Steine aus Vergoldetem
Goldene Steine der Wäldchen
an den Ufern des Tormes,
ihr bewahrt die Geheimnisse
vergangener Weisheiten...)
Miguel de Unamuno
Wiege der Geschichte. Schule der Mystiker und Vagabunden. Hörsaal universitären Wissens. Heilige Stätte der Utopien. Ort unmöglicher Lieben. Lehrstuhl von Heiligen und
Schelmen. Ort der Künste und der Literatur. Schauplatz von Kriegen und anderen Grausamkeiten… Der Neid aller Zeiten. Ort, der den Willen von Cervantes beflügelte und
„Goldener Käfig“ für Unamuno war. Für Cela war dies die Stadt aller Städte: „Santiago und Salamanca. Alles andere sind Lagerplätze...“
Tochter von Mythen und Legenden; auch der Halbgott Herkules persönlich könnte zu Urzeiten der Gründer dieser Stadt gewesen sein, „nachdem er einen Berg geformt hatte,
auf dem sie thronen konnte.“ Sie wurde von den Phöniziern als Lagerplatz und vielleicht auch von den Trojanern als Zufluchtsort benutzt. „Teucro, der griechische Hauptmann
und seine Begleiter brachten Leben in die Stadt als sie nach der Zerstörung Trojas an den Ufern des Tormes ankamen“. Sie war zunächst definitiv eine keltische Siedlung.
Dann wurde sie von den Stämmen der Vacceos und Vettonen bewohnt, bevor sie etwa zwei Jahrhunderte vor unserer Zeit von den Armeen Hannibals erobert wurde. Diese primitiven
Stämme verehrten die Steineichen, die zu dieser Zeit die Felder bedeckten, wo Ziegen, Schweine und wilde Stiere weideten, die noch heute als universale bäuerliche Symbole
gelten. Zu Beginn unserer Zeitrechnung war diese Gegend des römischen Imperiums Teil von Lusitanien und hatte Emerita Augusta, das heutige Mérida, als Hauptstadt.
Die Brücke geht auf diese Zeit zurück. Ihr Bau wurde von Kaiser Trajan in Auftrag gegeben, um Mérida über die Silberstraße mit Zaragoza zu verbinden, welche der
wichtigste Transportweg für Heere und Güter, Ideen und Bräuche war. Sie war und ist eines der beachtenswertesten und schönsten Beispiele für römische Architektur in
Spanien.
Als die römischen Heere diese Gegenden verlassen mussten, nahm der berühmte Gote Walia Besitz von dem Territorium mit zweifelhaftem missionarischem Eifer für das
Christentum im Gepäck, bis Muza, der kühne Maure, dies kurz nach Beginn des 8. Jahrhunderts wieder ändern sollte. Diese Gegenden sollten sich Mauren und Christen über
vier Jahrhunderte teilen. Alfons I., Ordoño I., Alfons III., Ramiro II., alle unternahmen sie mutige Versuche, diese Gegenden wieder zurück zu erobern. Aber Muza, Mohammed
und der unbesiegbare Almanzor verteidigten sie, bis letzterer schließlich unter dem Zeichen des Kreuzes und dem Schwert von König Alfons VI. im frühen 12. Jahrhundert
fallen sollte.
Aber dies waren keine verlorenen Zeiten. Salamanca sollte mitten im Hexenkessel des Mittelalters und anderer Verblendungen der damaligen Zeit, die immer wieder durch
die Anwesenheit der Ungläubigen genährt wurden, seinen Charakter und seine Persönlichkeit entwickeln. Dieses Gebiet, das allen und niemandem gehörte, aber niemals
entvölkert war, schaffte es, die feindlichen Eindringlinge zu beherbergen und von ihrer Anwesenheit zu profitieren. Die Stadt vergrößerte sich durch den Zuwachs
öffentlicher und religiöser Bauten kontinuierlich. Es kamen Künstler und Kunsthandwerker sowie Wissenschaftler und Gelehrte. Die Schlachtfelder blieben Zonen friedlichen
Austausches. Salamanca war Markt und „zoco“ (arabischer Marktplatz) ebenso wie Hörsaal und alternativer Lehrstuhl sowohl von Mauren als auch von Christen.
