Mojacar: Weißes Maurenviertel
“...Im Westen ist die Sonne des Kalifats aufgegangen,
sie erscheint im Glanz der beiden
Oriente, damit sie mit ihrem Licht
die ungläubige Finsternis vertreibe “.
Abderraman III
So viel man weiß, gab es in Mazarrón, an einem verlorenen, entlegenen und von den natürlichen Korridoren der Gegend weit entfernten Ort Steinzeitmenschen. Hier, in der
Höhle „Cueva del Algarrobo“ hinterließen die primitiven Siedler viele zerstückelte Werkzeuge. Sie laden die Archäologie dazu ein sich eine Gesellschaft vorzustellen, die
sich so wenig wie möglich bewegt, die mit dem überlebt, was in der Nähe ist, ihre Bewegungen plant und die Siedlung nur verlässt wenn die Jahreszeit dies erfordert.
Das Gebiet der Südostküste ist so extrem und unwirtlich, dass die Neusteinzeit beinahe völlig daran vorbeigeht. Die Menschheit ist bereits in der Lage den Weizen zu
bewässern, so um das 3. Jahrtausend vor Christus, als sich ein paar kleine Gemeinschaften in Mojacar blicken lassen. Sie errichten die Siedlung auf dem Höhenrücken „Loma
de Belmonte“ und nutzten die Überschwemmungen des Flusses Antas. Das Mittelmeer kam später und nicht als Lebensgrundlage, dafür sorgten bereits Stein, Axt, Jagd, danach
die Erde und der Weizen, sondern als „Via Apia“, Verbindungsstraße für Kulturen, zur Bestäubung der iberischen Zivilisation. Zu jenem Zeitpunkt verwenden die frühesten
Menschen aus Almeria Sandstein und Steine zum Töten, Auseinandernehmen, kratzen und mahlen. Die Kupferobjekte sind primitiv: Stichel, flache Äxte, Dolche und Messer. Es
gibt keine Ringe. Die Keramik ist glatt, grobe Schüsseln, Teller aus rotem und gelbem Ton.
Eineinhalb Jahrtausende später findet man in der Ausgrabungsstätte von El Agar, die vom Fluss umspült wird, das Bindeglied, das das Entstehen einer neuen Zivilisation
ankündigt. Die Menschen des Neolithikums haben sich in einer anderen Linie ausgebildet, die sichtbar weiter entwickelt ist. Ihre Gesellschaft haust auf befestigten Anhöhen.
Die landwirtschaftliche Kultur ersetzt damals in dieser Region die Megalithische. Ein außergewöhnliches Ereignis, das nur auf den Südosten Andalusiens beschränkt ist und
von der mittleren Bronzezeit bis etwa tausend Jahre vor Christus dauerte. Genauer gesagt bis, angesteckt durch das Mittelmeer, die neue iberische Gesellschaft erscheint,
die Argar-Kultur. In Almeria gibt es viele interessante Ausgrabungsstätten aus jener Zeit. Der Bauer der Argar-Kultur, eingehüllt in seinen violetten Umhang, zog es vor
das Land zu bearbeiten, anstatt das Vieh zu hüten. Er lebt in einer großen Gemeinschaft von mehreren Hundert Personen, sicher hinter Mauern und dem aufmerksamen Blick von
seinen Aussichtstürmen. Die Häuser sind zweistöckig, mit Flachdach aus Ton, eindeutige Vorgänger der Häuser des Gebiets der Alpujarras.
Die langhaarigen Menschen der Argar-Kultur, hatten in der Nähe Minen, in denen sie Silber, Gold und andere Metalle, wie Zinn, Kupfer (zur Bronzeherstellung) und Eisen
abbauten, mit denen sie bereits Armreife und Ringe, sowie Hellebarden herstellten. Die Nekropole befindet sich mitten in der Siedlung. Die sozial hochstehendsten wurden in
Stein- oder Tonsärgen, die sie „Pithoi“ nannten, begraben. Bei der Keramik wurde das Brennen und die Endverarbeitung verfeinert. Parabelförmige Schüsseln, tiefe Becher,
Kelche mit hohem Fuß, Teller und Tassen, alle schwarz, glatt und so blank, dass man meint sie sind aus Metall. Während der zweiten Epoche dieser Zivilisation zieht man das
Silber dem Gold vor. Damals kamen zweifellos auch Menschen aus dem östlichen Mittelmeer hierher, die von den Minen und Schmiedearbeiten angelockt wurden; sie wurden durch
die flachen Äxte mit gebogener Klinge und die Armbänder mit Bogenschützen, die überseeische Krieger darstellten, bekannt.
