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Monforte de Lemos und sein Parador



 

Monforte: Ewige Dachfenster


…die Flüsse rufen nach einem Vers. Es bereichert sich das Relief und das Licht genießt die Weitschweifigkeit in der
Anordnung der Hügel von Lemos. Sie schließen das harmonische System der Besitztümer der „Pazos“ (Herrensitze).
Sie bestimmen die vagen Weideplätze, in welchen die Wasser sich in den langen Wintern ausstrecken...“
( Ramón Otero Pedrayo, hervorragender und einzigartiger Chronist des anfänglichen Galicien und einer glücklichen Zukunft. )

Parador de Monforte de Lemos

Diese hochmütigen Mächte, die von missgünstigen und oft halbblütigen Adligen gebildet wurden, wollten anfänglich von Land und Untertanen geliebt werden. Und, wenig später, wollten sie edle und alleinige Herrscher mit dem Recht über Ländereien, Landgüter und vor allem über das Leben jedes Einzelnen der ursprünglichen Bewohner sein....

Lange vor diesen christlich-mittelalterlichen Zeiten, war Monforte von anderen prähistorischen Völkern bewohnt: Einwohner, die auch ihre Gebräuche, Kulturen, Rituale und Religionen hatten; eigene Künste und Kunsthandwerke.
Als um das 6. Jahrhundert v. Chr. auf diesen strategischen Anhöhen die ersten Kulturen, die beinahe schon Zivilisationen waren, erwachen sollten, handelte es sich um die so genannten keltischen Stämme: es wird angeführt, dass sie die notwendigen Techniken einführten, um Eisen und andere Metalle abzubauen. Und vor allem die Verarbeitung in Werkzeuge und nicht ganz so friedliche Gebrauchsgegenstände: sie wussten Utensilien und Waffen zu schmieden. Sie teilten mystische und religiöse Überzeugungen...

Zum besseren Zusammenleben und als Verteidigungsstrategie bevorzugten sie es, sich Hügel und hochgelegene Orte zu suchen. Auf diesen Höhen errichteten sie ein Dorf, in der Art eines Lagers, welches von einer Art Zaun oder einer bescheidenen Mauer umgeben war, um den möglichen Feind gut im Blick zu haben und sich gegenüber jeglichem feindlichen Angriff verteidigen zu können. Als das Dorf an Größe zunahm, schufen sie um das Dorf herum einen Graben zur Verteidigung. Diese keltischen Siedlungen oder Lager hatten niemals eng angrenzende Nachbarn.

Über diese Siedlungen ist schon fast alles von sehr klugen und guten Kennern dieser Umgebung gesagt worden: Schon Plinius äußerte sich über sie: “Estos Lemaborus tuvieron como centro y capitalidad el Castro Dactonio, justamente en este empinado otero...“ (Diese „Lemaborus“ hatten als Zentrum und Hauptstadt das „Castro Dactonio“, eben auf dieser hochragenden Anhöhe...). Wenig später sollten andere kluge Geographen, wie Strabon, Ptolemäus und Pomponius Mela kommen und bestätigen: „sería ésta una de las más importantes estaciones celtas de las galaicas tierras…“ (diese sollte eine der wichtigsten keltischen Siedlungen der galicischen Region werden.)

Später zeigten sich hier die römischen Heere mit der unerbittlichen Anweisung, dieses Gallien zu unterwerfen und einzunehmen, denn es war reich an „Gold, Silber und anderen Metallen und somit nützlich für den Fortbestand des Imperiums.“ Diese Ereignisse, die ersten Eroberungen und ihre gewinnbringenden Konsequenzen, spielten sich zwischen dem 2. Jahrhundert v. Chr. und dem 5. nachchristlichen Jahrhundert ab.

Noch einmal erinnert Otero Pedrayo daran: “...los celtas gallegos no tenían ciudades como los iberos. Por eso nuestra Numancia no fue una ciudad, sino un monte, posiblemente, un gran Castro.” (die keltischen Galicier hatten keine solchen Städte wie die Iberer. Deshalb war unser Numantia keine Stadt, sondern ein Berg, wahrscheinlich ein großes Keltenlager). “Es el pueblo de la mejor fama“ (es ist das berühmteste Dorf), soll Strabon gesagt und notiert haben... Diese Stämme, Gesellschaften und vor allen Dingen Clans bildeten eine der beachtenswertesten keltischen Siedlungen des damaligen Galicien. Diese Völker erreichten und wählten diese Gegenden und Täler des Flusses Cabe, um Verteidigung und Schutz zu suchen und nach ihren eigenen Regeln und Gewohnheiten zu leben. Wir sprechen über die Zeit vor etwa 1000 Jahren vor unserer Zeitrechnung. Aber verwirren wir den Reisenden nicht; denn diese ersten Bewohner wollten durchaus fest einzuhaltende Regeln für diese Gegend, die zuerst im Ort des Dactonius, in San Vicente de Monforte, eingeführt wurden.