Der so berühmte Abschied der Mauren hinterließ hier einige traurige Erinnerungen, da die Bewohner der Stadt „entsetzt waren über die Wildheit der grausamen Heiden“, wie
Alfons VI. beim Errichten einer stabilen Grenze im Gebiet des Tajo bei Toledo sagte. Er vertraute die Restaurierung seinem Schwiegersohn, dem Grafen Raimund von Burgund an,
der mit seiner kriegerischen Tochter Urraca verheiratet war. Der Graf brachte neue Siedler aus anderen Gegenden in die Stadt. „Es gab Franzosen, die sich dort niederließen,
wo heute die Kathedrale steht, Galicier im Westen des Landes, Bergbewohner (Serranos), die sich in einem Stadtviertel niederließen, das ihren Namen trug, Juden im
jüdischen Viertel in der Nähe der Grundschulen, Leute aus Aragonien in Santo Tomé und Kastilier in den Bergen von San Cristóbal“. Die Mozaraber und Morisken siedelten auf
der anderen Seite des Flusses in der Nähe der Brücke. Salamanca begann, europäische Luft zu schnuppern.
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts bereits kamen unter dem Schutz des Klerus und der Militärorden neue Siedler hierher. Die Stadt wurde Bischofssitz und die Arbeiten an der
Kathedrale kündigten machtvolle und prachtvolle Zeiten an. Ihr eigenes und kurz zuvor eingeweihtes Forum zählte 33 Pfarrkirchen, deren Zahl schnell auf 50 anstieg. Die
Stadt war von einer Mauer mit 13 Toren umgeben, von denen jedes einzelne seine Legende hat. Es heißt, dass durch das arabische Tor, welches den Weg nach Villamayor öffnete,
und wo man heute noch aus den Steinbrüchen die Steine für den Bau der Häuser abbaut, jedes Jahr am Johannistag eine wunderschöne junge maurische Prinzessin erschien, die
auf einem marmornen Rad goldene Baumwolle spann, während sie endlos auf ihren Geliebten
wartete. Um dieselbe Zeit traf König Alfons IX., bösen und geschwätzigen Zungen
zufolge ein wenig neidisch auf seinen Cousin König Alfons VIII., welcher die Schule von Palencia gegründet hatte, eine Entscheidung, die die universelle Stellung Salamancas
begründen sollte: Die Gründung des „Estudio General“.
Währenddessen schritt die Reconquista mit unsicherem Ausgang der unerbittlichen Kämpfe zwischen den mitleidlosen Truppen der Christen und den hartnäckigen „Untreuen“
weiter voran. Ein Historiker des letzten Jahrhunderts bestätigt: „Salamanca spielte dennoch eine wichtige Rolle bei den Turbulenzen, die die Herrschaft von Peter I.,
Heinrich II., Johannes I., Heinrich III., Johannes II. und Heinrich IV. begleiteten und nahm dabei aktiv an den öffentlichen Verhandlungen teil. Der Stadt kam schon früh
das Privileg zu, im spanischen Parlament vertreten zu sein und oft traten das Parlament und der Konzil hier zusammen. Von der Mitte des 15. Jahrhunderts an begann
Salamanca, auf die königliche Anordnung von Heinrich IX. hin, die „Feria Franca“ abzuhalten (welche heute noch Mitte September stattfindet).
Die uralten Eichenhaine, die der Besucher heute noch zu sehen bekommt, waren Zeugen der Zeiten von wechselndem Leid und Ruhm dieser Straßen. Manchmal empfingen sie die
regierenden Monarchen mit allen ihnen gebührenden Ehren. Andere Male kam es zu kriegerischen Aufständen wie z.B. beim Krieg der „Comuneros“, der die Namen Maldonado, Guzman
und Zuñigas berühmt, diese jedoch nicht unsterblich machte. Viele andere, kühne Bewohner von Salamanca verloren ihr Leben und ihre Besitztümer im Exil oder auf dem
Schafott. Aber Salamanca blieb weiterhin der Sitz der Hohen Wissenschaften. Im 16. Jahrhundert druckten 54 Verlage Werke, die sich in mehr als 80 Buchläden sehr gut
verkauften. Salamanca war auch Tempel der Kunst. Es gab bis zu 30 Schulen, 2 Seminare, 15 Klöster und viele andere Konvente, 19 Spitäler, außerdem die Kathedralen und
zahlreiche Kirchen für die Ausübung des täglichen Gottesdiensts.