Das Eintauchen der Völker der Bronze in die griechische Kultur der angehenden und vorherrschenden hellenischen Kultur, kann man in der Art der Gräber verfolgen. Die
Überbleibsel und Metalle dieser geöffneten Zivilisationen verbleiben im Substrat der beginnenden iberischen Zivilisation. Die zahlreichen Spuren von Griechen, Karthagern
und Römern, die es in ganz Andalusien gibt, sind in diesem Gebiet Almerias selten. Die römische Besiedlung in Mojacar wird durch eine Ziegelbrennerei und ein paar
landwirtschaftliche Niederlassungen nachgewiesen.
Die Bedingungen dieses extremen Gebietes, sein reicher Untergrund, seine ausgetrocknete Oberfläche, durch eine Sonne, unter der nur wenig lebt (Echsen, Eidechsen,
Feigenkaktus und der in seiner Höhle verkrochene Mensch), bleiben unverändert, während die Geschichte vorbeizieht. Es vergingen einige Jahrhunderte, genauer gesagt
neunzehn, bis die Minen, die Griechen und Phönizier anlockten und die Kultur der Argar und Iberer aufblühen ließen und somit ihr verlorenes Reich zurückgewinnen konnten.
Das drittgrößte Eisenvorkommen der Provinz befindet sich im Nachbarort von Mojacar, in Bendar.
Die Ebene und die wüstenhafte Dürre der Provinz Almeria, verwandeln sich im 20. Jahrhundert in Kinoschauplatz und im 21. Jahrhundert in Museum. Die außergewöhnlichsten
Merkmale konzentrieren sich auf die Wüste von Taberna: Physische Feindseligkeit, nahezu völlige Abwesenheit von Leben, weiße und graue Trostlosigkeit, die sich in die
trockenen tellurischen Flussbette einschneidet. Und hier der ästhetische Horizont, durch den man die Schönheit der Seele Almerias begreift.
Es ist nicht verwunderlich, dass es die Araber waren, die den besten Nutzen aus diesem, dem ihren derart verwandten, Gebiet schlagen konnten, in dem sie es mit
Wissenschaft und Poesie füllten. Im extremen Westen der islamischen Welt, stand zu Beginn des 8. Jahrhunderts das uneinnehmbare Mojácar, das zum Bezirk von Tudmir gehörte.
Es war zunächst dem Kalifat von Damaskus treu und später, ab 917 dem Kalifat von Cordoba. Damals war die ursprüngliche, alte Siedlung ein befestigter, grenznaher Ort, der
sich mit Festungen, Türmen und Burgen verteidigte, die auf das Meer hinabsahen und es nicht aus den Augen verloren. Die Verlegung der Stadt ins Landesinnere, zu Beginn des
13. Jahrhunderts, gibt zu den verschiedensten Spekulationen Anlass. Manche Historiker sehen die Quadersteine der Festung fallen, die Verstecke der Ungläubigen
zusammenbrechen, sie selbst, die Männer und Frauen in irrigem Glauben, fliehen ins Landesinnere, von der Erde erschüttert, die unter ihnen wegbricht und durch ein, vom
christlichen Gott heraufbeschworenes, Erdbeben Risse bekommt. Andere Erklärungen deuten auf eine Suche der Bevölkerung nach einem besser geschützten Siedlungsort. Was
unbezweifelt ist, ist, dass Mojácar, trotz seiner abgelegenen Lage, weit entfernt von den historischen Ereignissen, einen der bedeutendsten Brunnen des Reiches von
Granada hatte.
Schönheit, Harmonie und Zivilisation sind alle Echo, Wiederholung, Klangausströmung und Lichtstrahlen, die das Wasser bewegen. Das Wasser war schon immer Leben und
Tränke von Völkern, es erreicht im arabischen Bewusstsein einen Ursprungscharakter. Seine gute Einteilung ist eine Gesundheitsgarantie. Wenn sich die Araber in Mojácar
niederlassen, dann nur deshalb weil es eine sichere Möglichkeit der Wasserversorgung gibt. Der Brunnen der zwölf Rohre und der von den Romantikern so gelobten Figur, der
Schönen aus Mojácar, die den Krug auf dem Kopf trägt, sind Reste jener verwurzelten ruhigen Liebe zum Wasser und seinem Blumensegen. Margariten, Myrthe, Kamille sind
einige der bevorzugten. “Von all den poetischen Themen ist die Beschreibung von Gärten vielleicht die vertrauteste für die maurischen Schriftsteller Spaniens“, so sagt
Henri Pérès in seinem Buch „Esplendor de Al – Andalus“ (Glanz von Al-Andalus). Eine der schönsten Poesien ist jene, die das Veilchen als „mit Brombeeren aus dem Garten
bemalten Schmetterlingsflügel“ beschreibt.
