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Toledo und sein Parador



 

Vom Kaiserreich zu Gott


Nur in Toledo komm ich mir töricht vor
Isabella die Katholische

Parador Toledo So alt sind diese Ländereien und so antik die Ursprünge ihrer Bewohner, dass nur Toledo die Bezeichnung „Mutter ganz Spaniens“ verdient. So wollten es die Götter und Geister der Geschichte.

Die Entstehung der Stadt ist Frucht der ersten Mythen aus Urzeiten. In den Annalen steht geschrieben, dass Herkules hierher kam, um in einer Höhle dieses Felsens die Geheimnisse seiner großen Weisheit zu verbergen, die von einer furchterregenden Schlange gehütet wurden: dies waren die ersten Bewohner Toledos.

Es könnte sich auch so zugetragen haben –wie dies die fernen muslimischen Bewohner dieser schmalen und gewundenen Gassen wohl bevorzugten -, dass die Höhle des Herkules den kostbarsten aller Schätze barg, nämlich die Tafel des Salomon, die aus einem enormen Smaragd, welcher Luzifers Stirn entrissen wurde, geformt war. Erst wenn die Stadt erobert werden könnte, würde es das Erbarmen Allahs gestatten, dass der Juwel in neun heilige Stücke in den neun atemberaubendsten Moscheen des Islam zerspringe.

Für moderne und skeptische Forscher ist die mythische Höhle nichts weiter als ein Wasserdepot aus Zeiten der Römer, die sich gern unmöglichen hydraulischen Wundern hingaben. Der Reisende sollte stutzig werden und besser das pragmatische, aber treffende Dogma von Gelehrten aus jüngerer Zeit akzeptieren, die besagen, dass wenn sich Legenden in Geschichte verwandeln, dies das größte Unheil eines Volkes ist. Denn diese Gassen und dieser Menschenschlag sind Werke von Mythen, der Magie und der Wunder.

Die Römer ließen sich sehr früh oberhalb des Tajo-Flusses – vor etwa zweitausendzweihundert Jahren – nieder, als Toletum nichts weiter als eine kleine befestigte Siedlung war, wie uns Titus Livius berichtet. Sie bauten Brücken, Staudämme, ein Aquädukt, und prägten Münzen und Siege. Sie bauten ferner eine der eindrucksvollsten Arenen Hispaniens, auch wenn sie von Viriatus mitunter heftig dabei gestört wurden. Der unbesiegte lusitanische Heeresführer warnte den Besatzer mit einer Fabel über die Gefahren, Pakte zu brechen und mit dem Volk mit falscher Münze zu spielen: „Ein Mann, weder jung noch alt, nahm sich zwei Frauen; die junge riss ihm in der Absicht, ihn mehr an ihr eigenes Alter anzupassen, alle grauen Haare raus, die er hatte. Mit derselben Absicht riss ihm die ältere seine schwarzen Haare aus. Und zu guter Letzt war der Mann kahl...“

Wie der unermüdliche Krieger gewarnt hatte, haben die Westgoten das zivilisierende Imperium vertrieben und das Königreich Toledo gegründet. So sollte der Staat Spanien entstehen, der erste in ganz Europa.

Die westgotischen Jahrhunderte waren geprägt durch Unruhen und Ambitionen von Adligen mit feudalen und trügerischen Vorlieben und einer Kirche, die sich mehr zur Macht auf Erden berufen fühlte. Die Stadt war politische Hauptstadt und zugleich Heiliger Sitz der unerbittlichen Konzile von Toledo. Der reuige und konvertierte Rekkared wandelte sein Reich, das bis dahin noch von konfusem Irrglauben besessen war, in ein katholisches um.

Beim IV. Konzil, man schrieb etwa die Mitte des 7. Jahrhunderts, stellt Isidor von Sevilla die zeitliche königliche Macht unter die unwiderruflichen Pläne der Kirche. Die Könige gleichen eher Missionshirten: “rex eris si recte facias; si non facias, non eris“, urteilte Isidor. Bald schon blühte ein mächtiger Hofstaat, intrigierend und eitel, zum Entsetzen der zunehmend verarmten und unwissenden Bevölkerung, die nichts von Parteien oder Kriegen verstand; und auch nichts mit Edelmännern und der Kirche am Hut hatte. Es entstanden aber doch auch zahlreiche und vielfältige Berufe und Handwerke:

Es gab Schuster und Spinnerinnen; Metallschmiede, Holzschnitzer und Steinmetze; Waffen- und Rüstungsbauer, Schmiede von Schätzen aus Gold und Silber. Töpfer bemerkenswerter Keramiken. Kurpfuscher mit magischen Salben und viele Händler, die von weit her kamen, um Maulaffen feil zu halten. Die Kathedrale - später Moschee und schließlich gotisches Gotteshaus – war die große Kanzel der religiösen Macht jenes ersten katholischen und toledanischen Spaniens. Es wurden die luxuriösesten Paläste und Villen der damaligen Zeit erbaut. Und palastartige Klöster, die von kultivierten Bischöfen bewohnt waren, die die Wege des Konzils erleuchteten. Prachtvolle Kirchen wie die des San Román und des Salvador, in denen noch einige Kapitelle und andere gehauene Überreste der westgotischen Steinmetzmeister erhalten sind; und Teile der Mauer, die König Wamba errichten ließ... Schade ist nur, dass der Besucher nicht die berühmte Tafel Salomons bewundern kann, und auch nicht die zahlreichen Kronen aus reinem Gold, die königliche Häupter zierten.

Die Stadt Toledo Ebenso wenig viele andere Schätze, die von maurischen und christlichen Sünderhänden entwendet wurden. Im Museum der Konzile und der Westgotischen Kultur werden noch einige Juwelen dieses ursprünglichen Glanzes aufbewahrt. Zwischenzeitlich hatte sich krankhafte Machtbesessenheit breit gemacht: Die Adligen wollten mehr sein als die Könige, alle im Schatten einer Konzilskirche, die es nicht verstanden hat, versöhnend zu wirken. Das Volk sah sich seinem Schicksal der Armut und der Verlassenheit inmitten der Intrigen und des Betrugs zwischen Edelmännern, Bischöfen und Monarchen ausgesetzt.

Die Muslime fühlten sich, ohne dass man je alles genau erfahren hat, zur Eroberung dieses Ortes wie berufen, vielleicht von einigen Juden mit finsteren Absichten, wie böse Zungen sagen, dazu gebracht. Oder wohl eher durch die Rache eines gewissen Don Julián, Gouverneur von Ceuta, der von dem Edelmann Roderico beleidigt und gedemütigt wurde, der die Ehre einer seiner Töchter befleckte. Zuerst Tarek und später Musa machten sich Toledo bald zu einer fetten Beute und zum Hauptquartier ihrer fulminanten Eroberungszüge.


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Parador de Toledo ****
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