Die Stadt von Tormes „schien wie die Sonne, die allen mit ihren Strahlen Licht und Wärme schenkte“. Aber das 17. Jahrhundert brachte die Entvölkerung aufgrund der
ethnischen Säuberung unter Philipp III. mit sich: Ungefähr 500 maurische Familien und eine vergleichbare Anzahl von portugiesischen Familien wurden gezwungen, ihre Häuser
zu verlassen. Hinzu kamen die Folgen des Unabhängigkeits- und des Bürgerkrieges. Das alles ist also diese Stadt, die der Besucher heute sehen kann. Ihre große Bedeutung
ist offensichtlich.
Entlang des Tormes der ewigen Zeiten
Der Besucher wird es vielleicht schon wissen oder er wird es schnell herausfinden, wenn er zum ersten Mal hierher kommt: Dieser Parador kann nicht mit
Mauern und traditionellen Zimmern prahlen, an denen die Zeit ihre Spuren hinterlassen hat. Aber er kann zu Recht stolz darauf sein, wie ein Balkon mit dem
unvergleichlichen Privileg zu sein, von dem aus man die schönsten Seiten Salamancas bewundern kann, die sich in diesem Schaufenster zeigen. Es gibt eine Legende, die
besagt, dass der Karthager Hannibal sich von diesem Hügel aus, wo sich heute der Parador erhebt, auf die Zehenspitzen stellte, um die Eroberung der Helmántica besser
vorzubereiten.
Außerdem erinnert sich die Stadt stolz an den berühmten Anwalt Eleuterio Sánchez, der hier an diesen Ufern geboren wurde und der Jahre zuvor als „El Lute“ bekannt
gewesen war. Er verursachte nicht wenige Unannehmlichkeiten in der Guardia Civil.
Der Besucher tut gut daran, seinen Besuch der Stadt mit dem Überqueren der Brücke, oder „La Puente“ (wie die römische Konstruktion genannt wird) zu beginnen. Die ersten
15 Bögen sind etwa vor 20 Jahrhunderten durch Kaiser Trajan erbaut worden. Die andere Hälfte stammt von den Spaniern. Genau in der Mitte befindet sich das uralte
Erkennungszeichen mit dem Symbol des geköpften iberischen Wildschweins, unfehlbarer Wegweiser für vertrauensvolle Wanderer und geeignet, um die Erinnerung an die besten
Schurkenstreiche des Lázaro de Tormes wieder lebendig werden zu lassen.
Gleich neben der Mauer zeigt Salamanca einige seiner größten Reichtümer, so wie z.B. die zwei Kathedralen, Zwillinge aus Stein und Seele. Die alte Kathedrale ist ein
romanisches und byzantinisches Schmuckstück, dessen Konstruktion im 11. und 12. Jahrhundert begonnen, aber erst zu einem späteren Zeitpunkt fertiggestellt wurde. Sie wurde
von Graf Raimund von Burgund, dem „Wiederbevölkerer“ der Stadt, und dem Bischof Jerónimo, einem kluniazensischen Mönch, Kaplan und Beichtvater von niemand Geringerem als
dem Cid, entworfen und umgesetzt. Sie war ein Modell der Kunst, die noch heute zu bewundern ist, und ein Bollwerk der Macht der damaligen Zeit. Dies ging so weit, dass ihr
Domkapitel mehrere Dörfer der Diözese Salamanca und Zamora regierte, die ihm lehnspflichtig waren und Abgaben zahlten. Hier wurden so berühmte, adlige und machtvolle Leute
getauft wie der Dichter Juan del Encina und König Alfons XI. Der Altaraufsatz von Nicolás Florentino verdient besondere Aufmerksamkeit. Der „Torre del Gallo“ (Hahnenturm)
wird als eines der besten Werke der damaligen Zeit betrachtet. Ebenso die Kapelle von Talavera, welche die Genehmigung hat, mozarabische Rituale durchzuführen. Der „Patio
Chico“ ist eine bezaubernde und einzigartige Symbiose mit mehr als Einsprengseln, die das gotische Zeitalter einläuten.