Esotherische Philosophen
In Almeria gab es auch philosophische Schulen, angeführt von Ibn Mararra, die, ausgehend von der Lehre Empedokles, ihr eigenes Credo islamischer Esoterik
entwickelten, nach der die Seele den Körper angenommen hat, als Mittel zur Läuterung eines Fehlers, und nach Erhalt der Erlösung sich mit dem Heiligen Geist vereint. Ibn
wurde des Atheismus angeklagt und war bereits in seiner frühen Jugend von Schülern umgeben. Er kam, um in den Bergen von Almería bis zu seinem Todestag zu predigen.
Philosophie, Architektur, Wissenschaft, Folklore, selbst in der öden Erde hat der Islam (Ortsname oder Feigenkaktus) Verwandtschaft. Ihre Hinterlassenschaft übersteigt
ein jedes kurzes Inventar. Die Steine der Zisternen und Burgen verweilen starr, wenn man sie als die Reste der Epoche vor der Wiedereroberung vorzeigt. Denn hier im Süden
scheinen sich die Pole des Kompasses umzudrehen, oder zumindest vervielfachen sich die Deutungen der Geschichte in einer niedlichen Polysemie. Das, was die orthodoxen
Christen und die antiken Historiker Kreuzzüge nannten, und die heutigen Mauren Revolution, hat man in diesen andalusischen Breiten von jeher schlicht als Rivalität um den
mediterranen Markt angesehen.
Das Land von Mojácar muss man von der Höhe des Verteidigungsturmes „Turre“ aus gesehen haben: voll mit Anbaufrüchten (Weizen, Oliven, Weinreben). Die damaligen Bauern
aus der Zeit der Nasriden, richten die Ackerfurchen zurecht und öffnen den Wasserstrahl, damit der Kornnachschub nicht fehle. Dank dem Turm „Espanta-Cristianos“
(Christenscheuche), den die Leute aus Mojácar mitten auf den Feldern errichten mussten, um die Leute aus Lorca zu fernzuhalten, verlaufen die Mahd und die Ernte ruhig.
In jenen Tagen kamen die aus Cordoba und Granada vertriebenen Mozaraber hierher um ihre Bauernhöfe aufzubauen. Sie siedeln sich in der iberisch-römischen Siedlung Cádima
an und später bauen sie Santa Teresa und Cabrera. Manche der Bauernhäuser von damals haben in der Alpujarra überdauert.
1488, bringen die Katholischen Könige die Mauren dazu sich nach Afrika zu verdrücken, oder ansonsten, sich von der Küste Mojácars zu entfernen, um sich zwischen den
Bauern im Landesinneren niederzulassen. (So entstand die Mudejar-Moschee von Turre). Ein Burgvogt fordert die Katholischen Könige heraus und erscheint nicht zur Übergabe
in Vera. Es handelt sich um den Burgvogt von Mojácar. Die Könige zeigen eine lobenswerte politische Besonnenheit und entscheiden sich für den Dialog und erwählen von ihren
Treuen, den ehrenwertesten aus, Garcilaso de la Vega, Admiral und Poet, der an der Spitze eine Delegation dorthin kam. (Andere Quellen jedoch versichern, dass der Poet zu
dieser Zeit noch gar nicht geboren war).
Des Mittags vergehen die Männer wegen ihren Bärten. Der Galopp richtet die Abordnung übel zu. Es ist Juni und die Temperaturen sind extrem heiß. Trockene Hitze. Die
Luft bewegt sich nicht. Garcilaso stärkt sich unter den Kanonen der Festung Alabez, die sogar in Granada berühmt war.
- - Ihr müsst euch ergeben.
- - „Warum, ich habe nie gegen die Christen gekämpft.“
- - Die Könige befehlen es. Zwingt mich nicht euch zu unterwerfen. - mahnt
der Poet – ich habe mehr als genug Streitkräfte und die Hilfe der Pflicht.
- - „Ich, bevor ich mich wie ein Feigling ergebe, weiß ich wie ein Spanier zu
sterben.“
Ergriffen von den Erklärungen des Islamisten, akzeptiert der Mann der Renaissance, eben wie ein Bruder und gibt ihm die Erlaubnis die Heimat beider weiter so zu
bearbeiten wie bisher (auf die gleiche Weise wie in den vorigen sieben Jahrhunderten). Das Zusammenleben von Mauren und Christen überdauert sogar, Chroniken von Mojácar
zufolge, die maurische Revolution von 1568, in dem es sich erneut weigert diese zu verjagen. In diesem Fall war es der Markgraf von Torralba.
