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La Palma und sein Parador



 

Die Erste links


“Das Land, zu dem man kommt,
und das man, kaum dort,
nie wieder verlassen möchte.”
VOLKSTÜMLICHES SPRICHWORT

Eine Luftaufnahme des Parador La Palma Diese dichte, helle Insel diente als Zufluchtsort für Klima- und Ideologieflüchtlinge: Sie wurde von vielen begeisterten Menschen bewohnt; aber an ihren Küsten ankerten auch die Bösen: einige unerschrockene und skrupellose Abenteurer. Sie waren auf der Suche nach vermuteten Schätzen; oder nach Sklavinnen und Sklaven, um sie jenseits des Atlantiks zu verkaufen.

Oder vielleicht sogar auf der Suche nach Fanggründen, wo sich die Versorgungsschiffe befanden, mit Wasser, Hölzern, Netzen und anderen Notwendigkeiten, die für die Überquerung der atlantischen Abgründe notwendig waren.

Sie sind sonderbar, diese Inselbewohner; friedfertig und pazifistisch, geduldig; gelegentlich aber - und diese Gelegenheit bot sich sehr oft - sind sie gewaltsam intolerant. Sie sind ebenso gebildet wie auf bescheidene Art stolz. Sie wissen, ihre Insel ist ein Schatz und wollen und können diesen respektieren und erhalten.

Deshalb und aus vielen weiteren Gründen mehr ist “La Palma” unter all diesen Inseln die erste auf der linken Seite. Zweifellos hat der Besucher zahlreiche Gelegenheiten, dies festzustellen: Der Fremde braucht nur an der Rezeption dieses Paradors zu fragen. Die Kanarenbewohner sagen es, und es scheint, dass es auch so ist: ”Von den Kanarischen Inseln zu sprechen, das ist eine unverzeihliche Einfältigkeit; eine Dummheit, wie sie bei den Westgoten und anderen blutarmen, von Melancholie ergriffenen Touristen anzutreffen ist...”. Es muss gesagt werden, dass es sich bei den Inseln, oder besser gesagt, dem Archipel, um eine Ansammlung verschiedenartiger Formen handelt; man kann schließlich auch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Der Besucher wird zweifellos zahlreiche Gelegenheiten gehabt haben, dies zu bemerken, obwohl vielleicht nicht ohne gewisse Konzentrationsübungen. Einst kamen nur gelegentlich Durchreisende mit Transistorradio im Gepäck vorbei. Heute sind die Dinge etwas klarer geregelt.

Wie dem auch sei, und da das Wetter gelegentlich bedeckt zu sein droht, haben wir natürlich einen ganz willkürlichen Ausflug auf das Archipel gewählt auf der Suche nach der ersten Insel links: La Palma. Schweigsam, süßlich und lavabedeckt; ihre Menschen hatten mehr als genügend Gründe und Lust, um sich nicht rechts oder in der Mitte niederzulassen: Sie lebten seit Beginn aller Zeiten in Gütergemeinschaft.

Die Frauen benötigten niemals Emanzipation oder beschämende Quoten; schon immer nahmen sie, wie die Männer, an Kriegen und Turnieren teil und erfüllten stets unterschiedslos ihre Pflichten. La Palma wollte der demokratische Gemeinderat Spaniens sein. Und seine Kinder hatten und haben noch immer eine spezielle Neigung zur Presse, zur Illustration und zu neuen Dingen, die man in sich aufnehmen kann und die sich schlimmstenfalls immer als revolutionär und widerspruchsreif erweisen. Hoffentlich nur vielleicht. Diese und weitere Unterschiede unter den Inselbewohnern bezeichnen einige gelehrte Doktoren als das Fehlen kultureller Einheit auf dem Archipel.

Und auch wenn es nicht ganz so sein sollte, kann niemand abstreiten, dass die geneigten Palmeros, wenn sie sich öffnen wollen, dies auf ganz natürliche Weise zu tun pflegen. Ihr Palma ist eher ein Paradies als ein Garten, geschaffen von einem Gott, der heute die Form eines friedlichen Vulkans angenommen hat. Man weiß weder so genau, wie die Dinge am Urbeginn aussahen, noch wann dieser stattfand. Es muss aber mehr oder weniger mit dem großen Mythos der Entstehung dieses Archipels zu tun haben. Oder war Atlantis doch nur ein Traum? Sicher ist, dass man diese Legende nie hat widerlegen können. Und es fehlt nicht an ernst zu nehmenden Studien mit gleichem Unsicherheitsfaktor wie die Theorie der Wanderung der Kontinente von Wegener und andere intelligente Spinnereien der Gelehrten und Erklärer.