Wenig später, zu Beginn des 16. Jahrhunderts, musste eine neue Kathedrale errichtet werden, da die alte „zu klein, zu dunkel und zu niedrig war“. Die so genannten
„Meister der Geometrie“ brauchten zwei lange Jahrhunderte, um dieses Projekt fertig zu stellen, das durch die Gunst und den Eifer König Ferdinands unterstützt wurde, der
aufgrund solcher und ähnlicher Unternehmungen als der Katholische König bekannt wurde. Mit der Zeit wurde das Gebäude nach und nach von Gil de Hontañón, Churriguera,
Sagarvinaga und anderen Künstlern sowie den besten Steinmetzen der damaligen Zeit gestaltet. Die Kathedrale war mit ihrer gekrönten Kuppel Zeugin des furchtbaren Erdbebens
von Lissabon im Jahr 1755, erfuhr aber selbst nur ein leichtes Beben, was mit Sicherheit aufgrund göttlicher Fügung geschah. Das Gebäude ist gotischen Stils, obwohl dies
mittlerweile schon nicht mehr der für die Zeit typische Stil war. Der Besucher sollte nicht die Gelegenheit verpassen, sich die außergewöhnliche Serie der fünf
Altaraufsätze mit gewissen plateresken Anwandlungen um die Kathedrale herum in Ruhe zu betrachten. Das Innere des Gebäudes ist ein Renommierstück der besten Elemente des
Gotischen.
Und zusammen mit dem Glauben, das Wissen. Die Wissenschaft und der Glaube standen damals unter dem Schutz ähnlicher und miteinander geteilter Soutanen. Hier wurde die
älteste und prestigeträchtigste Universität Spaniens gegründet, wo das Platereske unter der eisernen und schützenden Schirmherrschaft des einmalig weisen Monarchen Alfons
X. zur universalen Postkartenansicht stilisiert wurde. Dieser sorgte sogar dafür, dass das Lehrgebäude mit „genügend Luft und mit schönen Ausgängen ausgestattet sein
sollte, damit die Lehrer, die ihr Wissen weitergeben, und die Schüler, die lernen, ein gesundes Leben führen und sich an den Nachmittagen, wenn sie vom Lernen müde sind,
ausruhen und sich erfreuen sollen…“
Ihre Klassenräume boten vielen Menschen viel zu lernen und zu lehren. Viele berühmte Persönlichkeiten der damaligen Zeit sollten hier studieren wie z.B. Nebrija, Alonso
de Madrigal, „El Tostado“, Bruder Luis de León, Melchor Cano, Francisco Vitoria und Beatriz Galindo. Und, in jüngerer Zeit, Unamuno, einer der Schutzpatrone und
Patriarchen der Stadt. Kurz vor seinem Tod fasste er die Asche des heiß glühenden Bürgerkrieges in Worte, als er zu dem allmächtigen General und „Freund des Todes“,
Millán Astray, sagte: „Ihr mögt uns erobern, aber ihr werdet uns niemals überzeugen!“
Der neoklassizistische Palast von Anaya, heute die Fakultät für Philosophie, führt sofort auf die Straße der Andenken und der Buchhändler zum pharaonischen Tempel des
Klerus, eine Laune König Philipp III., irgendwo zwischen Herrero-Stil und Barock. Um den Geist zu beruhigen, wartet daneben schon die „Casa de las Conchas“ (Haus der
Muscheln), ein außergewöhnliches Beispiel bürgerlicher Architektur des 15. Jahrhunderts. Hier findet man Gitterarbeiten gotischen Stils und einen bezaubernden Innenhof mit
einem Hauch von Renaissance. Direkt daneben liegt San Martín, eine bescheidene, aber gleichzeitig prächtige romanische Kirche, die vom mittelalterlichen
Kunsthandwerkerviertel „Corillo“ aus bereits den Blick frei gibt und die „Plaza Mayor“ erahnen lässt. Der Platz wird von Fremden und Einheimischen gleichermaßen als der
schönste Platz Spaniens und vielleicht der ganzen Welt gepriesen. Über Jahrhunderte hinweg war er Marktplatz und arabischer Basar, Stierkampfarena und ein Ort der Kämpfe
zwischen Ideologien und verschiedenen Banditenbanden.