Die Siedlung wird zur „sehr edlen und sehr loyalen Stadt von Mojácar. Schlüssel und Schutz des Königreichs von Granada“, so lautet es nach dem Krieg der Alpujarras auf
seinem Wappen.
Von diesem Moment an und bis ins 18. Jahrhundert, bis die Piraterie aufhört die Küsten zu geißeln, lebt Mojácar davon den Litoral zu verteidigen, und mit ihm die
Anbaugebiete, die sie der arabischen Lehre zufolge den Gebirgen der Sierra de Cabrera abgewannen, in dem sie die Hänge terrassierten. Feigenbäume, Reben, Oliven- und
Johannisbrotbäume gestalten die Bergrücken um. Die Seide ist kein Geschäft mehr. Höfe, Einsiedeleien, Kirchen gedeihen. Später die dunklen Jahre, die der napoleonischen
Invasion folgten, mit ihren Hungersnöten und Gelbfieber.
Mojácar erreicht 1887 seinen demographischen Höhepunkt mit 6.382 Einwohnern, dank der Silberader in der Sierra Almagrera und der Einrichtung eines Hochofens für Blei,
der zum zweitergiebigsten ganz Spaniens wurde.
Alles Weitere ist Gegenwartsgeschichte, die der Reisende episodisch in den Straßen, an den Stränden, in der Architektur und in der Biographie der Einwohner beobachten
kann.
Moderne und Heimtücke
Die Stadt, so wie wir sie heute kennen, reich und malerisch, sowie sehr gefragt von den Reisenden, entstand dank zweier Erlöse durch die Romantiker: die
„Mojaquera“ (Frau aus Mojacar) und das Totem „Indalo“. Jene abtrünnigen Bourgeois, die ersten Reisenden der Gemütsbewegung, holten in der ersten Hälfte des 19.
Jahrhunderts den Mauren zurück und entdeckten Spanien neu. Die Waschfrauen von Mojácar verblüfften die Romantiker, nicht weil sie in ihnen das andalusische Bild der ewigen
Fruchtbarkeit entdeckten, das war es nicht. Was tatsächlich die Aufmerksamkeit der Romantiker erweckte, all ihre exotischen Erwartungen überwältigte, war ihre Tracht. Jene
Frauen kamen mit dem Krug zum Brunnen und waren von Kopf bis Fuß in Schleier gehüllt, eine Gewohnheit, die sich bis vor kaum zwanzig Jahren hielt. Das Bild im verträumten
Romantiker, vollgestopft mit Gitarren, Banditen, Spitzbögen und Fachwerk, bestätigte die Unverfälschtheit des Landes und, im Gegensatz zur Vereinheitlichung der
bürgerlichen Moden, richtete es sich auf den Ausdruck der lebendigen Freiheit und Vielfalt.
Jene in der sentimentalen Übertreibung aufgelaufenen Reisenden bemerkten ebenfalls den Indalo, den die Einheimischen in Ocker auf die getünchten Fassaden der Häuser
malten. Die seltsame Figur war unter den Einwohnern als der „Mann mit dem Bogen“ bekannt, dessen Original in der Höhle „Cueva de los Letreros“ zu finden ist. Die
Archäologen erkennen in der Figur einen Gott, der mit seinen geöffneten Armen den Regenbogen hält und somit die Menschen vor den Überschwemmungen schützt. Die universelle
Bedeutung, die der prähistorische Prometheus in der gesamten Provinz erreichte, war ein späteres Werk einer Gruppe von Malern aus Almeria, die das Symbol als intellektuelles
Markenzeichen verwendeten. Ihr indiskutabler Anführer war Jesús de Perceval, der es erreichte, dass das ästhetische Gedankengut, die eigenen Leinwände und seine
literarische Gesellschaft, Ende der 40er Jahre in Madrid anerkannt wurden.
Dies war möglich, dank dem ideologischen Beitritt von Eugenio D’Ors, der, wenn er auch nicht an den entehrenden Sitzungen mit arabischem Weihrauch und altem Wein aus
den Alpujarras teilnahm, die in den Nächten von Mojácar abgehalten wurden, dennoch von seiner Kunstakademie („Academia Breve de Arte“) aus die lokale Bewegung unterstützte.
Ihm verdanken wir die Beschreibung des Indalo als: „eigenständige Überdauerung einer Vorgeschichte, die durch die unsichtbare Tinte der Geschichte und die glänzenden Töne
der Kultur hindurch scheint.“
Mojácar ist jedoch noch immer verlassen. Die Minen sind geschlossen. Die Bevölkerung übersteigt kaum die 300 Seelen. Dann geschah es, dass die sprichwörtliche Figur des
Don Jacinto entstand, Vorreiter des touristischen Booms, der vom Rathaus der Stadt aus, die Wiederbevölkerung vorantreibt, in dem er all denen Land schenkt, die Häuser
renovieren und in der Absicht hierher kamen um sich niederzulassen und zu bleiben. Künstler, Journalisten, Toreros, Boheme, pilgern bis hierher, kurz darauf gefolgt von
Bauherren und Hoteliers.