Der Parador La Palma Tatsache ist, dass “Atlantis” eine immense Region hat sein können, gelegen inmitten ihres atlantischen Ozeans. “Es waren sehr fruchtbare Länder; sie wurden von einem edlen und starken Geschlecht von Riesen bewohnt, den Atlanten, regiert von einem noch gigantischeren König namens Atlas. Dieser König aber verfiel der Sünde des Größenwahns und wollte Europa besetzen. Ein vergebliches Vorhaben, denn sie wurden von sämtlichen Göttern des Olymp geschlagen: Der gerechte Zorn des Zeus verurteilte den gesamten sechsten Kontinent zum Verschwinden, und dem Atlas legte er die schwere Qual auf, für alle Zeiten, sich mit Herkules abwechselnd, der damals so zum Erhalter der Meerenge wurde, die Säulen zu halten...”

Im letzten Moment konnte Atlas noch sehen, wie sein allerletzter Wunsch in Erfüllung ging: nämlich dass “sein Name den großen afrikanischen Bergen gegeben würde, die sich hier wie ein unumstößlicher Tatsachenbeweis befinden”. Und da ist auch der Atlantik, für alle Fälle. Eine unmögliche Strafe würde es sein, lägen die Dinge anders. All dies befindet sich nicht im unüberwindbaren Widerspruch mit der mehr als wahrscheinlichen Möglichkeit, dass die ersten bekannten Siedler auf den "glücklichen Inseln", den Islas Afortunadas, bereits tausend oder zweitausend Jahre vor unserer Zeitrechnung dort waren, obwohl sich in La Palma zahlreiche archäologische Fundstätten mit Höhlenmalereien befinden, die einen noch viel früheren Beginn belegen.

Man vermutet, dass Afrika der Guanche-Rasse, also den kanarischen Ureinwohnern, das erste Blut spendete. Und dass es die punischen Plünderer waren, welche hier die ersten Teilpachten für landwirtschaftliche Ressourcen einrichteten; abgelegen, notwendig und sicher für ihre Raubzüge.

Man weiß zweifelsfrei, dass diese ersten Stämme sehr schlechte Seeleute waren, eine Tatsache, die sehr gut die notorischen Unterschiede und Eigentümlichkeiten zwischen den einzelnen Inseln erklären kann. Im Sport, in der Politik, in der gesellschaftlichen Organisation... mit unterschiedlichen Strukturen der Familie, Wirtschaft, Wohnung... Der Besucher weiß, erinnert sich oder stellt sich vor, dass diese Völker, die heute zusammen leben, mehrheitlich als Hirten und Sammler der vielen Dinge, welche die Natur hergab, lebten; es waren keine großen Fischer, wohl aber gute Meeresfrüchtesammler und hervorragende Taucher. Sie lebten in Familien in Naturhöhlen; oder in anderen, die sie eigenhändig ausgegraben hatten. Sie waren zutiefst egalitär: Beute und Ernte wurden sorgsam aufgeteilt, und das ging so weit, dass eine Schwangere die doppelte Ration erhielt.

Die Insel La Palma ist mit vielen Pflanzen bewachsen Die Palmeros hatten ihre eigenen Vorstellungen vom Eigentum: Einen Nachbarn auszurauben, das brachte Ehre und Auszeichnung. Die Justiz fand in Form persönlicher Rache statt. Und der Vollstrecker genoss ein Anrecht auf Asyl und volle Immunität beim Nachbarstamm. Sämtliche Chronisten stimmen darin überein, dass die Insel über Jahrhunderte hinweg eine großzügige und angenehme Oase war, wo die Sorge ums Überleben müßig und unnütz war. Und so... So ging es viele Jahre lang gut, bis europäische Seefahrer eintrafen, sehr kultivierte und zivilisierte Menschen; mit anderen Worten, ehrgeizig...

Die einseitigen Beziehungen zum Kontinent wurden mit der Wiederentdeckung eines Seefahrers aus Genua wieder aufgenommen, der einem kühnen Normannen die Augen öffnete und seinen Ehrgeiz erweckte: Jean de Bethencourt gelangte nach Lanzarote und eröffnete die Eroberung, kaum war das 15. Jahrhundert angebrochen. Aus dem Normannen wurde sehr bald ein Lehnsträger Heinrichs III. von Kastilien. Schließlich kauften die Katholischen und einigenden Könige den Abenteurern die Rechte auf Eroberungen ab, und 1481 wurde ein Vertrag unterzeichnet, nach dem die Inseln von nun an zur kastilischen Krone gehörten.

La Palma allerdings, eine noch unreife Frucht, wurde in diese Ereignisse erst 1492 hineingezogen, wenige Tage vor der glorreichen Entdeckung Amerikas. Und dies nicht ohne Schwierigkeiten, denn das letzte Bollwerk der Insel, die Caldera del Taburiente - dieser herrliche und überwältigende Vulkankrater und seine Umgebung, die zu einem ruhigen und müßigen Spaziergang auffordern - wurde von dem äußerst tapferen und legendären Heerführer Tanausú verteidigt.

Diesem Guanche-Krieger konnte nur mit Hilfe unpassender und dem kastilischen Geist widersprechender Kunstgriffe beigekommen werden. Gedemütigt und beleidigt, verurteilte er sich selbst zum Hungertod in einer dieser Gegenden.


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Parador de La Palma ****
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