schafzucht war vergleichbar, wobei schon die Wanderzucht praktiziert wurde. Das nasridische Reich war auch ein wichtiger Standort für die Produktion und den Verkauf von Produkten und Gegenständen des Gewerbes und des Handwerks, von Industrie und Kunsthandwerk. Aufgrund dieser Entwicklung entstand ein intensiver Handelsverkehr sowohl innerhalb des Landes als auch mit dem Ausland. Der internationale Handelsverkehr wurde durch die Händlerkarawanen im Norden Afrikas gedeckt, die täglich 30 Kilometer zurücklegten. Vor allem die Nasriden aus Granada waren ein Handelsvolk, das – nicht im Tauschhandel –manchmal mit Produkten, andere Male mit Dienstleistungen handelte.

Die in Granada lebenden Mauren brachten Gewürze aus dem Osten mit: “zu jener Zeit von einem Großteil der christlichen Völker sehr gefragt, die wiederum unsere Produkte in die maurischen Gebiete der afrikanischen Länder sandten...“ Die Juden, mit ihrem savoir faire und savoir être im Verlaufe der Geschichte, verstanden es auch, die Handelsbeziehungen zwischen Mauren und Christen zu organisieren und zu verbessern – oder auch umgekehrt, solange dies möglich war. So erlebte auch das Königreich Granada die bereichernde Existenz der jüdischen Bürger, die jedoch bald von der Halbinsel vertrieben werden sollten. Die Juden der Region wurden ständig von den Almohaden bedroht. Langsam, aber stetig konnte die jüdische Bevölkerung wieder zu ihren Riten, Bräuchen und traditionellen Aktivitäten als Händler, Pfandleiher und Finanziers zurückkehren. Diese Entwicklung verlief auch mit der Zustimmung und Unterstützung der katholischen Monarchen, die des Öfteren die Juden als Hofberater zu Rate zogen. In der Mitte des 16. Jahrhunderts war die Stadt so reich und mächtig wie nie zuvor.

Vor 150 Jahren schrieb der Historiker Girault Prangey folgendes über Granada: "Die Wettkämpfe und Feste der Stadt entwickelten sich zu einem Treffpunkt für moslemische und christliche Adlige aus weit entfernten Gegenden. In den Häfen des Königreiches ankerten Handelsschiffe aus allen Teilen der Welt.“

Wieder einmal waren Ehrgeiz und Verschwörungen, die das Königreich Granada geschwächt hatten, der endgültige Auslöser für den Untergang eines Imperiums, das sieben Jahrhunderte überdauert hatte. Die Vereinigung der Kronen Kastiliens und Aragonien war das letzte Zeichen, die Zielgerade im Kampf gegen die Mauren, die nur noch in Granada Unterschlupf fanden. Die Truppen der Katholischen Könige aber gewannen mehrere Schlachten gegen die Mauren und zu Beginn des Jahres 1492 übergab König Boabdil die Stadt. Der Historiker äußert sich dazu weiter: "Nach dieser Katastrophe hätte Granada weiter sein können, was es war, doch verräterischer Rat umnebelte den Verstand Ferdinands: er vergaß sein Versprechen und veranlasste die Konvertierung, oder besser gesagt, die Vernichtung der Mauren. Dieses unpolitische und barbarische Werk der Zerstörung wurde von seinen Nachfolgern beharrlich weitergeführt." Der Palast, den Karl V. hier gebaut hatte, "sollte weniger Zeit in Erinnerung bleiben als die Inquisition, die er mit sich brachte.) Während der Regierungszeit Philipps II. brach der verzweifelte Widerstand der letzten Mauren aus: "Sie waren umzingelt wie wilde Tiere und keiner von ihnen konnte entkommen. Sie verschwanden und mit ihnen ihre Hinterlassenschaft, die Spanien Ruhm beschert hatte. Spanien war das aufgeklärteste Land der Welt im Nebel des Mittelalters"…


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Parador de Granada ****
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