Parador von Mojacar die Sonnenstadt
Der Gast des Paradors bemerkt sofort die Modernität des Gebäudes in dem er untergebracht ist. Es wurde mitten im touristischen Aufschwung erbaut, als das
Dorf die Zügellosen, die Freidenker und die kühnen Sucher nach dem freiheitlichen, irdischen Paradies anzog.
Die großen Fensterfronten seiner Veranden und Salons schauen aufs Mittelmeer hinab. Der Strand genießt, trotz des intensiven sommerlichen Zustroms, eine einladende
Anonymität. Der kürzlich erneuerte und neu bepflanzte Garten steuert morgens und abends kühle Luft bei, sowie breite Schatten in der mittäglichen Hitze. Gegenüber sind die
Insel und das Meer von Alborán. Von ihr erfahren wir später mehr, jetzt gehen wir nach Mojácar.
Den Besuch von Mojácar beginnt man am Besten vom Aussichtspunkt des Neuen Platzes („Plaza Nueva“). Der Blick über das Tal gibt uns eine historische Perspektive der
ursprünglichen Siedlung von Mojácar („La Vieja“). Nach oben beginnt der Aufstieg zum Aussichtspunkt der Burg (“Mirador del Castillo”), die sehr stark befestigt war, ebenso
wie die ehemaligen Stadtmauern. Aber nach unten breitet sich die Stadt in einem weißen Labyrinth aus.
Die Straße trägt den Namen des Förderers der modernen Metropole, dem Bürgermeister Jacinto, und endet an der Kirche „Santa Maria“, der früheren Festung. Ihr gegenüber
erkennt der Reisende sie sofort, es gibt nur noch eine und sie ist aus Stein, die Frau von Mojácar, das Idol der Romantik. Die Reste der berühmten Stadtmauer und der
arabische Friedhof befinden sich am Fuß der Steintreppe, die an der Kirche beginnt.
Auf dem Rathausplatz (“Plaza del Ayuntamiento”) blinkt die indianische Erinnerung durch die Zweige des hundertjährigen Baumes hindurch. Hier in der Nähe war eines der
Stadttore. Dieser Rundbogen ist mit dem Wappen von Mojácar geschmückt. Der Blumenplatz (“Plaza Flores“) ist einer jener Winkel voller Eigentümlichkeiten. Das Judenviertel
ist eine der Alternativen an der Kreuzung, die der Reisende hier vor sich hat. Eine andere Möglichkeit sich zu verlieren, führt in Richtung des weithin sichtbaren Meeres.
Unumgänglich ist jedoch der Besuch am Brunnen, zu dem man über die gleichnamige Steige gelangt. Der fragliche Brunnen wurde im 20. Jahrhundert neu gestaltet, sein Wasser
ist jedoch wie eh und je, rein und himmlisch. Vielleicht hat der Reisende das Glück eine Frau zu sehen, die noch immer die Tradition des Wäschewaschens fortsetzt. Wenn
dem nicht so sei, dann sollte der Reisende sich mit dem Plätschern seiner zwölfstimmigen Brunnenrohre zufrieden geben.
Das Meer der Meere
Eingepasst zwischen den Hügeln, hat Mojácar seine Bevölkerung, seine Dienstleistungen und den Touristenzustrom vervielfacht, ohne die Umgebung zu
beeinträchtigen. Die Meeresküste verläuft 12 Kilometer weit ohne Bebauung. Der Reisende, der auf ein Bad erpicht ist, hat die Qual der Wahl bis hin zum Kap von “Cabo de
Gata“. Er hat lärmende Strände, wie den von „El Cantl“, Feinsandstrände, wie den „La Rumania“ in der Flussmündung des „Río Aguas“ oder andere, einsamere wie die von „Las
Grantillas“, abseits gelegen und mit dem ungeschliffenen Charme seines roten Sandes, sowie den weiten und felsigen grauen Sand des Strandes „Playa del Castillo de Macenas“,
der kaum besucht ist.