Heute ist er ein barocker Speicher, ein Werk des Meisters Alberto de Churriguera, das dieser auf Weisung von König Philipp V. hin erstellte, der so die Bauern für ihre
Loyalität während der Erbfolgekriege belohnen wollte. Unamuno bezeichnete ihn als einen der harmonischsten Plätze der Welt: „die größte Plauderecke der Stadt und die
wichtigste Schule der Faulenzerei...“ Aber es ist auch das Zentrum des berechnenden und produktiven Müßiggangs, ein Platz für Abmachungen und verschiedene Übereinkünfte
und der Ort, wo einst junge Frauen und Männer der Stadt in entgegengesetzter Richtung um den viereckigen Bau liefen und sich dabei mit leidenschaftlichen Blicken betörten.
Aber vor allen Dingen ist er das Zentrum des Hauses Salamanca: Wohnzimmer für die Einheimischen und Salon für den bestmöglichen Empfang der Fremden. Es wäre eine Schande,
den Besuch hier aufgrund fehlender Zeit abbrechen zu müssen. Aber auch wenn es so wäre, so sollte der Besucher seinen Spaziergang noch kurz ausdehnen, bis er zum Palast
von Monterrey gelangt, einem modellhaften Gebäude aus der Renaissance. Außerdem findet sich hier die berühmte, platereske „Casa de los Muertes“ (Haus der Tode). Daneben
wartet der „Plaza de los Bandos“ (Platz der Banden), Schauplatz lang anhaltender Zusammenstöße zwischen Adligen und den grausamen Banden von Salamanca. Hier steht auch das
Haus, in dem Maria die Wilde den Tod ihrer Kinder rächen sollte. 1543 verbrachten Philipp II. und Maria von Portugal ihre Hochzeitsnacht hinter diesen Mauern. Von dieser
Nacht heißt es, dass sie eine glückliche gewesen sein soll, denn „als es zehn Uhr war und der Prinz mit der allerbesten Laune aufstand, steckte er den ganzen Hof mit
dieser an“.
Nur ein wenig weiter, in der Nähe der Mauer und dem Tor von Zamora befindet sich, beinahe versteckt, die kleine Kirche von San Marcos, die Ende des 12. Jahrhunderts
erbaut wurde. Sie ist eine der wenigen kreisförmigen romanischen Kirchen, die in der Welt bekannt sind. Sie besitzt drei wertvolle Fresken, die direkt auf die Steinwände
gemalt wurden, ohne wie gewöhnlich einen Untergrund aus Mörtel zu verwenden. Nicht weit von hier entfernt befindet sich die Fonseca-Schule, ein hervorragendes Beispiel für
platereske Eleganz, naher und privilegierter Sitz des neuen Paradors.
Gegen unseren Willen verabschieden wir uns auf der Suche nach Kolumbus, aber nicht ohne vorher noch die romanische Kirche von San Julian und die gotische Sancti
Spiritus aus der Zeit der Renaissance zu besuchen. Diese will von ihrem Platz aus an all die Gesuche, Bitten und Pilgerfahrten erinnern, die er machen musste, um an die
Passierscheine und an Geld für seine glücklichen und unglücklichen Abenteuer zu
gelangen. Der Entdecker ist umgeben von einzigartigen Gebäuden, die eine Synthese dieser
Stadt sind, wie z.B. der Turm von Clavero, ein Leuchtturm, der von dem ehemals herrschaftlichen Haus des Alcántara-Ordens aus der Mitte des 15. Jahrhunderts erhalten
geblieben ist. Oder der sagenumwobene Palacio de la Salina, ein altes Salzdepot, welches von Gil de Hontañón Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut wurde und das als eines der
Wunder der Renaissance in dieser und anderen Städten erachtet wird.
Der Dueñas-Palast gehörte ursprünglich den Mudejars, wurde aber später zum Konvent dominikanischer Klausurnonnen. Trotz der späteren Änderungen sind aber noch Beispiele
der Kunst und der Kunstfertigkeit der Morisken erhalten, die sich durchaus mit den Filigranarbeiten Granadas vergleichen lassen. Der Kreuzgang, bereits im Renaissancestil,
ist ein Schmuckstück, das weltweite Anerkennung genießt. Zum Abschluss findet der Besucher San Esteban, direkt gegenüber. Kloster und heilige Stätte, wo die
Dominikanermönche mit ihren Händen und Ideen den Zeiten der Entdeckung Amerikas zur Hochblüte verhalfen. Das Gebäude besitzt eine platereske Fassade und gotische Rippen,
von den höchst dotierten Meistern der damaligen Zeit geschaffen: Juan de Álava, Bruder Martin de Santiago, Gil de Hontañon… Es findet sich auch ein ausgezeichnetes
barockes Retabel des Künstlers Churriguera, das ein großes Gemälde von Claudio Coello einrahmt.
