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Segovia und sein Parador



 

Edle Länder von Kriegern und Hirten


Parador Segovia Es kann nur ein Gott gewesen sein, der diese Stadt zu errichten wusste, vielleicht nach dem Vorbild irgendeines Ortes aus seinem himmlischen Reich. Es kann nur der Teufel gewesen sein, der mit Sünden diese so göttliche Perfektion zerstörte: Es waren nur Menschen, die dieses Wunder vollbrachten, das der Reisende vor Augen hat. An der einen oder anderen Sache erfreut er sich, oder er leidet daran -aber er gibt sich letztendlich zufrieden, - Segovia. Es war tatsächlich ein Gott, der diese Gebirgslandschaften durch Flüsse bearbeitet hat, um die Felsen zu ordnen. So hat es ein berühmter und alter Historiker geschrieben: “...Diesen schwer befestigten Ort, den die Natur uneinnehmbar gemacht hat, wählte Herkules, unser Gründer, für eine Stadt... Diese nannte sich Segovia, vielleicht nach dem uralten Wort Briga, was so viel wie Menschenversammlung bedeutet...”Jene ersten Segovianer mit steinzeitlichen Ahnen empfingen den römischen Invasor überrascht und kampfeslustig. Die fremden "eisernen Krieger" trafen auf ein Lager mit tapferen Männern und sehr schnellen Pferden, die sie von hier mitnahmen, um sie auf weiter entfernten Kriegsschauplätzen einzusetzen. Sie fanden den Ort so geeignet, dass sie sich hier niederließen und aus ihm einen Hauptdurchzugsort für ihre Legionen machten. Sie bauten Tempel, Gebäude und, vielleicht, die Mauer und das Aquädukt, obwohl auch die Legende die Geschichte gut vervollständigen könnte.

Es war der Teufel, ganz sicher, der diese Brücke gebaut hat: Der Dämon erschien einer jungen Wasserträgerin, die es leid war, den Krug zu schleppen, und schlug ihr einen Pakt vor. Er würde ihre reine Seele erhalten, wenn es ihm gelänge, das Wasser bis zu ihrem Haus zu bringen, noch ehe der Hahn kräht. Die beiden machten sich an die Arbeit: der Teufel konstruierte dieses kolossale Werk, und das Mädchen, die ihre Sünde bereits bereute, verfiel in Versprechungen und Gebete, um der unabänderlichen Verurteilung zu entgehen. Als der Hahn im Morgengrauen erwachte, fehlte dem Ruchlosen ein Stein, um sein Werk zu vollenden: Er bekam die Seele des Mädchens nicht, aber die Stadt bekam ihr Aquädukt, das nach den Worten des geistreichen Gómez de la Serna seither göttliches “Gerüst zur Abstützung des Himmelsgewölbes" ist (“andamiaje para revocar la bóveda del cielo.").

So entstand mehr oder weniger Segovia, für immer beherrscht von in Granit gehauenen iberischen Ebern zum Erstaunen des modernen Fremden. Später entstand die Stadt der ersten katholischen Kirchen und ihrer Bischöfe, damals Westgoten, die mit ihrem Siegel die Akten der wichtigen Konzilien von Toledo unterzeichneten. Die ersten segovianischen Heiligen wurden geboren: San Frutos, San Valentín und Santa Engracia. Sie vollbrachten viele Wunder, konnten die Anwesenheit der neuen sarazenischen Nachbarn jedoch nicht bannen. Obwohl sie viel für dieses und andere Länder taten -sie führten neue Künste und Handelsgüter ein, verbesserten den Umgang und die Sitten, versuchten, respektvoll miteinander zu leben-, sind von ihnen nicht viele Spuren erhalten. Segovia lebte, definitiv, für das Geschäft mit der Religion und dem Krieg. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts begann man, die Provinz, die bis dahin leer und verlassen als Grenzzone diente, wieder zu bevölkern durch kriegerische und tapfere kastilische Grafen, stark beunruhigt durch die Heerscharen des Almanzor und die Belagerungen von Al Mamún, dem König von Toledo. Die Viertel des Ortes blieben stark verfallen, aber das Leben und der Handel gediehen wieder und waren intensiv, wie auch der arabische Geograph al-Idrisi sehen konnte: ”Segovia ist keine Stadt, sondern setzt sich aus vielen Dörfern zusammen, und die Häuser stehen sehr nahe beieinander. In ihnen wohnen viele Männer, die geeignet wären, eine Eskorte zu bilden: Sie alle gehören zur Reiterei des Königs von Toledo. Sie sind Besitzer von Erntefeldern und Pferdeherden, in der Schlacht berühmt wegen ihrer Widerstandsfähigkeit im Zweikampf, und stark im bergigen Gelände...”

Parador Segovias Säulen Zum Schluss erfolgte eine christliche Wiederbevölkerung dieser steilen und weiten Territorien, die bis nach Toledo reichten, durch den edlen Schwiegersohn König Alfons VI., Raymundo von Burgund. Es kamen neue Nachbarn aus Navarra, aus Aragonien und La Rioja und sogar einige aus dem Grenzbereich zu Galicien. Die Macht der Kirche wuchs bemerkenswert. Die Ritter schmückten sich mit Geldern, Ländereien und Adelstiteln für ihre wertvollen Siege gegen die Ungläubigen. Und in der Zwischenzeit entstand eine Sippe reicher Kunsthandwerker und Wollhändler unter der Macht und den Privilegien des Honrado Concejo de la Mesta (kastilische Viehzüchtervereinigung 1273 bis 1836).

Segovia war Kreuzung von Weidewegen und wichtigstes Zentrum des Wollhandels. Es kamen gute Zeiten: Kaum war das 13. Jahrhundert angebrochen, war das segovianische Tuch zu Ruhm und Preis in ganz Spanien gelangt. So groß waren Ruhm, Macht und Reichtum, dass die Angst des Heiligen Königs Ferdinand geweckt wurde und es zur Zensur kam. Damals schon war die Stadt ein romanisches Juwel, zur Bewunderung der kommenden Jahrhunderte: Hier befanden sich, mit mozarabischem Habitus, die Kirche San Juan de los Caballeros; die von San Martín, ebenfalls mit besonderem orientalischem Einfluss. San Millán, mit großer Ähnlichkeit zur Kathedrale von Jaca; San Lorenzo, San Esteban, La Trinidad...

Und die Kirche Iglesia de la Vera Cruz, legendäre Beschützerin des Templerordens: Während der Kreuzzüge kam ein müder Templerritter an die Pforten der Kirche. Man öffnete ihm aber nicht, und er starb aufgrund der eiskalten Nacht in dieser Sierra. Im Morgengrauen waren der Leichnam von Schnabelhieben der Raben entstellt, die Augen leer. Der Abt, bei diesem Anblick reumütig und wütend, verwünschte auf ewig die schwarzen und makabren Raubvögel: ”Ab dem heutigen Tag könnt ihr euch niemals wieder auf das Dach dieses heiligen Gotteshauses setzen...” So war es, und so wird es immer sein, wie der Besucher überprüfen kann.


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