Beinahe genau im alten, ursprünglichen Castro. Die Castros waren befestigte, hochgelegene Lager, die als Befestigungsanlage dienen sollten, in denen sich die Bewohner, ähnlich wie in Burgen, als Stämme oder Clans eingrenzten, und durch konzentrische Barrikaden, Gräben und aus Steinen gebaute Mauern geschützt waren. So entstand eine Mischung aus Stadt und Verteidigungsanlage. Auf diese Weise war jedes „Castro“ so etwas wie die Festung eines Clans, deren Hauptstadt Dactonio war und bleiben sollte, ewige Urahne dieses Monforte, das noch immer vom Berg San Vicente dominiert wird. Letztendlich war es König Alfons VI., der entscheiden sollte, dass diese Gebiete die Hochherrschaft über die Region von Lemos erhalten sollten, damit hier eine Siedlung auf der Anhöhe und dem Berghang mit dem Namen Castro Actonio oder Luctonio errichtet würde. Aufgrund dieser königlichen Gunst verwandelte sich Monforte in eine der herausragendsten und einflussreichsten keltischen Siedlungen ganz Galiciens.

So sehr, dass sich während der römischen Invasion ausgerechnet hier zahlreiche Kavallerie-Schwadronen niederließen, die mit Truppen aus der örtlichen Bevölkerung aufgestockt wurden. Die Bewohner dieser Lager lebten zu Beginn in Lehmhäusern, die nur von ihnen selbst erbaut wurden. Wenig später wurden sie aus Steinen, die hier reichlich vorhanden waren, errichtet. Sie kleideten sich mit Kitteln aus Wolle oder Leinen und mit schwarzen Umhängen, um sich gegen die Unbarmherzigkeit der schweren Winter zu schützen. Ihre Ernährung war gezwungenermaßen bescheiden. Sie aßen nur einmal am Tag, meistens Fleisch, das von der Jagd stammte und vorzugsweise vom Ziegenbock, den es damals reichlich gab. Sie tranken Bier mit Genuss, kochten und würzten mit verschiedenen Fetten. Und sie aßen immer gemeinsam. Sie trugen das Haar lang. Und sie verstanden es insbesondere, Flachs und Roggen anzupflanzen. Außerdem waren sie große Kenner der Wahrsagekunst.

…diese Rasse ist sehr kriegerisch
und schnell beim Kampfe
aber sie ist schlicht…
( Strabon )

Beim Kampf benutzten sie kurze Schwerter, Dolche oder Messer. Die Siedler verstanden es, Garn, Leinen oder Wolle zu spinnen. Und sie wussten, wie man aus Häuten und Stöcken Schiffe und Boote baut. Sie waren beachtliche Bergarbeiter. Sie verstanden es, Metalle abzubauen und diese zu verarbeiten. Gold gab es an diesen Flüssen reichlich, Blei, Zinn und vor allen Dingen Silber. Außerdem Ton, um Gläser, Töpfe und viele andere Küchengefäße herzustellen...

...Dieses ist der Fluss, den sie den Cabe nennen,
der Monforte umfließt nach dem, was wir wissen.
Und später erkundet er die Gegend von Lemos,
bevor der Sil ihn trinkt und ihm ein Ende bereitet…
( der Gelehrte Molina, 1550 )

Diese ersten Keltenlager waren unabhängig, rebellisch und vor allen Dingen undurchlässig für jeden benachbarten oder fremden Eindringling. Die klugen, und mehr noch, scharfsinnigen, römischen Eindringlinge strebten danach, sich zu behaupten und jegliche Anzeichen von unabhängigem Widerstand mit einer geschickten, spaltenden Strategie zu unterbinden: Sie befahlen den Besiegten, die hochgelegenen Kämme und Lager zu verlassen, die Höhen aufzugeben und in die Täler und Ebenen zu gehen, wo sie leichter kontrolliert und bekämpft werden konnten. So zerstörte man beinahe die prachtvolle und unabhängige Kultur der Castros.

Währenddessen wurden die Legionen des Imperiums logischerweise mit den bereits besiegten Legionen aus den eingenommenen Gebieten derselben Gegend aufgestockt. Sie führten kluge Normen und Gewohnheiten ein. Übergreifende Anordnungen und Kodizes, die für alle und jeden dieses weiten Imperiums gelten sollten. So wurde diese Halbinsel auf kluge Art und Weise durch römische Straßen und Fahrwege verbunden, unter anderem zum Zweck der besseren Fortbewegung der Truppen und für den besseren Transport wertvoller Waren; in dieser Umgebung aus den begehrten Gold- , Silber- und Zinnminen... In anderen Gebieten Fisch und viele andere Produkte.