Weiter im Meer, 40 Seemeilen entfernt, befindet sich die Vulkaninsel Alborán. Sie ist nichts Bedeutendes, sie ist kaum 300 Meter breit, 600 Meter lang und hat eine
höchste Höhe von 19 Metern, war jedoch unzählige Male Ziel militärischer Streifzüge. Ihren Namen hat sie vom tunesischen Piraten Al-Borany, der hier mit seinem Schiff
festmachte, um von hieraus besser den Überfall auf die Küste vorbereiten zu können. Die gesamte Flotte der Verbündeten von Rotbart („Barbaroja“), angeführt von Alí Famet,
mit nicht weniger als 16 Schiffen, kamen auf die Insel als strategischen Punkt in der Schlacht gegen das Geschwader der spanischen Galeeren unter dem Befehl von Bernardino
de Mendoza. Selbst noch Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts, versuchten russische Fischer die Insel zu erobern. Das ist der Grund, warum immer wieder ein Kommando
der Marineinfanterie auf die Insel kommt um den Ort zu bewachen.
Auf der Uferpromenade oder in den Geschäften der Straßen von Mojácar, hat der Reisende sicherlich die Korallenketten und –ohrringe bemerkt, die zum typischen
Kunsthandwerk der Stadt gehören. Sie stammen vom schroffen Meeresgrund des Alboran-Meeres. Seit kaum mehr als einem Jahrzehnt ist es ein Meeresreservat. Wenn der Reisende
ein Anhänger des Tauchens und bestimmter Fischereitechniken ist, kann er diese hier praktizieren. Der Fremde kann sicher sein, dass die hier erstandenen roten Korallen,
legal erworben wurden. Die blutrote Faszination ihres Glanzes ist fast so alt wie der Mensch, Zierrat aus Korallen wurde in 25.000 Jahren alten Gräbern gefunden. Türken,
Griechen, Römer und Mandarine haben den roten Korallen ihre hohe Bedeutung und ihren Rang zuerkannt.
Bis dorthin, wo der Indalo den Regenbogen hält
Im Osten steigt die Sonne aus ihrem Bad auf. Dieser Teil des Mittelmeers nennt sich die heiße Küste („Costa cálida“). Die weiteren Himmelsrichtungen bieten dem
Touristen von Mojácar aus herrliche Ausflüge. Die meist besuchten findet man im Westen: im Spaghettiwestern der Wüste von Tabernas (über die A7/E15 nach Nijar) und im
Süden: das Katzenkap („Cabo de Gata“).
Die einzige Wüste Europas mit 48 °C Mitteltemperatur im Sommer, außer dem Mini Hollywood und einem jüngst gegründeten
Wüstenmuseum („Museo del Desierto“), entschädigt den abenteuerlustigen Abenteurer, der sich der Hitze aussetzt und hierher kommt, mit einer kaum erwarteten
landschaftlichen Schönheit, die seltsam und blendend ist. Im Gegensatz zu den möglichen Erwartungen des Reisenden, ist das Gebiet reich an Wirbeltieren, wie Vögel und
Reptilien. Außerdem gibt es hier außergewöhnliche endemische Arten, mit üppigen Blüten, mitten in der Trostlosigkeit grauer Trockentäler, oder an Wasservorkommen, zwischen
den seltenen salzhaltige Wassermassen.
Das “Cabo de Gata”, das, von denen, die es besucht haben, wiederholt genannt und gepriesen wird, ist genau das Gegenteil: die große Lagune, die den Durst der Provinz
stillt und vielleicht das am grimmigsten verteidigte Feuchtgebiet Andalusiens. Sieben Autobahnausfahrten haben Zugang zum Naturpark, der intern mit allen angrenzenden
Siedlungen über ein Straßennetz verbunden ist. Neben seinem Wasser, seinem Ruhm und seiner Flora, weist er zur Freude des Touristen einen Küstenstreifen auf, der Steilufer,
Buchten, Sandstrände und Riffe hat.
Der Ausflug, den wir vorschlagen führt an Höhlen vorbei, verzichtet nicht auf frische Luft, erreicht verehrte Orte, wo der Mann des Regenbogens, unsere Art vor den
himmlischen, temperamentvollen Anstürmen beschützte. Auch der Norden besitzt attraktive und sehr mächtige Anziehungspunkte. Die Provinz Murcia ist sehr nahe.
Cuevas de Almanzora ist der sonnigste Ort ganz Spaniens Die Trockenheit ist hier eine erdrückende Tatsache. Sein Stausee, zusammen mit dem von Benimar ergeben zusammen
das gesamte Wasser der Provinz, er hat oben keine Schleuse, denn der Wasserspiegel lag noch nie über 5 % seiner Kapazität. Der Fluss gibt dem Ort den Nachnamen und die
Höhlen den Vornamen. Es heißt, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch 865 Personen diese Höhlen bewohnten und in den benachbarten Grotten von Calguerin waren es noch 260
Seelen. Es ist undenkbar sich ihnen nicht zu nähern. Man muss über die Alp 118 in Richtung Vera fahren, und dann weiter über die A-352. Sobald man im Dorf ist kann Ihnen ein
jeder Einheimischer den besten Weg zu den Höhlen zeigen. Eine von ihnen kann besucht werden und ist sogar ein Landgasthaus, dank der leidenschaftlichen Initiative ihres
Eigentümers. Der gute Mann erklärt den Ursprung und die Geschichte der Höhlen genauso gut wie ein gelehrter Höhlenkundler, mit Wissen und Leidenschaft.