Altaraufsätze, Altäre, Bestuhlungen und Kreuzgänge, die viele Werke in sich vereinen und Namen ins Gedächtnis rufen, die die Geschichte, den Glauben, die Wissenschaft
und das Wesen ihrer Zeit geformt haben: Pater Vitoria, Melchor Cano, San Ignacio de Loyola, Santa Teresa… und Christoph Kolumbus, dessen Kloster die Verhandlungen der
Dominikaner mit den Katholischen Königen für die glückliche Einschiffung vor der Eroberung Amerikas in Erinnerung ruft.
Das Säuseln der Glockentürme
- 1. Römische Brücke
- 2. Neue Kathedrale
- 3. Alte Kathedrale
- 4. Universität
- 5. Grundschulen
- 6. Geistlichkeit
- 7. Casa de las Conchas (Haus der Muscheln).
- 8. Palast von Monterrey
- 9. Casa de las Muertes (Haus der Tode).
- 10. Casa de Santa Teresa (Haus der Heiligen Teresa).
- 11. Plaza Mayor (Hauptplatz)
- 12. Palast Palacio de la Saline
- 13. Turm von Clavero
- 14. Konvent der Dueñas
- 15. Konvent von San Esteban
- 16. Geburtshaus und Museum von Unamuno
- 17. Höhere Schule des Erzbischofs Fonseca.
Auf dem Tisch des Armen macht das Schwein die Tugend
…nur selten besitzen sie Wein, und wenn sie ihn in die Hände bekommen,
wird er bei einem der Bankette der Familie schnell wieder verbraucht.
Anstelle von Öl benutzen sie Schmalz...
Strabon
Der griechische Geograph hatte Recht mit seiner Beobachtung, aber er versäumte es, solidere Lebensmittel zu erwähnen, vielleicht, um feinere Gaumen nicht
zu beleidigen. Die bäuerlichen Bewohner garantieren, dass sie Lebensmittel besitzen, die „besser sind als alle, die viele Meilen im Umkreis gefunden werden“. Darunter
fallen die Linsen von Armuña oder die Kichererbsen von Pedrosillo, die „Duquesitas“ (Herzogfische) aus dem Tormes de Alba und die Schleien aus dem Campo Charro. Die Wurst
von Guijuelo und die „Farinato“ (Wurst mit Brotkrumen) aus Rodrigo. Oder auch die süßen „Paciencias“ (kleines rundes Gebäck) aus Ledesma, Turrón aus La Peña, Käse aus
Arribes und „Perronillas“ (Süßspeisen) aus allen Orten.
Was die Seele des Lebens, das Essen, angeht, so kennt man auch in diesen Gegenden die cervantinischen Aufgaben des Magens und weiß drei Stufen des Hungers zu
unterscheiden: „Das Grundbedürfnis, wenn der Körper seine Forderungen stellt, den Hunger, wenn man Lust zu essen verspürt, und den Appetit als Wunsch nach Geschmack und
Genuss, auch wenn es an Nahrung nicht mangelt.“
Es ist praktisch unmöglich, die Gegend mit einem leeren oder knurrenden Magen zu verlassen, so wie es Lazarillo geschah, der hier entlang des Tormes Hunger und andere
Bedürfnisse verspüren sollte. Im Gegenteil, viel wahrscheinlicher ist, dass der Besucher der Sünde der Maßlosigkeit verfällt, als dass er der Tugend der Mäßigung zu
huldigen weiß.
Der Besucher sollte sein Essen im richtigen Maß genießen: ohne die Herde des Paradors zu verlassen hat er genügend Möglichkeiten, die er benötigt oder wünscht, um den
guten Geschmack der bäuerlichen Tafeln auszukosten. Er kann das Menü behutsam zusammenstellen, die Treffsicherheit wird vom Chef des Hauses garantiert. Als Beispiel wollen
wir einige Gerichte nennen, die stets aus einem kompletten Angebot der kastilischen Tafeln zusammengestellt sind, die auch ihre feine Abstimmung mit Speisen aus
angrenzenden Gebieten erahnen lassen.
