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Villafranca del Bierzo und sein Parador



 

Villafranca des vollkommenen Ablasses


“...Wallfahrer, Wanderer oder Pilger: nur Dein Stock
wird Dir den Weg weisen. Bei allen wirst Du Obhut
finden; der Führer und der Apostel aber ist in Dir...”
(Anonym aus dem 13. Jahrhundert)

Parador Villafranca del Bierzo Der Reisende, der derzeit kommt, geht oder zurückkommt, wird einen sicherlich überraschenden, aber nicht ganz neuen Anspruch finden:

”Der Bierzo, Provinz von León”.

Es handelt sich um einen alten, aber nie ad acta gelegten Anspruch.

Alles geht auf die Zeit des Absolutismus (1821) zurück, auf das so genannte “Liberale Triennium”: Durch Entscheidung des Parlaments wurde Villafranca zur kurzlebigen Hauptstadt der Provinz Bierzo gemacht. Denn schon kurz darauf mit der Restauration von Ferdinand VII. würde die provinzielle Unterteilung wieder in das alte Gleichgewicht kommen.

Und so liegen die Dinge auch noch heute. Vielleicht kann dies das ewige Vorrecht, aber auch die Verdammung dieser Täler erklären: Seit Urzeiten ist der Bierzo Land aller, aber auch Niemandsland. Ein in jedem Falle begehrter Bezirk; etwas versteckt, denn so wollte es die Geografie, und weil es die Bewohner auch heute noch so bevorzugen. So sehr sie sich auch anstrengen, so offen zu sein wie die Kastilier und so gastfreundlich wie die Galicier, sie sind es zwar auch, aber...

Die Bercianer sind definitiv dazu berufen oder dazu verdammt, einen breiten und überraschenden Sonderstatus einzunehmen, in diesen fruchtbaren Tälern, von allen Seiten von Bergen und Gipfeln wie den “Piedrafitas” mit uralten keltischen Traditionen umgeben und umhegt. Oder die waghalsigen “Ponferradas” mit Kohlenminen, die bis in teuflische Tiefen hinunterreichen. Und auch die emporragenden “Corullones”, wachende Zeugen und Wächter ausgeprägter Künste und des Kunsthandwerks; dann die Minen des begehrten und kriegerischen Wolframs, als dieses Mineral nach dem Spanischen Bürgerkrieg mit seinen einzigartigen und männlichen Eigenschaften zum Bau von Panzern und Kanonen für das Dritte Reich herhalten musste.

Alles weist darauf hin, dass die Römer aufgrund des privilegierten Klimas und des außergewöhnlichen Reichtums an Bodenschätzen wohl doch nicht gesponnen haben, als sie so viele Mühen und Legionen auf dieses Gebiet verwandten.

Die “Médulas” waren die wichtigsten Goldminen des römischen Imperiums, die gegenwärtig in eine erschreckende Gespensterlandschaft verwandelt wurden. Noch heute kann man die Prozedur der Erzgewinnung nachvollziehen: durch zahlreiche in die Berge gebohrte Stollen wurden riesige Wassermassen durchgeschleust, die weit oben aufgestaut waren. Das Bad aus geschliffenen Steinen, Lehm und Gold wurde dann mittels eines Geflechts aus Heidekrautästen gefiltert... Drei Jahrhunderte lang sollen hier viele tausend freie Männer, Sklaven und Legionäre gearbeitet haben, um schließlich 230.000 Kilogramm Gold zu fördern, laut den einen, oder bis zu einer Million, laut anderen Quellen. Dieses Gold wurde zur wertvollsten Finanzquelle des Imperiums.

Und seit Ende des 11. Jahrhunderts sollte die Region Zeiten von reger Tätigkeit erleben, nicht nur wirtschaftlich, auch dank der von Osmundo, dem Bischof von Astorga, mit Eisen verstärkten Brücke, die er bauen ließ, um den Pilgern nach Santiago den Weg zu ebnen. Und ein Jahrhundert später sollte sich hier auch der Templerorden ansiedeln, als Ferdinand II. die Stadt diesen bewaffneten Rittern überlassen hatte. Die Burg, die sich noch heute so hoch über der Stadt erhebt, wie sie nur gerade kann, und wie man sie gelassen hat, sollte zum letzten Bollwerk der Templer in Spanien werden. Im Laufe der Jahre und mit dem nachlassenden Enthusiasmus für den Jakobsweg verändert Ponferrada sein frommes Äußeres und widmet sich weltlicheren Aktivitäten: Die Stadt sollte sich zu einem mächtigen Handels- und Wirtschaftszentrum des Bierzo entwickeln. Allmählich verwandelte sich die Stadt der Templer in einen Ort der Jahrmärkte und Märkte, ein Bergbauzentrum und eine betriebsame Industrielandschaft. Nichtsdestotrotz wurde eine tiefe Religiosität aufrechterhalten und es geschahen auch Wunder. Wie jenes, das sich im 16. Jahrhundert im Umkreis zutrug, “...infolge des Raubes einer wertvollen Monstranz, die der waghalsige Gauner in einem Brombeerstrauch versteckte. Den Jägern wollte es nicht gelingen, eine der zahlreichen Tauben zu treffen, die dort umherflatterten...”

Die Kirche von Villafranca “...aber eines Tages sollte ein frommer Müller den heiligen Behälter entdecken. Daraufhin wurde der ruchlose Dieb gefasst, seine Hände wurden abgeschnitten, man richtete ihn hin und zog ihn durch die gesamte Stadt. Das Wunder wurde mit Prozessionen und Messen unter dem Vorsitz des Bischofs von Astorga gefeiert...”

Man weiß bereits: es war der Weg von Santiago, der am meisten und besten die Geschichte des Bezirks des Bierzo, aber auch vieler anderer Gegenden mit vielfältiger Kunst und Kultur erhellte.

Vom Bezirk der Maragatería aus (über Astorga) schlägt man den Weg ein, der nach Poncebadón hinaufführt und kommt nach Ponferrada, um dort Unterkunft zu suchen und sich auszuruhen, wieder Kräfte zu sammeln und die Wunden an Körper und Geist zu heilen. Und um neue Ausrüstung zu suchen – Karten für die Marschroute, Orte der Erholung und der Versorgung mit Viktualien; Schuhwerk und sogar Brücken über Flüsse mit Trinkwasser. Villa-Franca (freie Stadt) war zu romanischen Zeiten vielerorts unter diesem Namen bekannt, sie bot die letzte Gelegenheit, bevor man die schwierigen Bergpfade bestieg, die schließlich zu den Landstrichen von Lugo führen sollten, nach der furchterregenden Überquerung der Gipfel von Piedrafita. Man schätzt, dass auf diesen heiligen Pfaden in den Glanzzeiten jedes Jahr zwischen 200.000 und 500.000 Pilger vorbeikamen. Alle von der erhabenen Wärme des Wegs angezogen, aber nicht alle vom Licht des Apostels geleitet: Es war eher ein Wirrwarr aus wirklich Heiligen, heiligen Sündern, Reliquienhändlern, Gauklern aller Art, oder ganz einfach Abenteurern. Doch manche hinterließen ihre Bräuche und Gepflogenheiten; Künste und Kunsthandwerk...: eine weise Mischung von Kulturen, die noch heute zum Vorschein kommen oder sich zumindest leicht erahnen lassen.


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Parador de Villafranca del Bierzo ***
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