Vor 3000 Jahren hinterließen die ersten Bewohner ihre Spuren. Beinahe Gestern, wenn wir es mit den Höhlenmenschen von Zájara an der Straße der Cuevas de Herrerías (nahe
der Kreuzung von „Las Aguilas“) vergleichen, die ihren Mantel nutzten um die Kälte von vor 70.000 Jahren zu überstehen. Diejenigen Höhlen, die der Reisende in Almanzora
erkundet, wurden mit Sicherheit von den Arabern als Wohnstätten verwendet und bildeten Gruppen von beträchtlicher Größe. Ihnen folgen die obdachlosen Christen, arme „Payos“
(Nichtzigeuner) und Zigeuner.
Das Volk unterscheidet sich auf den ersten Blick. Der Reisende kennt bereits den Weg. Es lohnt sich einen Blick auf das neoklassische Rathaus zu werfen und den Besuch
mit der Burg zu vervollständigen, die vom ersten Markgrafen von Vélez, Pedro Fajardo, wieder aufgebaut wurde, in dem er das vorige arabische Bauwerk nutzte. Ihr
Erhaltungszustand könnte nicht besser sein. Sie beherbergt die Bibliothek, das archäologische Museum und ein unerwartetes Museum der modernen Kunst („Museo de Arte
Contemporáneo“), das des Essayisten und Kunstkritikers Antonio Manuel Campoy. Die erstaunliche Sammlung, vereinigt mehr als 400 Gemälde von Tapies, Solana, Picasso,
Benjamín Palencia, Clavé, Miró. Und eine bedeutende Mappe von Kupferstichen und Gravuren von Goya und anderen Künstlern.
Weiter im Norden, kann der Reisende den Tag im Naturpark des Gebirges „Sierra de María Los Vélez“ verbringen, ein Paradies von mehr als 22.000 Hektar, aus dem der
Indalo stammt. Von Vélez Rubio aus erreichen wir ihn über die N-342. Eine neue, grüne Landschaft erschüttert auf einmal den Fremden. Zu den Winden aus Almería gesellen
sich Winde aus Murcia und der Mancha. Es handelt sich um eine komplexe Gegend in diesem Gebirge. Es gibt sehr unterschiedliche Formen sich ihm zu nähern, einige aktiver
als andere, über die Wege oder die Schluchten. Die Feinheiten seines Ökosystems erkennt man nur wenn man ihm den Blick ohne Zwang widmet.
Der Reisende atme den Duft dieser Kiefern und Rosmarinbüsche ein. Den Beginn des Tages parfümiert der Lavendel und der Majoran den Sonnenuntergang. Die Tierarten
erreichen die Tausende. Das Relief wechselt die Farben und schärft beim Aufstieg den Instinkt. Die Wacholderheide erscheint im unwegsamsten Gebiet. Der Wald besteht aus
verbogenen Stämmen, massenhaft übereinander verrenkt, so als ob sie sich gegenseitig beschützen, damit die anderen nicht die Herde verlieren. Hier platziert der Poet aus
Almeria, Julio Alfredo Egea, die traditionelle Hirtenlegende, deren Hauptdarsteller der Sohn eines Ritters aus dem Gefolge des Markgrafen und eine Maurin, die in der Nähe
der Burg lebte sind. “Eines nachts im Mondschein, als die Zugbrücke der Burg bereits hochgezogen war und das Volk schlief, flohen die Liebenden auf dem besten Pferd des
Vaters des Knappen. Sie hüpften durch das Labyrinth des Waldes bis hinauf in die Wacholderheide unter einen großen Baum... zwischen Wonne und Tränen feierten sie
Liebesliturgien... ein Ruhelager aus duftenden Sträuchern, von dem bereits von weitem Duftwolken sie anlockten zog sie an. Man fand nur diesen Liebesaltar unter dem Baum
und das Tülltaschentuch der Maurin in den Zweigen verheddert... Man konnte das Pferd nicht einfangen, das in verrücktem Galopp das Gebirge durchquerte und klagendes
Gewieher in die Luft warf... Und die Verliebten?... Wehmütig fragt sich der Schreiber, und mit Wehmut antwortet das Gegenüber: „Die gekürzte Legende hat kein klares Ende.“
Der kürzeste Weg zurück zum Parador führt über Vélez Rubio, Puerto Lumbreras, Huércal Overa über die A7/E15, bis nach Los Gallardos und von dort aus über die E150 bis
Mojácar.