Ein guter Anfang könnte ein Gericht mit Hülsenfrüchten aus der Gegend sein, allerdings mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass noch Platz für weitere Speisen bleiben
sollte: Bohnen aus Alberca mit „Picadillo“ (Kleingehacktem) oder „Pie de Cerdo“ (Schweinefuß). Oder Linsen, am besten ohne alles, wenn sie aus dieser Gegend stammen. Oder
auch Schwenkkartoffeln mit etwas Paprikawurst oder gebratenen Speckscheiben. Oder ein Eintopf mit allem, was dazu gehört. Besonders zu empfehlen ist die „Chanfaina“
(feines Ragout aus Innereien), die zusammen mit Reis, Geflügelinnereien und weiteren Zutaten mit wunderbarem Ergebnis zubereitet wird.
Wilde Pilze, Edelreizker und Trüffel der Steineiche sind einige der einzigartigen Überraschungen der Pilzsaison.
Der Tormes und seine Seitenarme und Zuflüsse sind großzügig mit ihrem Angebot: Forelle, Schleie gebraten oder in der Teigpastete; Froschschenkel, je nach Geschmack in
einer pikanten Soße. Die begehrten „duquesitas“ (Herzogfische), winzige Delikatessen in der Art der „chanquetes“ (Glasgrundeln), die der Tormes auf seinem Weg durch Alba
mit sich trägt.
Es gibt Würstchen und andere Produkte vom Schwein, die zu jedem Zeitpunkt des Menüs serviert werden können und immer willkommen sind auf dem Tisch des armen Mannes.
„Picadillo“ (Kleingehacktes) aus „Tejares“ oder „Chichas“ (Fleisch), bevor es zu Paprikawurst verarbeitet wird. „Mollejas“ (Saumagen) oder „Jeta“ (gebratene
Schweineschnauze) sind auch zu haben und wirklich ein göttlicher Genuss. Oder hausgemachte Gerichte, die ein Kapitel für sich bilden. Hierzu zählen z.B. der Eintopf nach
Art von Béjar, mit geschmortem Kalbfleisch aus den Bergen und Paprika. Spanferkel, am Spieß oder in Stückchen. Milchlamm. Stierschwanz, wenn möglich alles hier aus der
Gegend. Oder einfach ein Entrecôte oder Filet vom Jungstier, für das Kenner eine Herkunftsbezeichnung gefordert haben, um Betrug zu vermeiden.
Jede Art von Salat bildet eine wunderbare Beilage, aber die lokalen Produkte eignen sich natürlich am besten zum Fleisch aus der Region. Dazu zählt die „Maruja“ (eine
Art Kresse), winzig kleine Blätter, die aus den Bächen der Umgebung stammen.
Käsesorten gibt es wenige, aber dafür sehr gute wie z.B. die aus Hinojosa oder von den Ziegen, die in der Peña de Francia grasen.
Es gibt viele Desserts und Süßspeisen, die aus Gesängen und Gebeten der Konvents herstammen, wie der Pudding von Maimón, „Suspiros de las Hermanitas“ (Nonnenseufzer),
die mit Weißbrot, Ei, Zucker und einer Messerspitze Zimt hergestellt werden. Oder die „Obispos“ (Bischöfe), Biskuitkuchen mit Honig aus den Bergen. Oder Turrón
(Nusskonfekt) aus La Alberca, der nicht so appetitanregend aussieht, aber umso besser schmeckt. „Yemas“ (Konfekt aus Eigelb und Zucker) mit Oblaten der gesegneten Seelen…
Weinsorten gibt es nur wenige, wie es der Weise ganz richtig bemerkte, sie sind aber so erlesen, dass er, wenn er den Wein aus „Las Arribes“ oder den von den Ufern des
Duero probiert hätte, diese bestimmt in seine Chronik aufgenommen hätte.
Die Bilder, Grafiken und Texte in dieser Parador- / Ortsbeschreibung stammen von unten
genannten Autoren, bei denen wir uns recht herzlich bedanken möchten.
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Bildmaterial:
PARADORES DE TURISMO DE ESPAÑA, S.A.
Videomaterial:
PARADORES DE TURISMO DE ESPAÑA, S.A.
Texte:
Miguel Garcia Sanchez
Zeichnungen:
Fernando Aznar