Gleichzeitig fand ein grundlegender Wandel in der Wirtschaft und in der Art zu leben statt. Zu Gunsten der ackerbaulichen Aktivitäten verringert sich die Viehzucht, welche für die keltischen Völker bestimmend gewesen war. Es tauchen neue Gebräuche und Gewohnheiten auf. Diese Gegenden werden über die so nützlichen römischen Straßen mit beachtlichem Wissen und Handel bereichert, die den eindringenden Legionen, aber auch neuen Überzeugungen und unbekannten Verhaltensregeln, Zugang gewähren. Die Route von Antonio Caracalla durchquerte Galicien auf vier Hauptstraßen, die von Braga nach Astorga führten. Die so genannte „Östliche“ ging über Chavez, heute außerhalb des galicischen Gebietes gelegen. Eine andere führte an der Küste entlang auf dem Weg nach Lugo. Schon damals entwarf man einen Weg, um Lugo mit Monforte zu verbinden, auf dem heute noch bedeutende Reste zu erkennen sind. In den Orten und Städten entstanden lokale Tribunale: Man studierte die Delikte und verhängte Urteile mit dem Recht auf Berufung. Jede Stadt ernannte eine Person, deren Autorität mit der eines Bischofs vergleichbar war und die sie „Flamen“ nannten. Die Romanisierung erfolgte ebenso langsam wie flüchtig. Die keltischen Kulturen zeigten einen starken Widerwillen gegenüber den Invasoren, auch wenn eine bis dahin unbekannte zivile und militärische Organisation errichtet wurde. Die Landwirtschaft bekam interessante, neue Impulse. Im Bergbau wurden neue Techniken eingeführt, die den Abbauprozess beschleunigen sollten. Außerdem wurden zahlreiche Bauten von öffentlichem Nutzen errichtet: Brücken, Mauern, Tempel... Und ein sehr tiefgehender Imperialismus: in einer gemeinsamen Sprache, mit gleichen Gesetzen für alle und das gesamte eingenommene Gebiet. Und so fährt die Geschichte und die Nacherzählung der Geschichte fort: “...Las infieles huestes sarracenas arrasaron todas estas comarcas...“ (die ungläubigen sarazenischen Heerscharen machten diese Gebiete dem Erdboden gleich…). Nach der Zerstörung der Stadt und Festung von Dactonio baute man erneut das Kloster von San Vicente auf, das unzertrennlich mit dem Palast der ersten Lemos verbunden ist, welcher heute der touristische Parador ist. Aber schon früh zeigten diese Galicier heldenhaften Widerstand gegenüber den maurischen Eindringlingen und sie befreiten sich auf mutige Art und Weise in der Gegend von Covadonga mit einer spärlichen Armee, die vom klugen und mythischen Pelayo angeführt wurde. Mit seinem plötzlichen und unerwarteten Sieg bekam er den Titel des Königs zugesprochen: so entstand die asturisch-galicische Dynastie.

Tatsächlich waren diese galicischen Gebiete die Regionen der Halbinsel, welche als letzte von den Arabern heimgesucht werden sollten. Dies geschah unter der Herrschaft von König Alfons I.

Dieses Leben war noch viel härter als es erscheinen mag. Am Ende des 8. Jahrhunderts regierten drei allmächtige und wichtige Kräfte die ganze iberische Halbinsel. Einmal die scheinbar nicht zu hinterfragende königliche Macht, die des übermächtigen und mehr als häufig aufsässigen Adels und selbstverständlich die der Geistlichen, die eine versteckte, aber nicht okkulte Macht ausübten, die so verborgen wie effektiv war. Das ging soweit, dass diese so einflussreichen Hierarchien wie Bischöfe und Äbte so viele Vorrechte und Entscheidungsgewalt von der Regierung erhielten wie die Adligen der edelsten Abstammung. Sie waren Eigentümer von eigenen Gebieten und Herren von Leibeigenen. Sie entschieden wann, wie und warum und wo diese an einem Krieg oder Kreuzzug teilnehmen mussten bzw. wann es angebracht war, feindliche Nachbarn anzugreifen.

Und schon bald unterlag die Stadt dem habgierigen römischen Eroberer, auch wenn er auf unerwarteten Widerstand dieser sturen und nach Unabhängigkeit strebenden keltischen – beinahe schon galicischen – Völker stieß, die letzten Bewohner, die den imperialistischen Truppen unterworfen wurden. Aber es gab andere, vielleicht bessere Folgen, die von diesem Eindringling verursacht wurden: Die „Lex Romana“ zwang die am Ende besiegten Völker, die Berge und Gebirge zu verlassen und in die Täler und Ebenen zu ziehen: Friedliches und fruchtbares Zusammenleben im Tausch mit dem Leben, das sich in den hochgelegenen Castros und unwirtlichen Unterkünften so schlecht verteidigen ließ


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Parador de Monforte de Lemos ****
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