Beim Gehen den Weg/Kümmel bereiten
Die Küche von Almeria ist mediterran, sie verwendet Zutaten aus dem Meer, der trockenen Erde und dem Garten. Bei den Gerichten und in seinem Garten, lässt
der arabische Hauch sein würziges und intensiv süßes Aroma aufsteigen, sowie den orientalischen Stil seiner Kultur. Die territoriale Isolierung der Provinz spiegelt sich
in den Gerichten nieder, in denen, zumindest in der traditionellen Küche, kaum Produkte von außerhalb verwendet werden.
Mehr als berühmt im ganzen Land sind „El Pimentón“, der, wie der Reisende sicherlich bereits weiß, in Wirklichkeit ein Teller Kartoffeln mit Paprikapulver („Pimentón“)
und Tomate (mit dem charakteristischen Geschmack des Kümmels) ist, „Gachas“ (Mehlbrei) und „Migas“ (gebräunte Brotkrumen). Im Allgemeinen sind die Suppen, Eintöpfe,
Salate und Paellas (sehr verschieden zu denen aus Valencia) sehr beliebt.
Hier in Mojácar kostet man frischen Fisch, Meeresfrüchte und Saubohnen. Die Seebarben mit Lauch („Salmonetes con Ajo blanco“) sind vorzügliche Kost. Panierter Fisch
wird mit Mandelbrühe übergossen und mit geriebenem Ei verziert. Es gibt Garnelen (“Gambas”), Krabben („Camarones“), Venusmuscheln („Almejas“)... aber wirkliche Furore
machen hier Tintenfisch („Calamares“) und Stöker nach Maurenart („Jurelillos a la moruna“), die erneut den Gast mit Kümmelaroma und einer Prise Gelbwurz entführen. Krake
(„Pulpo“), Seeteufel („Rape“) und Makrele (“Caballa”) sind an dieser Küste sehr häufig und ergeben nicht wenige köstliche Rezepte.
Die Flucht vor allem Künstlichem ist das gemeinsame Gebot für die meisten der lokalen Spezialitäten. Beispiele hierfür sind die Fischsuppe (“Caldo de pescado”),
„Pelotas“ (eine Art Knödel) oder das Lauchgericht des „Ajo Colorao“. Der Besucher sollte auch unbedingt die gebundene Suppe der „Crema Mojaquera“ probieren, oder aber die
„Gurullos“, die kleine Kroketten sind, die „Tarbinas“, die eine Art „Gachas“ sind, die manchmal mit Milch verdickt, mit Anis verfeinert sind und meist zusammen mit
gerösteten Brotwürfeln („Picatostes“) serviert werden.
Wenn man einen Wein aus Almeria möchte, dann bestellt man am Besten einen aus Laujar de Andarax, das ist ein kräftiger Roséwein, oder für die geringeren Weinkenner
einen leichten „Ezurraqueí“, hergestellt aus der weißen Traube aus der Alpujara.
DAS GEHEIME REZEPT
HÜBSCHER SALAT
Der Schattenfisch (“Melva) ist eine Art stahlfarbener, gestreifter Bonito. Er lebt im Atlantik. Manche Frauen von der Küste Mojácars bereiten einen Salat der das Ende
der langen Sommertage erleichtert, wenn bei der völligen Ermüdung nichts weiter anmacht als etwas kühles. Die Zutaten sind: 300 Gramm “Melva” in Olivenöl, 5 feste und rote
Tomaten, ebenso viele rote Paprika, zwei gehackte Knoblauchzehen und zwei kleine Zwiebel.
Der Witz des Salates ist den Knoblauch anzubraten kurz bevor man die gesäuberten und geschälten Tomaten und Paprika dazugibt. Sie werden ungekocht, mit der in feine
Scheiben geschnittenen Zwiebel und der „Melva“ darüber serviert. Manche schmücken das ganze mit Oliven und andere mit Kapern.
Die Bilder, Grafiken und Texte in dieser Parador- / Ortsbeschreibung stammen von unten
genannten Autoren, bei denen wir uns recht herzlich bedanken möchten.
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Bildmaterial:
PARADORES DE TURISMO DE ESPAÑA, S.A.
Videomaterial:
PARADORES DE TURISMO DE ESPAÑA, S.A.
Texte:
Miguel Garcia Sanchez
Zeichnungen:
Fernando Aznar